Adventskalender der bewegten Bilder - Tag 19: «Tokyo Godfathers»

Drei Obdachlose finden ein Baby und wollen es an seine Eltern retournieren. Dabei geschieht ihnen allerlei Ungeschicktes im verschneiten Tokio zur Weihnachtszeit. Zeit für Türchen Nummer 20.

© Trigon-film

Genre: Anime
Laufzeit: 92 Min.
Jahr: 2003 (Japan)
Regie: Satoshi Kon
Cast: Tôru Emori, Aya Okamoto, Yoshiaki Umegaki

Weshalb Tokyo Godfathers?

Tokyo Godfathers taucht immer wieder auf etwas obskureren Weihnachtsfilm-Listen auf, obwohl der Film nicht auf den ersten Blick weihnachtlich wirkt. Es werden keine Geschenke verteilt, Christbäume gibts auch wenige und den Samichlaus sucht man vergebens. Doch der Anime-Pionier Satoshi Kon (Perfect Blue, Paprika) nimmt das Weihnachtssetting und gibt ihm seinen eigenen Dreh.

Worum geht's?

Gin, Hana und Miyuki leben auf der Strasse. Gin hat beim Zocken sein Geld verspielt, Hana arbeitete als Drag Queen, griff aber einen Gast an und entschied sich für die Obdachlosigkeit, und Miyuki ist von Zuhause ausgerissen. Sie wühlen durch die Abfalldeponien in Tokio, um sich zu ernähren. An Heiligabend finden sie ein schreiendes Baby mitten in den Müllhügeln. Weil sie selbst nur bedingt für das Kind sorgen könnten, machen sie es sich zur Aufgabe, es an seine Eltern zu retournieren. Auf dem Weg dahin merken sie, dass etwas an diesem Baby speziell ist ...

Wie war's?

Satoshi Kon macht normalerweise ziemlich komplexe Filme. Hier gibt's eine sehr einfache, aber dennoch schöne Geschichte zu sehen, die vor allem dank der tollen Animation und den quirligen Figur lebt. Zwar wirken diese zu Beginn ziemlich unsympathisch, doch je mehr man sie kennenlernt, desto mehr schliesst man sie ins Herz. Ausserdem zeigt Tokyo Godfathers die gesellschaftlichen Schichten, die im sonst sehr konservativen Japan eher ungern abgebildet werden: Farbige, Ausländer, Alkoholiker, Transvestiten, Obdachlose. Diese werden hier in den Vordergrund gerückt und sehr schön porträtiert. Der Weihnachtsaspekt ist, wie in der Einleitung erwähnt, eher gering, viel mehr geht es um ein Weihnachtswunder und darum, dass Weihnachten das Fest der Liebe und der Vergebung sein soll. Gelegentlich ist die Geschichte aber nicht komplett nachvollziehbar und einige Handlungsstränge verlaufen ins Nichts. Dennoch durchaus sehenswert!

Die nackten Zahlen

Filmbewertung: 4.5/6
Weihnachtsfaktor: 3/6

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OutNow.CH
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