"His Dark Materials" Season 1: Recap Episode 4 - Armour

Ein Hase spricht, ein Aeronaut singt, ein Bär ist depri und Lyra geht das Lügen locker von der Zunge. In der vierten Episode geht's nordwärts und die kleine Truppe um Lyra bekommt Zuwachs.

© BBC

Mitten im Wolkenmeer starten wir in Episode vier, wo Aeronaut-aber-irgendwie-auch-Cowboy Lee Scoresby (aka Broadway-Hotshot Lin-Manuel Miranda) mit seiner Häsin Hester ein Liedchen trällert. Das macht Laune, lässt uns aber auch ein bisschen grübeln, denn die Daemon sind zwar fast alle richtig herzig, werden in der Serie aber nicht unbedingt konsequent eingesetzt. Hester ist nach Pantalaimon erst der zweite Daemon, den man sprechen hört, während die meisten anderen entweder stumme Nebenfiguren sind oder - wie etwa die Spürhunde des Magisteriums - sogar nur banal bellen dürfen. Mit Kaisa, dem Daemon der Hexe Serafina Pekkala, kommt in dieser Folge schliesslich noch ein drittes sprechendes Exemplar vor. Hoffen wir, dass die Serie einfach etwas Anlauf brauchte, um die Daemons dieser Welt richtig in Szene zu setzen.

Lee Scoresby ist in seinem Heissluftballon auf dem Weg, um seinem Eisbärenkumpel Iorek Byrnison, der ihm einst das Leben gerettet hat, aus der Patsche zu helfen. (Was für eine fabelhafte Welt, in der solche Sätze wahr werden können!) Dieser wurde nämlich übers Ohr gehauen, seiner Rüstung (die einem Daemon ähnlich ist) beraubt, und sitzt deshalb in Trollesund fest, wo er für die Menschen Metall schmieden muss. Wie man aus der Luft sehen kann, sind auch die Gyptians auf dem Weg dorthin, und leider funktioniert der Übergang zwischen Lees Himmelsreise und Lyras Weg zu Wasser überhaupt nicht, weil das Intro überraschend unelegant in die Szene hineinplatziert wird. Episches Erzählen geht irgendwie anders...

Am Hafen von Trollesund angekommen, legt sich der selbstbewusste Lee gleichmal mit allen möglichen Leuten an, indem er die falschen Fragen stellt und sich auch mal in eine Schlägerei verwickeln lässt. Und ja, er beklaut auch noch ziemlich jeden, den er trifft. (Hat sich eigentlich sonst noch jemand heftig das Hirn zermartert, woher man diesen Sysselman kennt?)

Farder Coram will die Hexe Serafina Pekkala kontaktieren, um die Hilfe der Hexen im Kampf gegen das Magisterium zu erlangen. Zusammen mit Lyra (und Polarfuchs-Pantalaimon) besucht er den Konsul Lanselius, der uns die Theorie bestätigt, dass Leute, die mit dem Magisterium zu tun haben, zu Daemons in Reptilienform neigen. Vom Konsul erfahren sie, dass die verschleppten Kinder landeinwärts gebracht werden, wo sie verstörenden Gerüchten zufolge einer geheimen (Schneide-)Prozedur unterzogen werden. Nachdem Lyra den Beweis erbringen musste, dass sie den Alethiometer ohne Hilfsmittel lesen kann, erhält sie den Rat, einen Panzerbären anzustellen. Den treffen sie auch gleich, doch Iorek Byrnison hat keine Rüstung und erst recht keine Lust, sich Lyra anzuschliessen. Dass sie ihn auch gleich noch Feigling nennt, hilft der ganzen Sache auch nicht unbedingt.

Mrs. Coulter kann inzwischen nicht nur verhindern, dass das Magisterium sie für ihre Fehltritte in der letzten Folge rausschmeisst, sondern schafft es gleich noch, sich eine Mission in den Norden zu erschwatzen, da sie den Oberhäretiker Lord Asriel bei den Eisbären gefangenhält. Zudem kann sie sich eine Frage erbeten, die dem Alethiometer gestellt werden soll. Wobei diese Frage - Wer ist Lyra Belacqua - doch eher enttäuschend ist. Da hätte man sich doch etwas Besseres ausdenken können, oder?

Nachdem Farder Coram in einer sehr bewegenden Szene von seiner einstigen Beziehung zu Serafina Pekkala sowie von ihrem gemeinsamen, aber inzwischen verstorbenen Sohn erzählt und Lee sich aus erzählerisch nicht ganz geklärten Gründen im Saloon vermöbeln lässt, trifft der Daemon Kaisa ein, der sich anders als normale Daemons sehr weit von seinem Menschen entfernen kann. Er berichtet Farder Coram und John Faa, dass einige Hexen mit dem Oblation Board zusammenarbeiten und die Kinder nach Bolvangar gebracht werden, was übersetzt "Felder des Bösen" bedeutet. Er versichert ihnen aber, dass Serafina Pekkala an ihrer Seite kämpfen wird. (Buchleser dürften sich hier vielleicht fragen, warum die Form von Serafinas Daemon geändert wurde: In den Büchern wird Kaisa als Schneegans beschrieben. Und das hier ist definitiv keine Schneegans. Aber vielleicht wirken Hexen ja nur krass und unabhängig, wenn sie mit Raubvögeln abhängen...?)

In der Nacht können Lyra und Pan kurz eine Stadt im Nordlicht erspähen. Nicht weit entfernt gibt es ein Wiedersehen zwischen Iorek und Lee Scoresby, der einen der besten Sprüche der bisherigen Serie platzieren darf: "Some look good naked, you do not!" Iorek ist aber betrunken (obwohl man es ihm nicht wirklich anmerkt) und das Treffen der Freunde hat ein baldiges Ende. Deprimierte Eisbären schlagen definitiv aufs Gemüt. Am nächsten Morgen versucht Lee, dem Sysselman auf den Zahn zu fühlen, indem er sich als eine Art Bärenanwalt ausgibt, was freilich nicht funktioniert (Und genau in diesem Moment ist mir wieder eingefallen, wer der Schauspieler ist: Es ist Dudley Dursley, der Cousin von Harry Potter!) Lee versucht Iorek freizuschwatzen, aber Dudley, äh, der Sysselman kuscht lieber vor dem Magisterium und droht mit einer Waffe. Wenn man vom Teufel spricht: Lord Boreal erpresst anderswo den Alethiometristen Fra Pavel dazu, ihm zu verraten, was Grumman entdeckt hat, denn er kennt Pavels dunkles Geheimnis (weil die Parallelen zur katholischen Kirche ohne Grüselfaktor offenbar nicht deutlich genug wären...).

Ein besseres Händchen für Iorek und seine Situation hat Lyra, die sich erst die Hilfe von Lee Scoresby erschwindelt (sowie auch seinen Speck) und dann mithilfe des Alethiometers herausfindet, wo sich Ioreks Rüstung befindet. Dieser stürmt gleich los und holt sich nicht nur seine geliebte Rüstung wieder, sondern erfüllt auch noch den Wunschtraum vieler Harry-Potter-Fans, indem er Dudley Dursley gehörig Dreck fressen lässt. Gut gebrüllt, Eisbär!

Während sich der neu bepanzerte Iorek und der gewiefte Lee Lyras Truppe anschliessen, stattet Mrs. Coulter in einer seltsam gestelzt wirkenden Szene Iofur Raknison, dem König der Eisbären, einen Besuch ab, um ihm die Kontrolle über den gefangenen Lord Asriel wieder abzuschwatzen. Sie verspricht Iofur, dass er als einziger Bär getauft werden und so zum Magisterium gehören würde. Mit der Vorstellung von religiösen Bären und dem Bild der Gyptians um Lyra, die in den Norden aufbrechen, schliesst die Folge.

Fazit

Langsam aber sicher erhärtet sich die Vermutung, dass His Dark Materials vielleicht zugänglicher wäre, wenn man die ganze Season aufs Mal schauen könnte. Denn auch Folge vier wartet mit vielen herzigen Details und einem ansehnlichen CGI-Eisbären auf, hinterlässt als Ganzes aber höchstens einen Naja-Eindruck. Zu wenig Action, zu wenig Vorwärtsspannung werden geboten. Einen positiven Eindruck hinterlassen die gleichermassen gewieften "Seelenverwandten" Lee und Lyra, die sich offenbar beide aus jeder noch so vertrackten Situation rauszulügen können.

Einen eher seltsamen Eindruck hinterlässt hingegen der kurze Auftritt von Iofur Raknison, der erst wie der Zauberer von Oz hinter den Kulissen verborgen bleibt und hinter der seltsamen, viel zu grossen Maske einen sonderbar kurzen Kopf zu haben scheint. Es sind auch solche Szenen, in denen Mrs. Coulter so offensichtlich intrigiert, dass ihre Figur unnötig überzeichnet wirkt, was umso mehr schade ist, weil Ruth Wilson in den ersten paar Folgen zu den Highlights der Serie gehörte.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, vielleicht kommt nächste Woche endlich etwas Spannung auf?

Zuschauer in der Schweiz können His Dark Materials jeweils sonntags um 21:00 (MEZ) auf BBC sehen sowie im Pay-TV (Sky Atlantic).

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Kommentare Total: 2

muri

Ich warte ja auch immer noch, bis die Serie richtig loslegen kann. Bisher, in den 4 Folgen, machte es den Eindruck, dass man die Figuren vorstellen und auf die jeweiligen Positionen setzen kann, damit dann mal gestartet werden kann. Nur dauert das jetzt schon etwas und auch wenn der Eisbär in Folge 4 recht gut aussah und die Spannung immer nur in klitzekleinen Schrittchen kommt, guck ich natürlich weiter. In der Hoffnung, dass jetzt dann endlich die Figuren von ihren Leinen gelassen werden.

holgersson

schön, findet die serie hier beachtung.

im gegensatz zu pps bin ich vollkommen anderer meinung: ich finde die serie bis jetzt etwas vom besten seit langem, das über die bildschirme gehuscht ist. endlich wird dieser stoff richtig angenommen und nicht in einen 2 stunden kinofilm gequetscht. man nimmt sich zeit für die figuren und der entwicklung. die ganze welt ist überzeugend und spannung habe ich bis jetzt überhaupt nicht vermisst. im gegenteil: überzeugende figuren, fantastische welt, genialer soundtrack, der eine wundervolle stimmung zaubert, eine story, die sich an die bücher hält, aber dennoch dramaturgisch wege geht, die für dieses format besser passt - alles in allem für mich ein serienhighlight und absolut zu empfehlen!

und zum glück werden nicht alle folgen auf einmal gezeigt, denn das würde meiner meinung nach die serie von einem wöchentlichen event zu einem "so, da habt ihr alles"-ereignis reduzieren... just, my 2 cents.

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