Das ONFF-Tagebuch von OutNow: Tag 8 - ONFF, made my day

Und täglich grüsst das Murmeltier. Auch der heutige Tag steht ganz im Zeichen des Outnow Film Festivals. Das Leben könnte schlimmer sein, wie dieser Tagebucheintrag zeigt.

Ein ganz normaler Tag am ONFF? Szene aus «Little Monsters» © Splendid Pictures

Statt Croissant eine Zigarette zum Zmorge, statt Baguette eine Tiefkühlpizza zum Zmittag, und zum Znacht? Filme, Filme! Filme? Filme! Ich erlebe das Festival zu Hause in Winterthur und nicht in Cannes. Kann auch spannend sein, oder zumindest anders.

Noch etwas geschädigt vom Vortages-Film (A Russian Youth) habe ich meinen Tag durchterminiert, um möglichst viele Filme zu schauen. Zuvor muss ich aber noch «wichtige» Dinge erledigen (WTF, was kann es Wichtigeres geben, als Filme zu schauen?).

Das Leben ist manchmal unbarmherzig in der Schweiz - und auch anderswo. Rasch in die Bibliothek und mein Buch «Kleine Monster» zurückgeben. Durch die vorherrschenden Sicherheitsmassnahmen ist es fast schon eine Kunst, in die Bibliothek zu gelangen, aber immerhin kommt es zu keinen Kampfszenen, wo ich mich selber verteidigen muss. Dies war die eine Befürchtung meiner Freundin, die mich am liebsten gar nicht in die Öffentlichkeit lassen wollte. Ach ja, apropos Freundin (Achtung Spoiler): Musste mich zwischen ihr und dem Outnow Film Festival entscheiden. Nach dem heutigen Tag wird sie meine Ex-Freundin sein.

Nach der Bibliothek schlendere ich durch die Winterthurer Altstadt und es fällt mir auf, wie viele Leute es plötzlich wieder auf den Strassen hat. Die Masse wabert durch die Gassen, als wäre eine Kolonie zu gross geratener Ameisen unterwegs. Dabei kommen mir immer wieder die Worte meines Bruders in den Sinn, die er mir unzählige Male in der Kindheit zugeflüstert hatte, um mir Angst zu machen «Du wirst mit 20 sterben». Und wenn ich dann tränenüberströmt in die Armen von Mami warf, meinte sie immer «Das dauert noch so lange, bis Du 20 bist, mein Sohn». Ich versuche mich wieder in die Realität zurückzubeamen, doch irgendwie bin ich durch die letzten Tage gefangen in der Filmwelt.

Dann endlich zu Hause, endlich Filme schauen. Meine Freundin ist dabei, mal schauen wie das funktioniert. Bis jetzt hatte ich immer meine Ruhe beim Outnow Film Festival. Als erstes Curtiz - wirklich konzentriert sind wir beide nicht. Während sich meine Freundin während des Films nach Casablanca oder weiss Gott in welche paradiesischen Hügel träumt, schaue ich immer wieder auf ihr neues Piercing, irgendwo gefangen zwischen Faszination und Ekel (psst, verratet ihr das nicht, ihre Wut kann göttlich sein). Ach ja, der Film war dann irgendwann zu Ende. Ultra-spannend war er nicht, aber immerhin, Pflicht erledigt. Vielleicht sollte ich ihn nochmals schauen, schliesslich darf ich eine Review darüber schreiben.

Anschliessend versucht meine Freundin mich vom nächsten Film abzubringen. Sie möchte lieber in den Wald, um den zwitschernden Vögeln zu lauschen. Liebe halt... Doch irgendwie stelle ich fest, dass die Beziehung zu ihr für mich mehr ein Game ist als echte Liebe, währenddessen ich spüre, dass sie mir am liebsten einen Teppich aus Wilden Rosen auslegen würde.

Ich rede ihr den Wald aus, meine Freundin schläft wieder und ich schaue mir die zwei restlichen Filme an, die auf meiner Tagesordnung stehen Le Miracle du Saint Inconnu und Killerman - gar nicht mal so schlecht.

Zum Schluss verrate ich noch zwei Geheimnisse: 1. Meine Ex-Freundin heisst Liyana und 2., viel wichtiger: Der Film-Gott existiert, er heisst ONFF.

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OutNow