Wie ein Horror-Kurzfilm die Box-Office-Nummer-eins wurde

Zwei Freunde entdeckten eine Möglichkeit, wie sie den ersten Platz im Box Office der USA erobern können, während die Kinos geschlossen sind. Und haben's erfolgreich durchgezogen.

Christian Nilsson (links) und Eric Tabach © Christian Nilsson, Facebook

Während in der Schweiz die Kinos seit zwei Wochen mit gewissen Einschränkungen wieder geöffnet haben, ist daran in den USA noch kaum zu denken. Über 2 Millionen Infizierte zählt das Land aktuell und ein Ende ist kaum in Sicht. Dennoch werden die Geschäfte und Freizeitbetriebe nach und nach geöffnet. Spätestens für den erst kürzlich auf Ende Juli geschobenen Tenet sollen die Kinos wieder aufgehen. Seit den Schliessungen Mitte März war's demnach auch um die Box-Office-Zahlen ruhig. Keine Filme, keine Zahlen. Die zwei Freunde Christian Nilsson und Eric Tabach unterhielten sich über diesen Fakt - und bemerkten ein Schlupfloch.

«Wir haben gewitzelt, dass jeder Film, der jetzt in einem Kino läuft, den ersten Platz des Box Office holen würde», schrieb Nilsson auf Facebook. Darauf haben die beiden einen Plan aufgestellt. Wenn sie ein Kino mieteten, könnten sie kompletten Einspielergebnisse in die eigene Tasche stecken. Wenn Nilsson also jeden einzelnen Platz kauft, geht das Geld direkt an ihn zurück. Er bezahlt also nur die Saalmiete.

Tags darauf schrieb er einen Horror-Kurzfilm namens «Unsubscribe» und filmte ihn über die folgende Woche, komplett über Zoom. Gecastet hat er den erwähnten YouTuber Eric Tabach und einige weitere Content Creator. Im Film geht's um fünf YouTuber, die sich in einem Zoom-Call treffen und merken, dass sie von einem Internet-Troll gejagt und geplagt werden. Das gut 30-minütige Ergebnis zeigten Nilsson und Tabach am 10. Juni im Kino - vor leeren Rängen. Die dafür investierten knapp 25'000 US-Dollar flossen direkt an ihn zurück. Die Finanzanalyse-Website für den Filmmarkt The Numbers listete den Film für den Tag als Nummer 1 des Box Office in den USA.

Ganz fertig ist die Geschichte noch nicht, denn IMDb anerkannte das Ergebnis nicht, da der Cast nicht bewiesen war. Ausser den Filmemachern hatte den Film ja auch niemand gesehen. Nach einigen Tagen war der Film dann doch gelistet und der grösste Box-Office-Tracker, Box Office Mojo, der IMDb gehört, zeigte Unsubscribe als Nummer eins an. Letztes Jahr an dem Tag war's übrigens The Secret Life of Pets 2. Den Film hat niemand und wird niemand im Kino sehen und trotzdem war er für einen Tag der Spitzenreiter. Wer den Film schauen möchte, kann dies auf Vimeo on Demand für knapp 4 Franken tun. Ausserdem gibts hier ein 15-minütiges Behind-the-Scenes-Video. Da der Film aber nur einen Tag und nicht die nötigen sieben im Kino lief, werden wir «Unsubscribe» wohl nicht an den nächsten Oscars sehen. Eine gute Geschichte ist die Entstehung aber so oder so.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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