Das ONFF-Tagebuch von OutNow: Tag 11: Die Kinos des ONFF

Die Filme im Programm des ONFF waren auf unterschiedlichsten Kanälen verfügbar. In unserem letzten Tagebucheintrag machen wir den Check und stellen fest: Es gibt einiges Neues zu entdecken.

Screenshot Outside the Box © Outside the Box

Die Faszination eines erstmals besuchten Festivals macht auch das Entdecken neuer, unbekannter Kinosäle aus. Was bei physischen Festen die Sitzplatzbequemlichkeit, Leinwandgrösse und gute Sicht am Vordermann vorbei, sind beim Online-ONFF die Tücken der Streamingdienste, die man noch nicht so gut kennt. Während der Tage am OutNow Film Festival wurde man so zum Habitué und konnte sein «Lieblingskino» erküren. Wer hinterliess neben Global Player Netflix welchen Eindruck im «Krieg der Streamer»?

Les petits suisses

Zwei welsche Anbieter sind Sky Show (aus Neuchâtel) und Outside The Box (aus Lausanne). Sky Show steuerten dem ONFF filmische Dutzendware mit gewisser Starpower bei. Sowas figurierte früher unter dem Begriff Direct-to-Video. Bei den Action-orientierten Killerman und Little Monsters fehlte vor allem der 5.1-Wumms. Die Sky-Show-App (inkludiert bei Apple TV und den Set-Top-Boxen von Swisscom, UPC und Co.) bietet bedauerlicherweise keinen Surround-Sound. Beim vor allem für seine HBO- und Showtime-Serien bekannten Dienst kamen dank den ONFF-Kuratoren auch einige Filmperlen zutage, die im Monatsabo inbegriffen sind. Sky Show kann also auch Film, verärgerte teils jedoch mit Inhalts-Zusammenfassungen im Menu, welche spoilerisch ausführlich waren.

Richtig «indie» ist man bei Outside The Box aufgestellt. Kleine Filme abseits des Mainstreams. beispielsweise aus Finnland oder Québec, kamen in die ONFF-Selektion. Video-On-Demand streamt outside-thebox.ch via Vimeo. Kauft oder mietet man einen Film, wird man weitergeleitet zum «Youtube mit Anspruch» und das Geschäft läuft über die Infrastruktur des US-Portals. Das bedeutet: keine Zahlung mit der Postcard und Chromecasten nur mittels Vimeo-App. Leider lassen sich in der Android-Version der Vimeo-App die zwar vorhandenen Untertitel in Französisch und Deutsch nicht am chromecastfähigen Big Screen aktivieren. Da bleibt man dann halt am Laptop oder PC kleben. Finnisch oder Franco-Kanadisch kann nicht jeder aus dem Stand.

Die Checker

Filmingo aus Ennetbaden (AG) hat hingegen eine eigene App am Start, erlaubt das Chromecasten/Airplayen aber auch direkt aus dem Smartphone-Browser. Überhaupt ist Filmingo das innovative kleine Kitz, das den etablierten Platzhirschen an die Geweihe will. Mit coolen Features wie einer Film-Merkliste oder der kleinen Anzeige neben dem Login-Mannsgöggeli, das easy informiert, wie viele Filme im Fünfer-Abo mietbar sind. Alles ist in der Schriftgrösse «Brillenträger».

Auch sonst wird dem vielleicht etwas vorsichtigeren «Best Ager» die Angst am «schtreamen» genommen: Man darf gratis kurz in die Filme reingüxeln, bevor man sich entscheidet, und die Mietfilme sind fünf Tage anschaubar statt nur 48 Stunden wie bei anderen Videodiensten. Es gibt sogar telefonischen Support und eine vorbildlich ausführliche FAQ. Bei Filmen aus dem Sudan oder Mazedonien fällt auch nicht so sehr ins Gewicht, wenn sie nur in Stereo übertragen werden.

Das ONFF zeigt: Es muss nicht immer Netflix, iTunes oder Teleclub on Demand zum Filme streamen sein. Die etablierten Anbieter mit Ihrer Massenware decken nimmer das gesamte Spektrum der Filmauswahl ab. Und bei den einen oder andern «Kleinen» lässt sich auch technisch noch die eine oder andere Scheibe abscheiben. Auch in Sachen «Heimkino» war das Erste OutNow Film Festival für Entdeckungen gut.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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OutNow