Die Rückkehr ins Kino: Ein Erlebnisbericht

Seit dem 6. Juni sind die Schweizer Kinos wieder geöffnet. Redaktionsleiter Chris hat gleich am ersten Tag der Wiedereröffnung vier Filme geschaut - auch um das Schutzkonzept zu testen.

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Darauf habe ich gewartet: Filme auf einer Grossleinwand schauen. Mehr als zwei Monate musste man darauf in der Schweiz verzichten. Eine abnormal lange und unmenschliche Zeit. Doch der Schrecken scheint nun bis auf Weiteres ausgestanden. In der dritten Runde der Schweizer Lockerungsmassnahmen waren auch die Kinos dabei und so wurden am 6. Juni wieder vielerorts die Projektoren angeworfen. Als leidenschaftlicher Kinofan musste ich natürlich am ersten Tag dabei sein.

Mein Ziel war es, am Wiedereröffnungs-Samstag so viele Filme wie möglich in verschiedenen Kinos zu sehen. Zum einen, um mir endlich mal wieder Filme auf einer riesigen Leinwand anzuschauen und zum anderen, weil es mich wundernahm, wie so ein Kinobesuch in nächster Zeit so aussehen wird. Ich stellte mir ein Programm in Zürich zusammen, welches aus Trolls: World Tour im Arena, La fille au bracelet im Houdini, Suicide Tourist im RiffRaff und Nightlife im Abaton bestand.

Trolls: World Tour im Arena

Gleich beim ersten Film der erste grosse Fail: Die Fortsetzung zum Animationsfilm Trolls lief im Arena gar nicht auf einer Leinwand, sondern auf dem LED-Screen Onyx. Tja, da muss man halt durch. Scherz beiseite: Das Teil ist halt schon verdammt cool. Vor allem die Schwarzwerte und die Details sind atemberaubend. Doch wie war das Drumherum im Arena?

Beim Eingang des Kinos wurde man von einer Frau begrüsst, welche Zettelchen verteilte, auf denen man seine Kontaktdaten und seine Sitz-Details eintragen musste. Dieses Zettelchen durfte man dann bei der Billett-Kontrolle in ein Kästchen einwerfen. Die Zettelchen sind vor allem für jene Zuschauer gedacht, welche ihre Tickets nicht online gekauft haben. Kauft man sich die Tickets online über sein eigenes Kundenkonto, sind die Daten bereits automatisch hinterlegt. Die Daten werden 14 Tage lang gespeichert und werden danach gelöscht.

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Ein netter Nebeneffekt dieser Pandemie-Geschichte ist im Falle der Arena-Kinos, dass die Kette in den ersten zwei Wochen auf die Pausen in der Mitte der Filme verzichten wird. Dies, um Menschenansammlungen vor dem Kiosk zu verhindern. Gute Sache, Pausen sind eh eine Saumode. Aber auch allgemein habe ich mich im Arena sehr wohl gefühlt. Es gibt ausserhalb des Saals Bodenmarkierungen und Durchsagen wie in der Migros und im Coop, und da die Eingangshalle des Arena im Zürcher Sihlcity genug gross ist, kommt es auch nicht zu Zusammenstössen mit Personen, die ins Kino kommen, wenn man selbst gerade dabei ist, es zu verlassen. Das Personal steht hinter Plexiglasscheiben und trägt Schutzmasken.

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Zwischenstopp im Kosmos

Zwar hatte ich keinen Film im Kosmos auf dem Programm, doch wollte ich wissen, wie dort das Ganze umgesetzt wird. Eine nette Frau erklärte mir, dass die Besucher mit ihren Smartphones verschiedene QR-Codes scannen können. Der erste QR-Code lässt sich vor der Kasse finden. Damit checkt man im Kosmos ein. Hat man sein Ticket, geht man zu den Sälen und findet auf den jeweiligen Saaltüren einen weiteren QR-Code, mit dem man sich im Saal einchecken kann und seinen genauen Sitzplatz angeben kann. Wer es nicht so mit Smartphones hat, kann seine Daten aber natürlich auch auf einem Zetteli angeben.

La fille au bracelet im Houdini

Zeit für Film Nummer zwei. Das Houdini ist deutlich kleiner und besonders den Gängen enger als das Arena. Deshalb verlässt man das Kino in der Kalkbreite über ein Treppenhaus des Gebäudekomplexes und geht nicht den gleichen Weg, von dem man vor dem Filmstart gekommen ist. Auch im Houdini wird die Sicherheit grossgeschrieben: Es gibt Bodenmarkierungen und Mitarbeiter mit Schutzmasken, welche die Kontaktdaten handschriftlich aufnehmen. Man muss also nicht einen Stift anfassen, den schon 100 andere Leute vor einem in der Hand hatten. Super Sache! Übrigens wurden auch im Houdini alle Pausen abgeschafft, die aber bis vor ein paar Monaten eh nur bei Kinderfilmen zum Einsatz kamen.

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Suicide Tourist im RiffRaff

«Dörfs es bizli meh sii?», scheint man wohl beim RiffRaff gedacht zu haben. Als eine Art «Willkommen zurück»-Geschenk bekommt man hier vor der Main Feature einen Schweizer Kurzfilm aus der Reihe «Lockdown» serviert. Zwar habe ich Schiss, dass ich es nun nicht mehr rechtzeitig ins Abaton schaffe, aber das ist der einzige Grund, weshalb es mir hier den Angstschweiss auf die Stirn treibt. Denn auch dieses Kino macht einen tollen Job. Bevor der Film beginnt, wird sogar noch auf der Leinwand mitgeteilt, dass man am Ende den Notausgang nehmen soll und nicht zum zuvor benützten Eingang zurückgehen soll.

Nightlife im Abaton

Ok, the big one! Das Kino Abaton an der Heinrichstrasse gehört mit seinen zwölf Sälen zu den meistbesuchten Kinos am Wochenende, und so wollte ich mich todesmutig in die Menge schmeissen. Zwar hatte es schon einige Leute, doch lange anstehen musste ich nicht. Vor dem Kino gab Bodenmarkierungen, die man aber in weniger als fünf Minuten hinter sich lassen konnte. Wer alles also nicht ins Kino gehen will, weil man dort lange anstehen muss, die können wir beruhigen. Es geht alles äusserst speditiv.

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Anders als die anderen besuchten Kinos hält man bei der Kitag-Gruppe jedoch an der Pause fest. An der Kasse hiess es, dass man dies nun mal so zwei Wochen lang teste. Wenn es dann wirklich jeweils zu grossen Menschansammlungen am Kiosk kommen sollte, wolle man sich das aber nochmals überlegen. Das Scannen der Kinotickets übernimmt man im Abaton übrigens selbst. Eine Schutzmaske-tragende Person steht jedoch beim Scanner hinter eine Plexiglasscheibe und hilft bei Problemen.

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Fazit

Es war schön: Endlich wieder Filme auf einer Grossleinwand! Auch beim Drumherum gab es wenig zu klagen. Die Kinos setzen das Schutzkonzept sauber um und man bekommt Anweisungen entweder in Person, auf der Leinwand oder über die Lautsprecher mitgeteilt. Da ist also jeder Lebensmitteleinkauf nervenaufreibender und mühsamer. Dass Arena, Houdini und RiffRaff alle Pausen abgeschafft haben, ist ebenfalls super. In allen besuchten Sälen hatte es eher wenig Menschen, sodass das Social Distancing ohne Probleme eingehalten werden konnte und man so während viermal zwei Stunden völlig in den gezeigten Welten verschwinden konnte - endlich mal wieder erstklassige Ablenkung von der verrückten Welt da draussen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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OutNow

Kommentare Total: 4

CrossRaider

"ich lasse mich nicht ‚unbegründet‘ einschränken."
m-hm...
Erstens sind die ganzen Massnahmen alles andere als unbegründet, Corona ist eben NICHT vorbei, nur weil die Bestimmungen gelockert werden (ausser du hast ein Impfstoff, den du der Menschheit vorenthälst) und drittens, wenn du dich von ein paar Klebstreifen am Boden eingeschränkt fühlst, solltest du mal zum Arzt. Was ist denn so schlimm daran, dass man nicht aufeinander sitzt, es keine Pause gibt oder man mal 3 Minuten wo anstehen muss?

PS: Wenn du dich ja nicht einschränken lässt, bist du dann die letzten 8 Wochen trotzdem ins Kino?

th

"...und schuld daran ist sowieso 5G!"

greedo

was bitte ist daran super? mal abgesehen davon, dass corona/grippe vorbei ist: nie im leben lass ich mich unbegründet derart einschränken. jeder, der da ohne protest mitgemacht hat soll die konsequenzen spüren. ich hab da kein mitleid.
nur weil alle zu faul sind, sich mal zu informieren und nicht blind jedem mainstream artikel hinterher zu laufen (z.B. Bundesamt für Statistik, in CH DE oder Italien) ist das nicht mein problem. die medien verarschen die menschen täglich, nur begreifen tun das die wenigsten! jeder krieg seit 100 jahren basiert auf einer lüge, durch die medien verbreitet, aber alle haben immer still dagestanden und genickt!! erbärmlich!

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