Nach der Verschiebung von «James Bond»: Was für Folgen das Coronavirus für das Kino haben könnte

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus musste das 25. Bond-Abenteuer verschoben werden. Nachdem der erste Schock verdaut ist, schauen wir, was für Auswirkungen das noch alles haben könnte.

Daniel Craig in «No Time to Die» © Universal

Wie wir berichteten, müssen James-Bond-Fans nun nicht nur vier Wochen, sondern gleich 36 Wochen auf No Time to Die warten. Doch diese Verschiebung in den November 2020 könnte noch weitere Auswirkungen auf die Kino- und Filmbranche haben. Für uns stellen sich dabei drei Fragen:

Was machen die anderen Blockbuster?

No Time to Die ist wahrlich nicht der einzige grosse Film, welcher für einen Release im März/April vorgesehen war/ist. A Quiet Place 2, Mulan, Peter Rabbit 2 und Black Widow haben alle das Potential, die Massen ins Kino zu locken.

Doch nicht wenige Leute sind verunsichert und meiden deshalb lieber die Menschenmassen und damit auch die Kinos. Dies hat Verluste auf der Kino- und Verleih-Seite zur Folge, die man wohl nicht einfach so hinnehmen wird. Die Augen sind jetzt auf die oben genannten, potentiellen Kassenhits und ihre Studios gerichtet. Werden die Blockbuster wie geplant veröffentlicht oder folgt man dem Beispiel von Bond?

Das Problem ist einfach, dass es vor allem in Europa in diesem Jahr wegen der Fussball-EM nicht viele Ausweichdaten für grosse Filme gibt. Der Release-Kalender ist wegen dem Gekicke im Juni/Juli schon jetzt recht voll. Zudem wird man es vermeiden, einen Start in der Nähe von No Time to Die zu wählen. Die Optionen sind begrenzt und es wird wohl "Dä Schnäller isch dä Gschwinder" gelten. Aber es ist ja auch nicht gesagt, dass die ganze Coronavirus-Sache in wenigen Monaten ausgestanden ist ...

«Mulan»
«Mulan» © The Walt Disney Company Switzerland. All Rights Reserved.

Was machen die Kinos?

Einige Kinos mussten bereits reagieren. Die Kinos Apollo und Kinocenter in Chur wurden vom Stadtrat angewiesen, dass sie nur noch 50 Besucher pro Saal reinlassen dürfen. Alle Vorstellungen sollen aber wie geplant stattfinden. Wenn man jetzt aber bedenkt, dass der grösste Saal in Chur über 300 Sitze hat, dann sind das enorme Einbussen für das Kino und natürlich auch für die Filmverleiher. Ein Film kann also bei diesem Beispiel im Idealfall gerade einmal einen Sechstel seiner potentiellen Einnahmen machen. Ein paar kleinere Kinos in der Schweiz haben aus diesem Grund auch schon den Betrieb vorübergehend eingestellt.

Die Kinos, welche momentan noch offen haben, müssen den Anweisungen der jeweiligen Kantone befolgen. Die Kantone entscheiden momentan noch über Veranstaltungen, bei denen unter 1'000 Leute teilnehmen können, worunter eigentlich fast alle Kinoevents fallen. Alle Events über 1'000 Besucher wurden bereits vom Bund verboten. Sollte sich die Situation jedoch verschlimmern, kann der Bund auch über Menschenzusammenkünfte unter 1'000 Teilnehmern entscheiden und somit schweizweit Regeln für das Kino aufstellen. Wenn sich aber die Filmverleiher entscheiden, die grossen Zugpferde (siehe oben) alle zu verschieben, dürften wohl weitere Kinos freiwillig eine Pause einlegen.

Bild aus «The Mandalorian». Die Serie läuft auf Disney+.
Bild aus «The Mandalorian». Die Serie läuft auf Disney+. © Lucasfilm

Was machen die Film-Fans?

Es ist kein Geheimnis, dass die Streamingdienste wohl die Profiteure der ganzen Sache sein werden. Quarantäne mit Netflix: eine Vorstellung, die vielen Serienjunkies gefallen dürfte. Fast schon unheimlich vom Timing her geht am 24. März 2020 in der Schweiz auch noch Disney+ an den Start. Sofern der Bund nicht neue Regeln aufstellt oder die Lichtspielhäuser wegen fehlender Blockbuster freiwillig Pause machen, entscheidet der Konsument, ob die Kinos offenbleiben oder nicht. Wir haben es also wieder einmal mit dem Portemonnaie (und ein bisschen Mut) in der Hand.

Teilen
Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen
Datum
Autor
Quelle
OutNow
Themen