Südkoreanische Serien auf Netflix - Teil 2: Romantik auf Koreanisch

Nach Hochspannung und Action fokussiert sich Freelancerin Teresa im zweiten Beitrag auf drei etwas romantischere Serien aus Südkorea, welche alle auf Netflix abrufbar sind.

«Extracurricular» © Netflix

Das westliche Konzept der leidenschaftlichen, idealistischen Liebe findet in der koreanischen Gesellschaft nur bedingt seine Entsprechung. Beziehungen im realen Leben folgen einer pragmatischeren Auffassung, sie werden längerfristig aufgebaut, fangen oft mit einem freundschaftlichen Verhältnis an. Die Partner teilen die gleiche soziale Stellung und eine klare Zukunftsperspektive. Liebe bedeutet in erster Linie Zuneigung, Vertrauen und der Wunsch, eine gemeinsame Familie zu bilden.

Inwiefern sich dies auf die Darstellung von Liebesgeschichten und sogenannter Romantik in den Filmen und Serien aus Südkorea auswirkt? Mit der öffentlichen Bekundung von körperlicher Zuneigung wird in der Realität sehr viel zurückhaltender umgegangen als in unseren Breitengraden. Dies überträgt sich auch auf die Fiktion: Filme und Serien aus Korea sind züchtig und jugendfrei. Sexualität ist kaum ein Thema, Berührungen wie Händehalten, Umarmungen oder gar Küsse sind selten, in der Regel kommt es zu wenigen unschuldigen Bekenntnissen meist am Ende eines langen gemeinsamen Abenteuers.

Dies bedeutet aber keinesfalls, dass es zwischen den Figuren in den Serien nicht knistert, sie sich nicht verlieben oder einander verschüchtert und mit Schmetterlingen im Bauch ansehen. Vielfach sind viele Hürden zu überwinden, bevor das Paar als solches zusammenkommt. Wie es für koreanische Produktionen üblich ist, geht es in den Serien mit Hauptthema Liebesgeschichte, immer auch um Spannung, Krimi und Action.

Liebe, die Grenzen überwindet - Crash Landing on You

Crash Landing on You wurde zwischen Ende 2019 und Anfang 2020 auf Netflix ausgestrahlt. Die Serie gilt als das aktuell erfolgreichste K-Drama. Das ist aus verschiedenen Gründen nicht verwunderlich, verarbeiten hier Regisseur Lee Jung-hyo und Drehbuchautor Park Ji-eun einen erstaunlich vielschichtigen Stoff. In der Serie sind neben der im Vordergrund stehenden dramatischen und schicksalshaften Liebesgeschichte Elemente des Spionagefilms, des Thrillers und des Historiendramas enthalten.

Die junge Unternehmertochter Se-ri (Son Ye-jin) kommt mit ihrem Gleitschirm in einen Sturm und fällt ausgerechnet kurz hinter der Grenze zu Nordkorea zu Boden. Dort landet sie direkt vor die Füsse eines jungen Soldaten (Hyun Bin). Um sie nicht dem bürokratischen und repressiven Apparat des nordkoreanischen Regimes auszuliefern, entscheidet er sich dazu, sie auf dem inoffiziellen Weg wieder nach Südkorea zu bringen. Dafür schmiedet er gemeinsam mit seinen vertrauenswürdigsten und nächsten Kameraden Pläne, die immer wieder durchkreuzt werden.

Durch die Serie erfährt der Zuschauer viel über die kulturellen und politischen Unterschiede zwischen dem Norden und Süden. Dass bei der Bearbeitung des Stoffes Nordkoreaner konsultiert wurden, die mittlerweile im Süden leben, ist an der Differenziertheit der Inszenierung deutlich erkennbar. Die Verhältnisse auf beiden Seiten der Grenze werden weder romantisiert noch unnötig beschönigt.

Die Stärke der Serie ist ihre Vielfältigkeit. Die Liebesgeschichte ist wirklich auch für hartgesottene Anti-Sentimentalisten mitreissend und anrührend. Die Charakterzeichnung ist tiefgründig, es entstanden viele Figuren, die alle interessant wirken. Humor und viele, viele Kampfszenen halten die Spannung hoch und unterhalten blendend.

Wie ein Schüler und eine Schülerin das Rotlichtmilieu beherrschen - Extracurricular

Diese neue Serie sieht zwei Jugendliche als Protagonisten, die die selbe Schule besuchen, aber aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammen. Der Titel bezieht sich auf «ausserschulische Aktivitäten», die einen guten Eindruck im Lebenslauf machen sollen. Doch Ji-soo und Gyu-ri engagieren sich nicht für ein Tierheim, begleiten ältere Menschen oder helfen im Krankenhaus aus. Ihr Club, der sich mit der Verhandlung von sozialen Themen beschäftigen soll, dient ihnen als Alibi, denn in Wahrheit betreiben sie einen Escortservice.

Weil Ji-soo keine Eltern hat, die sich um ihn kümmern, muss er selbst Geld verdienen. Er hat eine Telefonapp entwickelt, mit der er junge Frauen an potenzielle Freier vermittelt und bietet ihnen über einen Strohmann Schutz, falls diese gewalttätig werden. Für eine lange Zeit geht alles gut, doch dann taucht Ji-soos nichtsnutziger Vater auf, der ihm sein Erspartes stiehlt. Als Gyu-ri ins Geschäft einsteigt, kommen sich die beiden Teenager näher.

Eine Polizistin kommt ihnen langsam auf die Spur und fügt der Geschichte eine zusätzliche spannende und actionreiche Ebene hinzu. Im Grossen und Ganzen zielt die Serie auf ein eher jugendliches Publikum ab, da es auch Themen wie Mobbing in der Schule, sexuelles Erwachen und soziale Diskriminierung anschneidet.

Für die Liebe sterben - Hi Bye, Mama!

Bei dieser Serie, egal wie stark man sich wehrt und windet, weint man irgendwann Rotz und Wasser - und im nächsten Moment fängt eine komische Szene einen wieder auf. Hi Bye, Mama! verarbeitet Themen wie Tod, Trauer und Religion. Yu-ri (Kim Tae-hee) wurde vor fünf Jahren von einem Auto angefahren. Sie war hochschwanger und nur ihre Tochter überlebte. Seitdem hat sie als Geist gelebt. Das bedeutet, dass sie alles sieht, überall hingehen kann, aber nichts anfassen und von keinem gesehen werden kann.

So wie sie leben eine Vielzahl anderer Geister auf der Erde. Jeder von ihnen hat noch etwas Unerledigtes, weswegen er nicht «loslassen» und nach «oben» gehen kann. Für Yu-ri sind es ihre Tochter und ihr Ehemann. Sie liebt beide so sehr, dass sie sich wünscht, sie nochmals in die Arme zu schliessen. In einem verzweifelten Moment richtet sie an Gott eine Wuttirade, beklagt sich über seine Willkürlichkeit. Diese Beschimpfung lässt sich der Allmächtige aber nicht gefallen und handelt: Für 49 Tage darf Yu-ri wieder zum Menschen werden und mehr noch: Wenn sie einen Platz im realen Leben findet, darf sie vielleicht ganz bleiben.

Diese Wiederauferstehung sorgt für viele amüsante Momente, genauso wie für viele emotionale. Die Rolle der Schamanin, die als einzige die Geister sehen kann, ist durchgehende humorvoll gehalten. Sie steht für Themen wie den Glauben an Geistern, Karma und das Jenseits. Die Serie lohnt sich dank der herausragenden schauspielerischen Leistung der Darsteller und der präzisen Charakterzeichnung.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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