Aller Anfang ist schwer: Prägende Filme im Leben eines OutNow-Freelancers

So geil war das Kino zu Beginn von Christophs Cineasten-Karriere eigentlich nicht. Gehen wir auf eine kleine Zeitreise durch seine knapp 35 Jahre Kino, um das genauer zu erläutern.

Christian Bale in «American Psycho» © Koch Films

9.11.1986: Eine Kindergeburtstags-Party verbringen wir im Kino und schauen uns Momo an. Ein Film über glatzköpfige, alte, rauchende Männer, die mir Angst machten. Hat immerhin dazu beigetragen, dass ich lange Zeit nicht angefangen habe zu rauchen.

Sommer 1988, Mittwochnachmittag: Mit einer weiteren Gruppe Kinder schauen wir Roger Rabbit. Was genau soll das eigentlich sein, dieses Kino? Trickfilme kann ich doch auch im TV schauen.

Sonntagabend 1990: Erstmals gehe ich mit meinen Eltern ins Kino. Wir schauen Back to the Future III. Für meine Eltern muss das die Hölle auf Erden gewesen sein, sie haben sich während des ganzen Films gegenseitig angefleht, doch den Film leiser zu machen. Mein Fazit: Bombastischer Sound? Nein, einfach nur Lärm. Was sich rückblickend wie traumatische Kinoerlebnisse liest - ist genau das.

Daher dauerte es auch sage und schreibe sechs Jahre, bis ich 1996 wieder in ein Kino gelangte. Mit meiner ersten Freundin, wie es sich gehört natürlich zu einem romantischen Film: Mission Impossible. Tja, was soll ich sagen, seit diesem Film ist mich das Kino nicht mehr losgeworden und umgekehrt. Ich habe mich noch Tage nach dem Film gefragt, wie zum Teufel ich ohne Kino überleben konnte (da war doch was im Jahr 2020...).

1999 schliesslich mein erster Kinofilm im Ausland. Kinopremiere Star Wars - Episode 1, Französisch ohne Untertitel, in Paris. Mein erster Star-Wars-Film überhaupt. Ich habe weder sprachlich noch inhaltlich irgendetwas verstanden. Als wir aus dem Kino gekommen sind, haben wir für die gebrauchten Tickets noch Geld erhalten von hartgesottenen Star-Wars-Fans. War für mich total unverständlich. Diese Episode in Paris war für mich aber der Beweis, dass für mich ein Kinoerlebnis auch ohne jegliches Verständnis für den Film funktionieren kann. Allerdings ist es mir mittlerweile schon lieber, wenn ich den Inhalt verstehe.

«Star Wars: Episode I - The Phantom Menace»
«Star Wars: Episode I - The Phantom Menace» © Lucasfilm

15. April 2001, Ostersonntag, nachmittags um 16.00 Uhr verlassen meine Freundin und ich das Kino. Es ist naturgemäss noch sehr hell draussen. Bloss meine Freundin kann sich nicht mehr beruhigen. Jedes Mal, wenn sie mich ansieht, denkt sie, sie sehe Christian Bale resp. Patrick Bateman in mir. Richtig, wir haben uns American Psycho angesehen. Spätestens da wurde mir bewusst, was Kino auslösen kann, wenn man den Inhalt etwas zu sehr in die Realität mitnimmt. Nach einer Stunde war der Spuk dann auch vorbei, ich wurde wieder als ich erkannt.

18. Juli 2003: Zum ersten Mal ging ich vor dem Kino noch etwas trinken. Ein wenig angeheitert sassen mein Kollege und ich im Kino und schauten uns 28 Days Later an. Mein Kollege war ziemlich ungeduldig und rief während der Kinowerbung ständig: «Wo sind denn bloss die Zombies?» Die Erleichterung im vollbesetzten Kinosaal war gross, als wir nach den ersten drei Minuten des Films das Kino verlassen haben.

25. Januar 2018: Nach etlichen Kinofilmmarathons mit herausragenden Filmen wurde ich an diesem Tag erneut und ein bisher letztes Mal so richtig durchgeschüttelt. Ich habe mir Three Billboards Outside Ebbing, Missouri angeschaut. Und bis heute hat es noch kein Kinofilm geschafft, mir derart oft, um nicht zu sagen permanent, Gänsehaut zu verschaffen. Wer diesen Film nicht gesehen hat, hat für mich nicht gelebt.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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