Nach den Herbst-Festivals: Wie sieht das Oscar-Rennen aus?

Die Herbst-Festivals in Venedig, Telluride, Toronto und Zürich sind durch. Zeit, auf die Filme zu schauen, welche in diesem Jahr um den Oscar für den besten Film kämpfen - und welche nicht mehr.

Renée Zellweger in "Judy", Leonardo DiCaprio in "Once Upon a Time in Hollywood" und Joaquin Phoenix in "Joker" © Pathé Films, Sony Pictures, Warner Bros.

Auch im Kalenderjahr 2019 bereiste OutNow wieder die Welt, um sich an den Festivals in Berlin, Cannes, Venedig, Toronto und Zürich die potentiellen Oscar-Kandidaten anzuschauen - und natürlich auch viele andere Filme. Vor allem Venedig und Toronto haben sich in den letzten Jahren besonders hervorgetan, was spätere Oscar-Gewinner betrifft: So liefen Green Book und Moonlight in Toronto, Venedig hatte The Shape of Water und Spotlight. Auch in diesem Jahr könnte wieder ein Film, der an diesen Festivals gelaufen ist, den Academy Award für den besten Film nach Hause holen.

Wir schauen auf die verschiedenen Filme und nennen euch ihre Chancen auf eine Nomination für "Best Picture".

So gut wie sicher

- Once Upon a Time in Hollywood
- Le Mans '66
- Parasite
- Marriage Story
- The Irishman

Quentin Tarantino hat mit Once Upon a Time in Hollywood einen Film über die Traumindustrie gedreht. Das kommt bei der Academy immer gut an. Le Mans '66 ist das unterhaltsame Star-Vehikel, das gute Laune verbreitet. Den werden sich die Academy-Mitglieder zwischen Weihnachten und Neujahr eher anschauen als das zehnte Drama hintereinander.

Auch dem südkoreanischen Cannes-Gewinner Parasite werden grosse Chancen eingeräumt. Der Gewinn beim Preis für «Best International Feature Film» (so die neue Bezeichnung für den früheren "Best Foreign Language Film") gilt schon als sicher, doch das Werk von Bong Joon-ho scheint dermassen beliebt zu sein, dass es wahrscheinlich wie Hanekes Amour um den Hauptpreis kämpfen wird.

Und da wären noch die Netflix-Filme Marriage Story und The Irishman. Beide Streifen wurden frenetisch aufgenommen. Doch weil Netflix immer noch nicht nach den Regeln der Filmwelt spielen will, könnte sich dies als Nachteil bei der Verleihung erweisen. Eine Nomination sollte aber für beide Werke drinliegen.

Mit guten Chancen

- Joker
- The Farewell
- Jojo Rabbit

Bei Joker kommt den Awards-Spezialisten von Warner zugute, dass sie einen Film haben, der auch tatsächlich von vielen Leuten gesehen wurde. Nach nur einer Woche hat Todd Phillips' Psychodrama bereits mehr als 250 Millionen Dollar eingespielt, und die ganze (Film-)Welt scheint über das kontroverse Werk zu diskutieren. Die Verleihung der Academy Awards ist jeweils auch immer eine teuer produzierte Show, die auf gute Zuschauerzahlen angewiesen ist. Eine Nomination von Joker würde sicher helfen. Die Frage ist einfach, ob es für eine Nomination beim besten Film reicht oder man sich mit einer Auszeichnung für Joaquin Phoenix' Leistung zufriedengibt.

The Farewell ist derweil der Sundance-Darling von diesem Jahr, der momentan auf RottenTomaotes bei 99 Prozent steht. Doch irgendwie scheint niemand mehr in der Branche über den Film zu reden. Hier müsste das Studio A24 bald mal eine Reminder-Kampagne fahren. Taika Waititis Jojo Rabbit hat zwar den Publikumspreis in Toronto gewonnen (Green Book gewann den Preis im letzten Jahr), doch wurde er von den Kritkern nicht so gefeiert, wie sich dies das Filmteam erhofft hatte. Doch eine Nomination für eine Satire, die gegen Hass in den Krieg zieht, scheint genau die Message zu sein, welche die Academy in Richtung Trump und Co. schicken möchte. Von daher stehen die Chancen gut.

Mit eher kleinen Chancen

- Waves
- The Lighthouse
- Rocketman
- Knives Out
- A Beautiful Day in the Neighborhood
- Judy
- The Report
- Ad Astra

Alle obengenannten Filme wurden gut aufgenommen, doch spricht man kaum noch über sie. Das clevere Whodunit Knives Out ist wohl zu unterhaltsam für die Academy und wird wohl nur mit einer Nomination für das beste Skript abgespeist werden, und Judy ist vor allem ein Show-Case für Renée Zellweger. Rocketman hat derweil das Pech, ein halbes Jahr nach Bohemian Rhapsody in die Kinos gekommen zu sein. Obwohl der Film von Dexter Flechter besser als das Queen-Biopic war, wird vor allem über eine Nomination für Hauptdarsteller Taron Egerton gesprochen, während der Film fast etwas in Vergessenheit geriet.

Noch nicht veröffentlicht

- 1917
- Bombshell
- Little Women
- Dark Waters

Neue Filme von Sam Mendes, Greta Gerwig, Todd Haynes und ein Streifen mit Nicole Kidman, Charlize Theron und Margot Robbie über sexuelle Belästigung bei Fox News. Klingt alles nach Oscar-Material. Schauen wir mal - buchstäblich.

Leider nein

- Motherless Brooklyn
- Lucy in the Sky
- The Goldfinch

Dann gibt es jeweils auch jedes Jahr diese Filme, die sich auf dem Papier wie Oscar-Filme anhören, sich dann jedoch als komplette Nieten herausstellen. Eine solche möchte man Edward Nortons Passionsprojekt Motherless Brooklyn zwar nicht nennen, doch war die Reaktion in Toronto vor allem ein «ganz ok». Zu wenig für Oscar-Chancen. Beim Publikum und bei den Kritikern komplett durchgefallen sind hingegen die Bestseller-Adaption The Goldfinch und das Astronauten-Drama Lucy in the Sky. Diese beiden wird man wohl eher bei den Nominierten für die Goldene Himbeere wiederfinden.

Die 92. Oscarverleihung findet am 9. Februar 2020 statt. OutNow wird in den kommenden Monaten das Rennen genau beobachten und über die neusten Ereignisse berichten.

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