Das Coronavirus sorgt auch in der Filmwelt für weitere Schlagzeilen

Immer mehr Events und Kinostarts werden wegen der Ausbreitung von Covid-19 abgesagt, während in Italien gleich alle Kinos geschlossen wurden. Auch sieht es nicht gut für das Cannes-Filmfestivals aus.

James Bond - No Time to Die © Universal

Die Verschiebung des Kinostarts von James Bond - No Time to Die war nur der Anfang. Um die Ausbreitung des Coronoavirus zu stoppen, wurden in vielen Ländern Grossveranstaltungen abgesagt, was auch immer mehr die Filmindustrie zu spüren bekommt. In der Schweiz sind die Kinos zwar noch offen, doch gibt es pro Kanton unterschiedliche Restriktionen. In Chur dürfen nur noch 50 Leute in einen Kinosaal gelassen werden, im Kanton Aargau sind es noch 150. Drastischer hat man nun im Nachbarsland Italien reagiert.

Italien macht die Kinos dicht

Bevor das ganze Land am Dienstagmorgen zur Sperrzone deklariert wurde, wurden zuvor Kinos und Museen geschlossen sowie Shows, Sportanlässe und weitere Events abgesagt. Italien war im letzten Jahr mit einem Box-Office von 710 Millionen Dollar der zehntgrösste Kinomarkt der Welt. Am vergangenen Wochenende generierten die noch offenen Kinos gerade einmal einem Umsatz von 503'000 Dollar. Platz eins holte sich das Antonio-Ligabue Biopic Volevo nascondermi mit 104'000 Dollar.

Volevo nascondermi
Volevo nascondermi © Chico De Luigi

South by Southwest

In den USA wurde derweil das grosse «South by Southwest»-Filmfestival abgesagt, wo Filme wie The King of Staten Island, The Lovebirds und Spike Jonzes Dokumentation Beastie Boys Story ihre Weltpremieren hätten feiern sollen. Nachdem zuerst Netflix, Amazon und Apple ihre Teilnahme an dem Festival absagten, schob letzten Endes die Stadt Austin dem Event einen Riegel vor. Am härtesten trifft dies Dutzende Independent-Filme, die jedes Jahr am SXSW nach Käufern suchen. Diese Produktionen müssen nun eine neue Plattform finden.

Und was macht Cannes?

Nach der Absage von SXSW richten sich nun viele Augen in Richtung des grössten Filmmarktes der Welt: Cannes. An der Croisette werden nämlich nicht nur Filme gezeigt, sondern auch jede Menge Deals abgewickelt. Wie wir berichteten, sprach Frankreich vor einer Woche ein Verbot für Indoor-Events ab 5'000 Leuten aus. Cannes interpretierte diese Vorgabe dann so, dass im grössten Kinosaal ja sowieso keine 5'000 Leute Platz hätten. Im grössten Saal, dem Salle Lumière, gibt es 2'309 Sitzplätze. Das mag ja sein, doch an einem normalen Festivaltag tummeln sich an die 12'000 Leute in und um den «Palais des Festivals». Nun wird es jedoch auch für Cannes brenzlig. Denn Frankreich hat gestern Montag ein Verbot von Veranstaltungen ausgesprochen, an denen über 1'000 Leute teilnehmen können. Auf Anfrage des Guardians meinte ein Cannes-Sprecher nur, dass sich dadurch für das Festival «nichts verändert hätte». Ooooook...

Platzspitzbaby
Platzspitzbaby © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Platzspitzbaby und Pinocchio

Schauen wir zu guter Letzt noch in die Schweiz. In der Romandie wurden die Kinostarts von Platzspitzbaby und Matteo Garrones Pinocchio verschoben. Beide hätten am 18. März 2020 in die Westschweizer Kinos kommen sollen. Bei Platzspitzbaby war Cast und Crew ausschlaggebend, welche für Promoaktivitäten in die Romandie hätten reisen sollen. Doch eine solche Promotour birgt momentan zu viele Risiken. Der Kinostart soll nun im Juni 2020 erfolgen. Im Falle von Pinocchio folgte man Frankreich, wo der Film ebenfalls verschoben wurde. Bei internationalen Produktionen orientieren sich die Schweizer Verleiher oft an den Nachbarsländer. Aufgrund der Sprache schaut man für die Romandie nach Frankreich, in der Deutschschweiz nach Deutschland und im Tessin nach Italien. Im Tessin haben die Kinos übrigens weiterhin geöffnet. Da Pinocchio in Deutschland noch keinen Verleiher hat, muss der Schweizer Verleiher in diesem Fall keine Rücksicht nehmen und plant den Fantasyfilm weiterhin am 19. März 2020 in die Deutschschweizer Kinos zu bringen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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