Die Filme des Christopher Nolan: «Following»

Jeder fängt mal klein ein. Im Falle von Chris Nolan war dies «Following». Ein Spielfilmdebüt, welches er für gerade einmal 6'000 Dollar auf die Beine stellte. Ein kleiner Blick hinter die Kulissen.

© flaxfilm / AL!VE

Dieser Artikel ist Teil unserer grossen Christopher-Nolan-Retrospektive, in welcher wir jeden Film des Regisseurs etwas genauer beleuchten. Da Nolan in seinen Filmen gerne mit der Zeit spielt, unterteilen wir die zusammengetragenen Informationen nach der Produktionsphase («Vor dem Dreh», «Während des Drehs» und «Nach dem Dreh»), sagen euch, was für Verbindungen es mit den anderen Filmen des Regisseurs gibt und wo ihr euch den jeweiligen Film ansehen könnt.

Die meisten Informationen in diesem Bericht zu Following stammen aus einem 27-minütigen Interview mit Nolan, welches man auf der Blu-ray-Disc von Criterion findet.

Um was geht es?

Following erzählt die Geschichte des jungen Autors Bill. Dieser beginnt eines Tages, anderen Menschen zu folgen. Böse Absichten hat er dabei nicht. Dies sieht ganz anders bei Cobb aus, der immer wieder in Wohnungen einbricht. Als Cobb bemerkt, wie Bill ihn eines Tages verfolgt, macht der Einbrecher kurzerhand den Schriftsteller zu seinem Komplizen.

Vor dem Dreh

Nolan Begins

Nolan besuchte keine Filmschule und studierte auch nicht Filmgeschichte. Er begann schon im Alter von sieben Jahren, erste Filme zu drehen. Zuerst mit der Super-8-Kamera seines Vaters, indem er mit seinen Spielzeugfiguren kurze Stop-Motion-Filme drehte. Während seiner Kindheit wurden die Filme immer grösser und ausgereifter. Following war laut Nolan dann das höchste der Gefühle, was er mit seinen Mitteln erreichen konnte. Sein Debüt-Spielfilm wurde mit einem Budget von 6'000 Dollar realisiert und die Schauspieler sind alles Freunde von Nolan. Einige der Darsteller in Following bekamen später auch kleine Rollen in Batman Begins.

Während des Drehs

Das ist ja der Hammer!

Nolan wusste von Anfang an, dass er nur sehr wenig Geld zur Verfügung hatte und schrieb das Skript mit diesem Hintergedanken. Weil er wusste, dass überzeugend aussehende Filmpistolen viel Geld kosten und viele anderen Studentenfilme ihr tiefes Budget durch billig aussehende Schusswaffen verraten, ist bei Following die entscheidende Tatwaffe ein simpler Hammer. Der lässt sich einfacher «faken» - am Set kam dann ein Hammer aus Gummi zum Zug. Nolan wollte unbedingt verhindern, dass die Zuschauer durch billig aussehende Requisiten aus dem Film geworfen werden.

Warum Schwarzweiss?

Um so effizient wie nur möglich zu sein und weil die Crew nur gerade mal drei bis vier Lichter zur Beleuchtung hatte, stehen die Schauspieler ganz oft direkt neben Fenstern. Auch das Drehen in Schwarzweiss ist auf die Effizienz zurückzuführen. Laut Nolan hätte das Drehen in Farbe einen viel grösseren Aufwand bei der Beleuchtung bedeutet, und mit dem tiefen Budget hätte das Ganze dann auch noch billig ausgesehen und keinen Style gehabt. Das Drehen in Schwarzweiss hatte für Nolan also nur Vorteile.

Materialschlacht

Der Film beginnt in einem Raum mit zwei Menschen, die miteinander reden. Gedreht würde die Szene in einem Raum der Film Society am University College in London, wo Nolan englische Literatur studierte. Für Nolan war dieser Beginn recht praktisch, denn das Equipment, welches er in diesem Raum zur Verfügung hatte, war viel professioneller als das, was er für den Aussendreh verwenden musste. Vor allem beim Ton ist dies laut Nolan bemerkbar. Seine Hoffnung war, dass die Kinobesucher dank der ersten Szene dermassen schon in der Story gefangen sind, sodass ihnen dann die schlechtere Tonqualität für den Rest des Filmes nichts mehr ausmache.

Nach dem Dreh

USA, USA, USA

Die Erfolge von Filmen wie El Mariachi und Clerks waren für Nolan sehr motivierend. Denn die ebenfalls für wenig Geld realisierten Filme von Robert Rodriguez und Kevin Smith konnten Distributoren für sich gewinnen und wurden so in viele Kinos gebracht. In England gibt es jedoch nicht wirklich viele Festivals, wo man einen Film mit einem solch tiefen Budget zeigen könnte, um Käufer zu finden. Deshalb stellte Nolan den Film in England fertig und reiste dann mit seiner Produzentin und heutigen Ehefrau Emma Thomas nach Amerika, wo sie den Film an mehreren Festivals zeigten.

Memento als Zeitvertreib

Weil sie sehr wenig Geld hatten, dauerte die Postproduktion bei Following ewig. Vor allem musste Nolan jeweils lange warten, bis das 16mm-Material entwickelt aus dem Filmlabor zurückkam. Danach dauert es auch recht lange, bis Nolan auf sein Debüt aufmerksam machen konnte. Die viele Wartezeit nutzte er, um am Skript zu Memento zu arbeiten. Doch dies würde er heute nicht mehr so machen. Denn der Regisseur glaubt, dass man sich jeweils nur auf ein einziges Projekt fokussieren sollte. Aufgrund der speziellen Situation hatte Nolan zum Zeitpunkt der Festivalpremieren von Following schon das Skript zu Memento parat. Etwas, das für ihn ein Glücksfall war, denn viele interessierte Käufer wollten von Nolan gleich wissen, was er als nächstes plane. Dass er darauf eine Antwort parat hatte, hat ihm zu Beginn seine Karriere sehr geholfen.

Following im Nolan Cinematic Universe

- Die kleine Nachttischuhr, welche Cobb im Film klaut, kommt auch in Memento vor, wo sie dann von Guy Pearces Protagonist verbrannt wird.

- An der Eingangstüre von Bills Wohnung klebt ein Batman-Sticker. Nolan drehte später die supererfolgreiche The Dark Knight-Trilogie.

- Der von Alex Haw gespielte Einbrecher Cobb ist nicht die einzige Figur im Nolan Cinematic Universe, welcher diesen Namen trägt. Auch Leonardo DiCaprios «Traum-Einbrecher» in Inception trägt diesen Namen.

- Following wird wie Memento oder The Prestige nicht chronologisch erzählt. Laut IMDb macht der Film über 50 Sprünge auf der Zeitachse. Wem das zu kompliziert ist, holt sich die Disc von Criterion. Dort gibt es beim Bonusmaterial die Möglichkeit, den Film in chronologischer Reihenfolge zu schauen - ist aber nicht besonders spannend, denn der Film lebt davon, dass man gewisse Dinge erst ab einem bestimmen Punkt in der Story erfährt.

Wo kann man den Film schauen?

Eine Blu-ray-Auswertung bekam Following bisher nur in den USA, wo der Film in die gefeierte Criterion Collection aufgenommen wurde. Man kann die Disc zwar bei verschiedenen Händlern bestellen, doch benötigt man zum Abspielen einen Codefree-Player, da Criterion ihre Disc auf die Region 1 (Nord- und Südamerika) beschränkt. In Deutschland erschien vor mehr als zehn Jahren eine DVD des Filmes, welche jedoch vergriffen ist. Es existiert noch eine DVD aus England, doch ist diese auch eher schwer zu finden. Im Streaming lässt sich Following in der Schweiz momentan bei keinem bekannten Anbieter im Sortiment finden.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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OutNow