Simons MUBI-Woche #2: Rewatches, legendäre Soundtracks und Godard

One film a day keeps the doctor away: Unter den sieben Filmen, die MUBI-Spezialist Simon diese Woche gesehen hat, finden sich Schwarzweissklassiker, Scorsese, Godard - und ein Geheimtipp aus Ghana.

Wer hat da was von «Hardcore-Arthouse» gesagt? Bild aus «Hot Fuzz» © Universal

Das Film-Streamingportal MUBI ist so etwas wie das Netflix für Arthouse-Freaks und Liebhaber alter Filme. Jeden Tag kommt ein neuer Film dazu, nach 30 Tagen fliegt er raus. In dieser Serie wirft unser Redaktor Simon (ebe) wöchentlich einen Blick auf die neuen Filme und auf jene, die man schnell noch anschauen muss, bevor sie rausfliegen. Zudem gibt er einen persönlichen Wochenrückblick über sein persönliches MUBI-Programm. Viel Spass!

Neu dabei

Fans von John Carpenter dürfen sich freuen: Gleich zwei seiner Filme sind diese Woche von MUBI ins Rennen geschickt worden: Vampires und der Klassiker Escape from New York. Und dann hat sich noch ein gewisser Edgar Wright mit Hot Fuzz - oder zu Deutsch: «Zwei abgewichste Profis» - in die Auswahl verirrt. Und da sage noch jemand, bei MUBI gebe es nur sperrige Arthousefilme zu sehen!

Um seinem Ruf doch wenigstens noch ein wenig gerecht zu werden, hat MUBI diese Woche auch noch einen weiteren Film von Rainer Werner Fassbinder (Die dritte Generation) sowie zwei deutsche Dokumentationen über den Schauspieler Sterling Hayden (Pharos of Chaos, Der Havarist) ins Monatsprogramm genommen.

Zu guter Letzt ist mit Viva Maria! ein weiterer Film der Louis-Malle-Retrospektive hinzugekommen. Brigitte Bardot und Jeanne Moreau als Striptease-Tänzerinnen während der mexikanischen Revolution? Count me in!

Letzte Chance

Wer den Klassiker The Third Man noch sehen möchte, muss das bis heute Abend um Mitternacht tun. Ich habe ihn mir auch nochmals angesehen und kann sagen: Es lohnt sich! Gleiches gilt für Ascenseur pour l'échafaud, der nur noch bis übermorgen im Programm ist. Einen Tag länger habt noch ihr Zeit, den von Nicolas Winding Refn neu restaurierten B-Film-Noir Guilty Bystander aus dem Jahr 1950 zu schauen.

Allgemein fällt auf, dass derzeit sehr viele Film des Thriller-Genres in der Auswahl stehen und neu reinkommen. Als Genre-Fan freut mich das natürlich ungemein. Weiter so, MUBI!

Gesehen!

Vergangene Woche habe ich sieben MUBI-Filme gesehen - also im Schnitt genau einen pro Tag. Als erstes habe ich mich tatsächlich noch dazu überwinden können, Scorseses The Last Temptation of Christ nachzuholen, bevor er rausgeflogen ist. Der Eindruck bleibt allerdings zwiespältig. Vor allem in der ersten Hälfte haben mich Willem Dafoes Sinnkrisen eher gelangweilt, und von den Skandalstürmen, die der Film damals ausgelöst hat, spürt man heute nur noch ein kleines Lüftchen. Vom Moment an als Christus gekreuzigt wird, hat mich der Streifen dann aber doch noch reingenommen (ok, dieser Satz klingt jetzt irgendwie falsch[, der Lektor lässt ihn aber dennoch stehen]). Allerdings hat er mich eher optisch denn inhaltlich fasziniert.

Daneben habe ich drei Filme ge-rewatcht, d. h. ein zweites (oder in einem Fall gar drittes) Mal geschaut. Darunter befinden sich zwei Filme mit einigen Parallelen: die bereits erwähnten The Third Man und Ascenseur pour l'échafaud. Beide Thriller sind Klassiker der Filmgeschichte, die auch 60 bzw. 70 Jahre nach ihrem Erscheinen noch absolut sehenswert sind, und beide sind nicht zuletzt für ihre Musik weltberühmt: für das Zither-Thema von Anton Karas im englischen Film und den Miles-Davis-Soundtrack im französischen Film. Wenn meinem Kollegen Marco irgendwann die Ideen ausgehen für seine sehr empfehlenswerte Spotify-Playlist, darf er sich hier gerne bedienen.

Als dritten Rewatch habe ich mir dann Source Code gegönnt. Zugegebenermassen eher ein «Easy task». Der Film von Duncan Jones mag nicht perfekt sein, bietet aber soliden Suspense, den man sich immer wieder anschauen kann. Und Jake Gyllenhaal ist sowieso fast immer einen Blick wert. Auch wenn er in diesem Film - hmmm, wie sage ich das, ohne zu spoilern - in einem «nicht ganz so optimalen» Zustand zu sehen ist.

Etwas weniger «Easy task» war Détective von Jean-Luc Godard. Wenn auch glücklicherweise noch ein Godard im «alten» Stil - mehr A bout de souffle als Adieu au langage -, so konnte ich mit dieser seltsamen Detektivgeschichte mit der typisch fahrigen Erzählweise und den schrill eingesetzten Auszügen aus klassischen Symphonien eher wenig anfangen. Immerhin war der Film voll von französischen Stars in jüngeren Jahren: unter anderem die von mir sehr gerne gesehene Nathalie Baye, zudem Johnny Halliday und in einer kleinen Nebenrolle eine 16-jährige Julie Delphy.

Schon eher angetan war ich von Joseph Loseys The Servant aus dem Jahr 1963, einem Psychothriller, in dem ein scheinbar unterwürfiger Diener immer mehr die Kontrolle über seinen Herrn übernimmt. Durchaus catchy, auch wenn sich die zwei Stunden Spielzeit ziemlich lang anfühlten. Ganz im Gegensatz zu der mit ihren 70 Minuten ohnehin schon knackigen ghanaischen Komödie Keteke, in der ein Mann und seine schwangere Frau mit Koffern und Musikbox dem Gleis entlangwandern in der Hoffnung, den nächsten Zug zu erwischen. Das Roadmovie - oder besser Trackmovie - überzeugt mit Wortwitz und einem coolen Soundtrack. Ein kleiner Geheimtipp!

Soviel für den Moment - wir sehen uns nächste Woche - und nicht vergessen: Schaut die Filme, solange sie noch da sind!

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