Simons MUBI-Woche #1: Coole Schwarzweissfilme und enttäuschende Regielegenden

Die Filmplattform MUBI bietet nicht so eine riesige Auswahl wie Netflix, dafür aber Geheimtipps, Klassiker und allerlei Obskures. In unserer neuen Serie geben wir einen Überblick.

Seit heute neu dabei: Michael Shannon als reichlich psychopathischer Sohnemann. © Arthaus/Studiocanal

Das Film-Streamingportal MUBI ist so etwas wie das Netflix für Arthouse-Freaks und Liebhaber alter Filme. Jeden Tag kommt ein neuer Film dazu, der 30 Tage verfügbar bleibt. Dann fliegt er raus.

In dieser neuen Serie wirft unser Redaktor Simon (ebe) wöchentlich einen Blick auf die neuen Filme und auf jene, die man schnell noch anschauen muss, bevor sie rausfliegen. Zudem gibt er einen persönlichen Wochenrückblick über sein persönliches MUBI-Programm. Ganz unten findet ihr schliesslich die Liste aller derzeit verfügbaren MUBI-Filme. Eure Kommentare zu den MUBI-Filmen könnt ihr unten anfügen. Viel Spass!

Neu dabei

Hui, diese Woche gab's ziemlich lässige neue Filme. Duncan Jones' Source Code und Werner Herzogs My Son, My Son, What Have Ye Done sind zwei feine Thriller neueren Datums. Dann gibt's einen Genre-Film namens Détective eines gewissen Jean-Luc Godard aus dem Jahr 1985 und den dreistündigen (!) Science-Fiction-Film Welt am Draht von Rainer Werner Fassbinder.

Persönlich gespannt bin ich auf The Servant von Joseph Losey aus dem Jahr 1963. Ein «psycho-sexuelles/psycho-soziales Meisterwerk» nennt MUBI den Film, in dem der Regisseur mit dem bekannten Dramatiker Harold Pinter zusammenarbeitete. Den werde ich mir sicherlich anschauen.

Letzte Chance

Heute ist der letzte Tag, um sich Martin Scorseses The Last Temptation of Christ anzuschauen. Diese müsste ich eigentlich ergreifen, habe ich den Film bisher doch noch nicht gesehen. Allerdings habe ich irgendwie nicht so richtig Lust drauf, und die Laufzeit von über 160 Minuten ist auch eher abschreckend.

Ebenfalls sputen müsst ihr euch bei The Palm Beach Story von Preston Sturges, der übermorgen rausfliegt. Ich habe ihn letzte Woche gesehen und kann ihn weiterempfehlen: eine flotte Komödie mit Witz und Tempo, die man auch fast 80 Jahre später noch anschauen kann.

Gesehen!

Insgesamt fünf MUBI-Filme habe ich diese Woche gesehen. Highlight war neben dem bereits erwähnten The Palm Beach Story der Film noir Guilty Bystander, der von Nicolas Winding Refns Plattform byNWR neu restauriert wurde. Ebenfalls Gefallen fand ich am Slapstick und dem bunten Bilderregen in Louis Malles überdrehtem Zazie dans le métro, der Verfilmung eines bekannten Bilderbuches von Raymond Queneau.

Ganz leicht enttäuscht war ich vom ersten bzw. letzten Film zweier legendärer Regisseure: Jacques Tatis Regiedebut Jour de fête fand ich nicht ganz so bestechend wie sein späteres Meisterwerk Playtime. Und Charlie Chaplins letzten Film The Countess from Hong Kong empfand ich trotz der Superstars Marlon Brando und Sophia Loren als eine etwas belanglose Rom-Com, bei der die Gags irgendwie nicht richtig zünden.

Gar nicht warmgeworden bin ich mit den ersten Minuten von Le journal d'un curé de campagne, India Song und Le feu follet, weshalb ich kurz nach Beginn zu einem anderen Film geswitcht habe. Shame on me! Aber mal schauen, vielleicht gebe ich ihnen nächste Woche nochmals eine Chance.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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