OutNow Daily Spotify Playlist #33

Das Thema Krieg wird im Kino auf die verschiedensten Arten verarbeitet. Dementsprechend ist auch die musikalische Vielfalt eine spannende Angelegenheit. Marco hat zehn Perlen herausgepickt.

Szene aus «Fury» © Sony Pictures International. All Rights Reserved.

Liner Notes: 1998 erschienen zwei sehr unterschiedliche Filme in die Kinos, welche während des Zweiten Weltkriegs spielten. The Thin Red Line beschäftigt sich mit Wahnsinn, Ethik und der Beziehung zur Natur in solch schrecklichen Zeiten. Dazu hat Hans Zimmer einer seiner besten Scores komponiert. Geholfen hat Gavin Greenaway. Wer den Ursprung des «Tickens» sucht, welches beim Bankraub in The Dark Knight und in allen späteren Nolan Filmen recycelt wurde, braucht sich nur die ersten Takte von Journey to the Line anhören. Auch die melancholische Akkordfolge, die das Hauptthema bildet, wäre in einem modern-seriösen Superheldenfilm nicht undenkbar. Einer der besten Tracks aus der langen Karriere des Komponisten.

Altmeister John Williams musste einen etwas anderen Film musikalisch untermalen: Saving Private Ryan zeigt zwar auch den Horror des Krieges auf, ist aber gleichzeitig auch eine grosse Danksagung an die Alliierten und ihre Opfer. Wo militärische Trommeln und Trompeten bei Malicks Film einen falschen Ton angeschlagen hätten, beginnt Hymn to the Fallen gleich mit ihnen. Eine Hymne ist es dann auch geworden, die ihren vollen Pathos kurz vor der vierten Minute mit vollem Choreinsatz auffährt. Wehmut und Traurigkeit schwingen aber immer mit. Spannend, wie diese beiden ersten Stücke der Playlist aufzeigen, wie verschieden Krieg filmisch und auch musikalisch umgesetzt wird.

This Time it's War steht auf dem Plakat von James Camerons Meisterwerk Aliens, und so gehört James Horners Score hier auch auf die Playlist. Combat Drop begleitet die Marines bei der Landung auf dem Planeten und ist Horner-Action pur. Gerade ab 1:43, wo er sein Motiv aus Star Trek: The Wrath of Khan wiederverwendet. Ein Motiv, dem ich stundenlang zuhören könnte. Auf der Deluxe-Version des Soundtracks ist von diesem Track übrigens eine «Percussion only»-Version erschienen, so wichtig waren Horner die Schlaginstrumente. Ein absoluter Klassiker.

Steven Price ist mir als Komponist erst durch seinen fantastischen Gravity richtig aufgefallen. Ein Jahr später legte er mit Fury nach. Mit diesem Score habe ich aber so ziemlich meine Mühe. Dennoch ist es interessant, in Tiger Battle reinzuhören. Hier wird einfach alles in einen Topf geworfen! Sogar die tickende Uhr kann man bei 1:57 heraushören. die Dunkirk also ein paar Jahre zuvorkam. Es entstand ein musikalisches Birchermüesli, bei dem nicht alle Zutaten wirklich schmecken. Einen interessanten Geschmack hat es aber irgendwie trotzdem.

Nach einem Ausflug an den Fluss Kwai gibt es Zimmer zum Zweiten. Der kitschige Michael-Bay-Streifen Pearl Harbor ist, für viele unverständlich, eines meiner Guilty Pleasures. In seiner Grandiosität sehe ich eine Hommage an die ganz grossen Film-Epen, und seinen Mut zu Kitsch und Jingoismus finde ich bewundernswert. Es ist kaum überraschend, dass auch Hans Zimmer hier aus den Vollen schöpft. Vom Stil her orientiert er sich ganz klar am schon gehörten The Thin Red Line und addiert für den Patriotismus noch Trommeln und Trompeten hinzu. Sein kitschiges Hauptthema kann man in The Heart of a Volunteer erst bei 5:47 hören. Wie The Thin Red Line besteht es aus Dreiklängen in trauriger Harmonie.

Ein Fest für Kesselpauken hat John Williams für War of the Worlds komponiert. Die gesamte Schlagzeugabteilung ist aber unheimlich gefordert in The Ferry Scene . Ein virtuoses Actionstück, welches fast gänzlich auf die Williams-typischen Melodien zum Festhalten verzichtet und damit pure Aufregung bietet. Eine Aufregung, die wir mit The Tractor Factiory von Kollege Horner gleich fortsetzen. Dieser Track beginnt mit zwei Akkorden, die jedem (Nolan-) Batman bekannt sein dürften, und geht dann direkt zu Horners Markenzeichen: die vier Töne auf der Trompete, das «Danger Motif», ist ein Thema, um welches man bei Horner nicht herum kommt. Seinen Ursprung findet das Motiv hier bei Rachmaninov. Horner hat dieses Thema in fast allen seiner Scores wieder benutzt, wie dieses Video ganz schön aufzeigt.

Basil Poledouris bietet in Klendathu Drop noch einmal Hurra-Patriotismus. Die oft missverstandene Satire Starship Troopers spielt mit Propaganda und der Absurdität des Krieges. Von dieser Ironie ist im Score zwar nichts zu hören, aber ein heroisches militärisches Thema passt bestens zu den Troopers. Was wie ein singender Hobbit tönt und die Playlist abschliesst, ist einer der bewegendsten Momente des Filmes 1917.

OutNow Daily Playlist #33 vom Samstag, 02.05.2020 - Krieg

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