Von Scheidungsanwälten und anderen Gaunern: Die 11 besten Netflix-Filme von 2019

Mal wieder ganz Netflix durchgescrollt, aber du weisst immer noch nicht, was du schauen sollst? Wie wäre es mit einem der elf besten Filme, die der Streaming-Gigant im Jahre 2019 veröffentlicht hat?

"El Camino", "Klaus", "Marriage Story" © Netflix

2019 unterstrich Netflix ein weiteres Mal seine Ambitionen auf die wichtigsten Filmpreise dieses Planeten. Nachdem man mit Roma schon viele Oscars abräumen konnte, hatte man 2019 gleich mehrere Passionsprojekte von hochgelobten Regisseuren am Start, welche diese Filme wohl nur mit Mühe bei den anderen Studios finanziert bekommen hätten. Jetzt mit Disney+ im Nacken versucht Netflix mit vielen Eigenproduktionen, die Abonnenten bei sich zu halten und neue Kundschaft an Land zu ziehen. Zwar wurde auch wieder viel Mist produziert, doch fokussieren wir uns hier auf die Werke, bei denen man das Scrollen durch die Netflix-Library definitiv stoppen sollte.

11. Paddleton

© Netflix


Willkommen im Duplass Cinematic Univserse (DCU)! Das besteht vor allem aus Mumblecore-Filmen mit Mark Duplass. Paddleton ist ein kleiner, charmanter Film über zwei beste Freunde. Ein geregelter Alltag ist für die Kung-Fu-Fans Michael und Andy ein wünschenswerter Zustand. Es muss nicht immer die Weltreise sein, wenn man an Krebs erkrankt. Paddleton propagiert die Normalität und ist dabei genauso unaufgeregt wie seine beiden Hauptfiguren. Dabei muss er nicht mal filmisch herausstechen, die Dialoge und Schauspieler richten es schon. Und Ray Romano ist ein sehr faszinierender Schauspieler. [sma]

9. The Laundromat (unentschieden)

© Netflix


Der Panama-Paper-Skandal, erklärt von den Oscarpreisträgern Steven Soderbergh, Meryl Streep und Gary Oldman. Im Stile von The Big Short wird dies mit viel Humor gemacht, wobei einem das Lachen zwischendurch schon etwas im Halse stecken bleibt. Die Tonalität des Films pendelt dabei immer zwischen Comedy und Drama. Eine Fokussierung auf ein Genre hätte dem Film gut getan, trotzdem ist dies ein gefälliges Werk, das einem die knifflige Sachlage immerhin mit etwas Pfiff zu erklären versucht. [crs]

9. El Camino: A Breaking Bad Movie (unentschieden)

© Netflix


"Guess I got what I deserved", so der Beginn des Badfinger-Songs "Baby Blue", welcher am Ende der letzten Episode von Breaking Bad ertönte. Was dies für Walter White bedeutete, wissen die Fans der Serie. Doch bekommt auch Co-Drogenkocher Jessie (Aaron Paul) das, was er verdient? Diese Antwort will dieser Film geben und er tut es auf sehr gemütliche Art und Weise und bietet ein Wiedersehen mit einigen bekannten Figuren. Der Überfilm ist dabei nicht entstanden, trotzdem nimmt einen die Reise des Jessie gefangen. Denn nach dem Horror, den er erleben musste, hoffen wir eben schon ganz fest, dass er das bekommt, was er verdient: Freiheit und einen Neuanfang! [crs]

8. J'ai perdu mon corps

© Netflix


J'ai perdu mon corps erzählt die Geschichte von den beiden jungen Erwachsenen Naoufel und Gabrielle, die sich kennenlernen und einander näherkommen. Parallel versucht die abgetrennte Hand eigenhändig (Wortspiel beabsichtigt), seinen Besitzer zu finden. Der französische Animationsfilm leidet zwar unter einer klischierten Geschichte mit vorhersehbaren Konflikten, überzeugt aber mit gutem Humor, vor allem mit der separierten Hand, und einem erfrischenden Animationsstil. Dieser benötigt etwas Eingewöhnungszeit, sieht aber richtig schön aus. Hinweis: Gibt's aktuell noch nicht auf dem Schweizer Netflix. [nna]

6. Homecoming: A Film by Beyoncé (unentschieden)

© Netflix


Beyoncé Knowles-Carter führt Regie und dokumentiert fast ein Jahr ihres Lebens. Das Ziel ist das Coachella Festival 2018. Die Vorbereitung auf die extrem aufwendige Show schliesst fast direkt an die Geburt ihrer Zwillinge an und gibt Einblicke in das Leben eines Megastars. Die Bühnenperformances selbst stehen im krassen Gegensatz zur Schwarz-Weiss-Dokumentation. Hier werden die beiden verschiedenen Auftritte zu einem grossen Spektakel zusammenmontiert. Inhaltlich ist der Film nicht so stark wie Lemonade, aber mit seiner Inszenierung erfindet er das Genre des Konzertfilms fast neu. [sma]

6. The Two Popes (unentschieden)

© Netflix


Zwei alte Geistliche reden über die Zukunft der katholischen Kirche. Klingt nach Mega-Gäääääähn! Doch dank Situationskomik, gut geschriebenen Dialogen und den beiden Klasse-Darstellern Anthony Hopkins (als Papst Benedikt XVI.) und Jonathan Pryce (als der spätere Papst Franziskus) ist der Film von Fernando Mereilles (City of God) ein durchaus gemütlicher Crowdpleaser, in dem überraschenderweise der Fussball-WM-Final von 2014 und sogar Kommissar Rex vorkommen. Hallelujah! [crs]

5. High Flying Bird

© Netflix


Steven Soderbergs Drama über die Machtstrukturen der NBA ist in Wahrheit ein Heist-Movie, und damit kennt sich der Ocean's Eleven-Regisseur aus. Ein hohes Tempo, zahlreiche Rückblenden und undurchsichtige Figuren lassen einen bis zum Schluss im Dunklen. Dazu gesellen sich der ungewöhnliche Look des Films und viele simple Kameraeinstellungen. Die Verbindungen, die zwischen dem industriellen Profisport und strukturellem Rassismus gezogen werden, sind hoch interessant. Ebenso wie der Verzicht auf tatsächliche Basketballszenen. Bei den Darstellern überzeugt vor allem Zazie Beetz (Domino aus Deadpool 2). [sma]

4. Dolemite is my Name

© Netflix


Die wahre Geschichte des Stand-up-Comedians Rudy Ray Moore, welcher unbedingt auch in Filmen auftreten wollte. Doch weil kein Studio den Mann vor eine Kamera lassen wollte, drehte er kurzerhand seine eigenen trashigen Action-Komödien. Dolemite is my name folgt dem Muster von Ed Wood und The Disaster Artist und porträtiert einen Unverbesserlichen, der ohne Talent, dafür aber mit viel Energie und Passion seinen Traum umsetzen möchte. Dank Eddie Murphy in der Hauptrolle macht dies Spass - und für Film-Fans bietet der Blick hinter die Kulissen grossen Unterhaltungswert. [crs]

3. Klaus

© Netflix


Wir alle kennen die Geschichte des Weihnachtsmanns - tun wir? Klaus erzählt eine alternative Originstory des Samichlaus. Der Regie-Erstling des Spaniers Sergio Pablos, der auch das Drehbuch schrieb, überzeugt mit einer zwar klischeehaften, aber charmanten Geschichte und vor allem einem einzigartigen Artstyle sowie tollen Charakterdesigns. Der Voice-Cast kann sich mit J.K. Simmons, Jason Schwartzman und Rashida Jones auch sehen - oder eben hören - lassen. Ein herzlicher Animationsfilm für die ganze Familie, auch nach der Weihnachtszeit. [nna]

2. The Irishman

© Netflix


Martin Scorsese erzählt mit den Altstars Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci die Geschichte eines Mafia-Vollstreckers - und beansprucht dafür 209 Minuten. Dank der exquisiten Inszenierung, dem toll geschriebenen Drehbuch und natürlich aufgrund der Darsteller ist dies ein ganz starkes Epos. Für alle Gangsterfilm-Fans ist der Streifen eh ein Muss - und eigentlich auch für alle, die gute Filme mögen. ]crs]

1. Marriage Story

© Netflix


An dieser Stelle klingen wir schon fast wie eine kaputte Schallplatte. In einem Interview beschrieb Hauptdarsteller Adam Driver Marriage Story als Liebesfilm über eine Scheidung. Sehr passend, denn Regisseur Noah Baumbach gelingt hier eine Gratwanderung zwischen Drama und Komödie und balanciert die gegenteiligen Themen Hoffnung und Ernüchterung praktisch perfekt. Ausserdem holt er aus all seinen Darstellern Weltklasse-Performances raus. Unserer Meinung nach einer der besten Filme des Jahres und verdient der beste Netflix-Film. [nna]

Was waren eure Netflix-Highlights im Jahr 2019?

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Kommentare Total: 1

jon

Paddleton gehört für mich auf Platz 1 - würde ihn aber nicht als "charmant" beschreiben, eher herzzerreissend, brutal real und zwischendurch mit lakonischem Humor.

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