Das Venedig-Tagebuch 2019 - Die letzten Tage und die Gewinner

Gestern Abend wurden auf dem Lido im Rahmen des 76. Filmfestivals in Venedig die begehrten Preise vergeben. Nach ereignisreichen letzten Tagen berichtet die OutNow-Crew von den Gewinnern.

© outnow.ch

Während das halbe Team der OutNow-Crew bereits die Heimreise antrat und am TIFF die ersten Filme über die Leinwände flimmerten, durften in Venedig zwei OutNow-Kritiker noch den Schlussspurt in Angriff nehmen.

Dies stellte sich am Freitagmorgen etwas umständlicher heraus als an den vorherigen Tagen. Starker Regen machte sich breit über dem Lido. Für gli und yan, die ohne passende Kleidung angereist waren, wurde es nass. Anstatt mit dem traditionellen gemütlichen "Kaffee-und-Gipfeli-Zmorge" in der Sonne zu starten, versuchte man möglichst schnell von Wohnung zum Kinosaal zu gelangen. Ohne Schirm und Regenkleidung, auf einem Fahrrad ohne Schutzblech, war das aber noch unangenehmer als angenommen. Dreckig und nass von oben bis unten an der Vorführung von Waiting for the Barbarians angelangt, schaute man selber ein bisschen aus wie Barbaren. Das Dystopie-Drama mit Johnny Depp, Mark Rylance und Robert Pattinson spielt zwar in der Wüste, der heruntergekühlte Kinosaal in dem der Film lief, erinnerte aber mit durchnässten Hosen mehr an einen Kühlschrank. Trotz knapp zwei Stunden schlottern und frieren sah man einen sehr interessanten Film vom Kolumbianer Ciro Guerra. Mehr lest ihr in unserer Kritik.

Den anschliessenden Nachmittag beschäftige man sich mit dem Schreiben der letzten Kritiken, bevor sich gli ebenfalls auf den Nachhauseweg in die Schweiz machte. Für das letzte übrig gebliebenen Crew-Mitglied hiess es noch den Abschlussfilm The Burnt Orange Heresy abzuwarten. Die Neo-Noir-Thriller-Romanverfilmung vom Italiener Giuseppe Capotondi ist kein Meisterwerk, aber findet im durchzogenen etwas abwechslungsarmen Festivaljahrgang trotzdem einen Platz im oberen Mittelfeld.

Doch wer waren überhaupt die Lieblingsfilme der OutNow-Crew, und wen sieht man als Favoriten für den goldenen Löwen? Namen wie Joker, Marriage Story oder auch den wichtigen und von einer Frau gedrehten The Perfect Candidate wurden genannt. Da die Preise aber nicht von OutNow.CH, sondern von der Jury um Regisseurin Lucrecia Martel (Zama) verliehen werden, wollen wir euch nicht mehr lange auf die Folter spannen und die wichtigsten Gewinner bekannt geben.


Preise der Orrizonti-Jury:

Orrizonti: Bestes Drehbuch: Jessica Palud, Philippe Lioret, Diastème (Revenir)

Orrizonti: Bester Darsteller: Sami Bouajila (Bik Eneich: Un fils)

Orrizonti: Beste Darstellerin: Marta Nieto (Madre)

Orrizonti Spezialpreis Jury: Verdict (Raymund Ribay Gutierrez)

Orrizonti: Beste Regie: Théo Court (Blanco en Blanco)

Orrizonti: Bester Film: Atlantis (Valentyn Vasyanovych)

Preise der Hauptjury:

"M. Mastroianni Award" für Beste/r Nachwuchsschauspieler/in: Toby Wallace (Babyteeth)

Spezialpreis der Jury: La Mafia Non È Più Quella Di Una Volta (Franco Maresco)

Bestes Drehbuch: Yonfan (No.7 Cherry Lane)

Preis "Volpi" für besten Hauptdarsteller: Luca Marinelli (Martin Eden)

Preis "Volpi" für beste Hauptdarstellerin: Ariane Ascaride (Gloria Mundi)

Silberner Löwe für beste Regie: Roy Andersson (Om Det Oändliga)

Grosser Preis der Jury: J'accuse (Roman Polanski)

Goldener Löwe für den besten Film: Joker (Todd Philips)

Wow! Was für eine erfreuliche Nachricht: Todd Philips holt mit Joker den goldenen Löwen ab und setzt sich gegen die Konkurrenz durch. Man darf gespannt sein, wohin die Reise noch führen wird. Der "Oscar-Buzz" ist auf jeden Fall gewaltig. Netflix wurde dieses Jahr dafür komplett übergangen, und die Kritik am Festival wird mit der Auszeichnung an Roman Polanski nicht geringer werden. Alberto Barbera, der 2020 das letzte Mal als Festivalchef in Erscheinung treten wird, hat sich aber noch nie von negativen Stimmen einschüchtern lassen. Man darf jetzt schon gespannt sein, was die 77. Ausgabe mit sich bringen wird.

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