20 Jahre OutNow - Wie alles begann

OutNow ist 20 Jahre alt! Zur Feier dieses denkwürdigen Geburtstags geben wir euch einen exklusiven Einblick, wie unsere Seite entstanden ist. Alles hat sich zu 100 % genau so zugetragen. Ehrlich!

© OutNow/nna

Am 10. Februar 2000 gingen die ersten beiden Reviews auf OutNow.CH live. Wie kam es dazu? Wer war dafür verantwortlich? Wo spielte sich das Ganze ab? Und: Warum macht Jean-Luc Godard immer noch Filme, die keine Sau versteht?

Ok, die Beantwortung der letzten Frage müssen wir uns auf ein andermal verschieben. Aber den ersten beiden Fragen versuchen wir im folgenden Dialog der drei OutNow-Gründer auf den Grund zu gehen. Fairerweise wollen wir an dieser Stelle festhalten, dass die Autoren dieses Artikels selbst nicht live dabei waren. Wir sind uns aber zu 128 % sicher, dass sich die Geschichte ganz genau so oder total anders zugetragen hat.

Der Einfachkeit halber geben wir den Protagonisten ein Pseudonym, nennen wir sie hier doch, angesichts ihres jugendlichen Alters, Tick, Trick und Track.

1. Akt

Tick: «Hoi.»

Trick: «Hoi.»

Track: «Mega!»

Trick: «Was mega?»

Track: «Weiss nicht, aber ‹mega› ist heute, also im Jahr 2000, glaube ich, ein mega angesagtes Wort unter 22-Jährigen. Wir sind ja 22 Jahre alt, weisch!»

Trick: «Ach so ja stimmt. Mega jung. Krass! Das sagen wir doch auch die ganze Zeit. Was liest du denn da?»

Track: «Zeitung.»

Trick: «Ah, ok. Im Jahr 2000 ist die Papierzeitung ja noch nicht ganz vom Internet verdrängt. Welche Zeitung denn genau?»

Track: «Die ‹Alte Zürichseener Zeitung›. Filmkritik zu The Green Mile

Tick: «Mega krass! Den wollte ich auch schauen. Und? Ist gut?»

Track: «Äh.»

Tick: «Was: ‹äh›?»

Track: «Weiss nicht.»

Tick: «Wie jetzt? Liest du die Kritik oder nicht?»

Track: «Ja, schon.»

Tick: «Aber?»

Track: «Ich kapier's nicht.»

Trick: «Was? Lass sehen!»

Track: «Ok.»

Trick (liest vor): «Die ostentative Larmoyanz wird von der radikal apodiktisch-expressiven Erzählweise determiniert, wodurch sich die Mediokrität der disparaten Protagonisten manifestiert.»

(Nachdenkliche Pause.)

Trick: «Hä?»

Track: «Eben, sag ich ja. Versteht keine Sau.»

Tick: «Aber warte, ich habe noch den ‹Nacht-Anzeiger› dabei. Der hat auch eine Kritik drin.»

(Pause.)

Tick: «Shit.»

Trick: «Was, der Film ist shit?»

Tick: «Nein, ich versteh auch diese Kritik nicht.»

Track: «Shit.»

Tick: «Hör dir diesen Satz an!» (Liest vor.) «Regisseur Darabont liefert mit seinem assoziativ-diskursiven Werk eine radikale und akkurate Bestandesaufnahme der postmodernen Ambivalenz heutiger Generationen und verstärkt dadurch in kongenialer Weise den apodiktischen Imperativ.»

Trick: «Der meint das nicht ernst, oder?»

Tick: «Doch, glaube schon.»

Trick: «Mann! Da kann ja ich eine bessere Kritik schreiben!»

Track: «Wieso eigentlich nicht?»

Trick: «Äh, weiss nicht.»

Tick: «Es gibt ja jetzt dieses Internet! Wir könnten doch so eine Houmpeitsch machen! Und dort veröffentlichen wir dann unsere eigenen Kritiken.»

Trick: «Gar keine so schlechte Idee, du. Ich schau mir den Film mal an. Wann und wo läuft er denn?»

Track: «Schau doch auf deinem Smartphone.»

Trick: «Geht nicht.»

Track: «Wieso nicht?»

Trick: «Smartphones kommen erst in ungefähr sieben Jahren auf.»

Track: «Jäso, ja. Aber in der Zeitung hat's doch auch irgendwo noch ein Kinoprogramm.»

Trick: «Ah ja, da. Läuft heute 20:00 Uhr im Cinemax in Zürich. Da geh ich hin. Chömeder mit?»

Tick und Trick: «Ja, eh!»

2. Akt

Ein paar Tage später.

Tick: «Hoi Trick.»

Track: «Ich bin Track, nicht Trick!»

Tick: «Hoppla. Sorry! Passiert mir immer, weil wir uns so ähnlich sehen.»

Track: «Wem sagst du das! Ich hab sogar schon mal bei meinem Spiegelbild gemeint, ich sei du.»

Tick: «Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir uns immer gleich anziehen: Ich rot, du grün, Trick blau.»

Track: «Apropos Trick: Wo ist denn der?»

Tick: «Der sitzt da hinten an seinem riiiiesigen Desktop-Computer ohne Flachbildschirm.»

Track: «Gehen wir ihm doch hallo sagen.»

Tick und Track: «Hallo Trick!»

Trick: «Hoi zäme.»

(Coole Fingerschnipp-Begrüssung, wie man sie in den Neunzigern gemacht hat. Und heute auch noch. Glaubs.)

Track: «Was machst du denn da?»

Trick: «Kritik schreiben.»

Tick: «Mega krass! Zeig mal.»

(Tick und Track lesen)

Track: «Cool.»

Tick: «Cool-co-cool.»

Track: «Moment. Das ist eine Anspielung auf die Serie Community. Die kommt erst 2009!»

Tick: «Hoppla. Haha. Dann sag ich halt wieder ‹mega›.»

Trick: «Euch gefällt also die Kritik?»

Tick: «Ja. Vor allem die folgende Passage: ‹Dieser Film ist Pflicht und gehört in die Kategorie ‹dä-muesch-eifach-gseh-ha›. Also husch husch, ab in die Kinos! Die Maximalpunktzahl hat er sich redlich verdient.› Endlich mal jemand, der sagt, was Sache ist!»

Trick: «Danke. Jetzt müsste man das nur noch irgendwie auf das Internet dingseln.»

Track: «Ja. Komm, wir schauen mal, wie das geht. Mal googeln.»

Trick: «Google? Gibt's das schon?»

Track: «Klaro! Seit 2 Jahren!»

Trick: «Mega.»

(Pause)

Tick: «Scheint gar nicht so schwer zu sein, dieses Programmieren.»

Trick: «Cool, dann los!»

3. Akt

Ein paar Tage und Nächte sowie viele Dosen Red Bull später.

Tick: «Fertig!»

Trick: «Jaaaaa!»

Track: «Sieht mega aus mit diesem Orange, findet ihr nicht auch?»

Tick: «Ja, total. Sieht voll modern aus wie halt eben so eine Homepage aus dem Jahr 2000.»

Trick: «Jetzt brauchen wir nur noch einen Namen.»

Track: «Hmmm. Scheisse ‹film.ch› ist schon weg.»

Trick: «Ja, und ‹ehrliche-filmkritiken-ohne-bullshit-die-dir-sagen-ob-der-film-gut-ist.ch› ist irgendwie ein bisschen umständlich.»

Track: «Ja. Hm.»

(Klopfen an der Tür.)

Tick: «Wer ist denn das?»

Jean-Luc Godard: «Bonjour, c'est le festival de Cannes ici?»

Trick: «Français très mal. English?»

Godard: «Oh, hello. I english also. This way to Cannes Festival?»

Track: «No, this is Switzerland.»

Godard: «Oh, Switzerland! I also from Switzerland! I live in Lausanne with my dog!»

Track: «Nice to meet you, what is your name?»

Godard: «I'm Jean-Luc, I make films with lots of meaning.»

Trick: «Oh, we like films too, what is your favourite one?»

Godard: «I like french auteur movies. I make very good french movies.»

Trick: «To be honest, we prefer Hollywood movies. You know The Green Mile

Godard: «Oh no, what a horrible taste you have! This is a very bad commerce movie!»

Trick: «Well, we have no problem with that, as long as it is entertaining!»

Godard: «Whaaaaat! Entertaining is evil! Cinema has to be boring! I repeat: bo-ring!»

Track: «Well, let's agree to disagree.»

Godard: «You young people are ignorants! You even know who you are talking to?»

Tick: «Not really...?»

Godard: «I am God! It's even in my name! God of art!»

Tick (flüsternd, zu Trick und Track): «Der Typ wird langsam creepy - ok, wenn wir ihn langsam herauskomplimentieren?»

Tick (laut, zu Godard): «Very nice talking to you! Now we've got to work on our new website. Would you please excuse us?»

Godard: «Oh, new website! Very nice! You will make good reviews of my movies, please?»

Tick: «We'll see what we can do.»

Godard: «Promise me?»

Tick: «Pinky swear.»

Godard: «Good. You will make bad review for bad Hollywood movies like The Green Mile as well?»

Tick (langsam genervt): «No, we won't. Now you really have to go!»

Godard: «Not yet! Have you watched my latest movie? It is really great!»

Tick (jetzt richtig genervt): «OUT! NOW!»

(Godard ab durch die Mitte.)

Track (zu Tick und Trick): «Hey Leute, ich glaube, mir ist gerade eine Idee gekommen.»

Vorhang.

Der Rest ist Geschichte. OutNow hat sich von der kleinen Filmkritiken-Website dreier 22-jähriger Filmfans zu einem internationalen Imperium gewandelt mit Zweigstellen in der ganzen Welt, Tausenden von Mitarbeitenden, den talentiertesten Filmkritikern der Welt und einem jährlichen Umsatz in Milliardenhöhe.

Dementsprechend haben wir keine Kosten gescheut und präsentieren euch im Jubiläumsjahr eine Serie von Jubiläumsbeiträgen, in denen wir auf die vergangenen 20 Jahre zurückschauen. Lasst euch überraschen! In dem Sinn: Viel Spass und Happy Birthday!

So hat das am 10. Februar 2000 ausgesehen.
So hat das am 10. Februar 2000 ausgesehen. © OutNow/nna

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