Das ONFF-Tagebuch von OutNow - Tag 2: Zeitstress! Zeitstress! Zeitstress?

Schon voll im Seich am zweiten Festivaltag und das nur schon wegen einer nicht abschlossenen Kritik. Zum Glück wird am OutNow Film Festival darauf Rücksicht genommen.

Los, mach schnell! © OutNow/crs

Anders als Kollege Simon war ich am gross angelegten Eröffnungsabend des 1. ONFF ganz brav und widmete mich nach dem Opening Movie nicht etwa den Feierlichkeiten - mit Akrobaten, Feuerwerk und einer Armee herumtollenden Roten Pandas -, sondern wendete mich gleich der Pflicht zu. Die Kritik zu Euthanizer musste natürlich so schnell es geht online. Da kann man keine Ablenkung vertragen. Absolutes No-Go. Fokussiert bleiben. So, also, der Eröffnungsfilm. War ganz schräg. Fast so schräg wie das Summen des Kühlschranks in unserer Festival-Bleibe. Summt der eigentlich immer so laut? Das kann doch nicht sein. Da muss man sofort Nachforschungen anstellen. Das kann so nicht weitergehen.

Tja, das Kühlschrank-Problem wurde nicht gelöst und auch kein Buchstabe mehr geschrieben - man wollte dann doch nicht gleich am ersten Abend länger aufbleiben und das Festival mit einer zu kurzen Nacht beginnen. So sass ich am nächsten Morgen zwar schon früh im Kino, aber noch vor einem leeren Word-Dokument. Uhrzeit: 8:00. Bleiben also noch 30 Minuten bis das Morgen-Screening von You Will Die at 20 anfängt. Da muss man jetzt Vollgas geben. Das wurde auch gemacht und ich konnte wirklich fokussiert arbeiten, da nicht ständig Leute vorbeikamen, die wissen wollten, ob der Platz neben mir noch frei war.

Es wurde dermassen konzentriert gearbeitet, dass die Uhr plötzlich 8:45 anzeigte. Hä, wieso läuft der Film noch nicht. Hat der Mann am Projektor verschlafen? Oder noch viel schöner: Es warten alle darauf, bis ich meine Kritik abgeschlossen habe! Traumhaft, wie hier am ONFF Rücksicht auf gestresste Journalisten genommen wird. Da können sich andere Festivals ruhig eine Scheibe davon abschneiden.

Ein schlechtes Gewissen hatte ich dann aber schon, als um 9:00 der Film immer noch nicht startete. Was ist, wenn die anderen Journalisten herausfinden, dass ich die Wurzel allen Übels bin? Ein schrecklicher Gedanke - und so wurde der Laptop zugeklappt, woraufhin ein paar Minuten später das Screening auch tatsächlich startete. Vielleicht ist dieses Rücksichtnehmen ja doch keine so gute Idee. Denn sonst läuft man nämlich Gefahr, anschliessende Filme zu verpassen. Es hat halt alles seine guten und schlechten Seiten. Klar ist jedoch, dass der grösste Stress, den man sich am ONFF machen kann, definitiv hausgemacht ist.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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OutNow