Wie Oscar-Gewinner Bong Joon Ho («Parasite») einst Harvey Weinstein verarschte

Bong Joon Ho ist dank «Parasite» ein gefragter Mann. So plaudert er auch mal aus dem Nähkästchen und offenbarte gegenüber Vulture, wie er bei «Snowpiecer» Produzent Harvey Weinstein überlistete.

Bong Joon Ho am Set von "Snowpiercer" © Ascot Elite

Seit dem Oscar-Gewinn von Parasite kennen nun ein paar Leute mehr den südkoreanischen Regisseur Bong Joon Ho. Der gute Mann drehte aber schon zuvor jede Menge tolle Filme, darunter auch den Sci-Fi-Film Snowpiercer. Ein Projekt, bei dem er auch auf Harvey Weinstein traf.

In Snowpiercer wird eine Welt gezeigt, in der eine neue Eiszeit ausgebrochen ist. Die überlebenden Menschen leben im Snowpiercer, einem Zug, der um die ganze Welt fährt. Doch in der klassengetrennten Gesellschaft bahnt sich eine Revolution an. Gedreht hat Bong den Film in Tschechien und Österreich und die Verleihrechte für den amerikanischen Markt sicherte sich schnell mal Harvey Weinstein, der aber irgendwie gar nicht glücklich mit dem fertigen Film war. Weinstein verlangte, dass Bong für den US-Markt 25 Minuten aus dem Film herausschneidet. Weinstein nannte Bong bei einem gemeinsamen Meeting zwar «ein Genie», aber der Film hätte viel zu viel Dialog.

Unter anderem störte Weinstein eine Szene, in welcher ein mächtiger Zugs-Wachmann einen Fisch ausnimmt, um die Rebellen einzuschüchtern. «Warum Fisch? Wir brauchen Action!», so Weinstein gegenüber Bong, welcher die Geschehnisse gegenüber dem Magazin Vulture schilderte. «Ich hatte in dem Moment heftige Kopfschmerzen. Da sagte ich zu Harvey einfach, dass mir die Szene sehr viel bedeute. Es sei etwas Persönliches, weil mein Vater ein Fischer war und, dass ich diese Szene meiner Mutter widme.» Weinstein daraufhin: «Du hättest was sagen können, Bong. Familie ist das Wichtigste. Du darfst die Szene behalten.» Dabei entsprach dies gar nicht der Wahrheit, was Bong da verzapfte. «Es war eine Lüge. Mein Vater war nie ein Fischer», gab Bong im Interview lachend zu.

Der Kampf mit Weinstein ging noch ein paar Monate weiter. Am Ende gewann Bong, auch wenn der Sieg seinen Preis hatte. Die ungekürzte Fassung von Snowpiercer wurde in den USA von der Weinstein-Tochterfirma Radius herausgebracht. Aus diesem Grund startete der Film in deutlich weniger US-Kinos, als wenn der Mutterkonzern The Weinstein Company verantwortlich gewesen wäre. So spielte der Film in den US-Kinos zwar nur 4.5 Millionen Dollar ein, war aber mit weltweiten Einnahmen von 86 Millionen Dollar (bei einem Budget von 40 Mio.) trotzdem ein kleiner Erfolg.

Der Trailer zu Snowpiercer

© Ascot Elite

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Letterboxd
Teilen
Auf Facebook teilen  Auf Twitter teilen 
Datum
Quelle
Vulture
Themen