"My Zoe": Das Interview mit Regisseurin und Hauptdarstellerin Julie Delpy

In ihrem siebten Langspielfilm erzählt Delpy die Geschichte einer Mutter, welche um ihr Kind kämpft und dabei Grenzen überschreitet. Wir trafen Delpy anlässlich der Europapremiere in Zürich.

Julie Delpy in "My Zoe" © Warner Bros.

Julie Delpy! Eigentlich wurde schon fast alles über die französisch-amerikanische Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin geschrieben. Sie wirkte in ihrer Karriere in so legendären Filmen wie Trois couleurs: Blanc, Killing Zoe und natürlich der Before-Trilogie von Richard Linklater mit und drehte auch selbst äusserst erfolgreiche Filme.

In ihrem neusten Werk mit dem Titel My Zoe spielt Delpy nicht nur die Hauptrolle, sondern hat auch Regie geführt und zeichnet sich für das Drehbuch verantwortlich. Es geht in dem Film um die Mutter Isabelle, welche sich gerade von ihrer schrecklichen Ehe mit ihrem Mann James erholt. Die Erziehung ihrer Tochter Zoe muss sie sich nun mit ihrem Exmann aufteilen. Doch dann kommt es zu einer fürchterlichen Tragödie und Isabelle beginnt daraufhin Grenzen zu überschreiten. Aus Spoilergründen möchten wir nicht mehr verraten. Enthüllen tun wir jedoch, dass wir das Glück hatten, mit Julie Delpy anlässlich der Europapremiere von My Zoe am Zurich Film Festival zu sprechen.

Wie ist die Idee zum Film entstanden?
Ich habe ein paar Mal in meinem Leben miterlebt, wie Eltern ihre Kinder verloren haben. Man vergisst die Gesichter dieser Eltern nie. Als ich selbst ein Kind bekam, wurde mir dann der ganze Wahnsinn des Mutterseins bewusst. Es ist zwar lustig und spannend, aber es kommen auch viele Ängste dazu. Jede kleine Krankheit oder wenn sie nicht erreichbar sind, ist der Horror. Vor allem auch, da ich aufgrund des Sorgerechts in einer 50/50-Situation bin. (Anm. d. Red.: Delpy war bis 2013 mit dem Filmkomponisten Marc Streitenfeld liiert, mit dem sie seit Januar 2009 einen Sohn hat.)

Im Film streiten sich Elternteile jeweils recht heftig. So heftig hat man das noch selten auf einer Leinwand gesehen.
Mir war es sehr wichtig, dass diese Szenen real wirken. Man will natürlich schon zeigen, dass Menschen komplex sind, aber ich wollte auch zeigen, dass wenn Männer oder Frauen sich betrogen fühlen, sie echt grausam und mit ihren Worten gewalttätig sein können. Als ich mich mit meinem Sorgenrechtsstreit befassen musste, überstiegen meine Gefühle das, was man in einem realistischen Film zeigen könnte. Es war, als hätte man mir das Muttersein weggenommen. Mein Kind wurde mir weggenommen. Ich musste mich da selber wiederaufbauen. Aus diesem Grund habe ich auch einen "Fantasy-Film" gemacht, denn ein realistischer Film hätte nicht mal einen Zehntel meiner Gefühle zeigen können.

© Warner Bros.

Dass My Zoe ein "Fantasy-Film" ist oder in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft spielt, wird nie gesagt, aber mit leicht futuristischen Gadgets subtil darauf hingewiesen. Wie kam es zu der Idee, das so zu zeigen?
Bevor ich den Film drehte, redete ich in China mit Investoren über die Zukunft. Sie sagten mir, dass ich mir meine Wohnung vor 20 Jahren vorstellen und mich fragen soll, was sich im Gegensatz zu heute verändert hat. Da blieb eigentlich nur mein Telefon und mein Computer übrig. Wir haben keine fliegenden Autos. Ich wollte die Zukunft so darstellen, wie sie nicht mehr weit entfernt sein könnte.

Wie war es, nach The Countess und 2 Days in New York erneut mit Daniel Brühl zusammenzuarbeiten?
Daniel ist sehr lustig und schlau. Der Film ist generell eher düster, aber der Teil, in dem er auftritt, ist es nicht. Deshalb wollte ich ihn für das Projekt haben.

© Warner Bros.

Wie war es, erneut gleichzeitig Regisseurin und Hauptdarstellerin zu sein?
Es war unglaublich hart und ermüdend. Ich war am Ende physisch und psychisch völlig ausgelaugt. Ich habe gehofft, dass mich dieser Film mit seiner Thematik etwas von meinen Ängsten befreien könnte, doch es wurde nur schlimmer. Denn jetzt habe ich auch noch Wörter und Bilder zu meinen Ängsten hinzugefügt. Es ist ein echter Albtraum. (lacht)

Aber es gab am Set schon auch ein paar lockere Abschnitte, oder?
Es kommt immer darauf an, mit wem man gerade arbeitet. Richard Armitage bleibt auch zwischen den Takes gerne in seiner Figur drin. Daniel Brühl ist das komplette Gegenteil. Er reisst gerne Witze. Als Regisseurin musst du dich dann immer anpassen. Aber daran habe ich mich in all den Jahren gewöhnt, denn es ist im Grunde nichts anderes als Personal-Management.

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