Das Venedig-Tagebuch von OutNow.CH - Tagebuch Tag 6 & 7: Vom Winde verweht, über Crème Brûlée belehrt und von Zombies erschreckt

In Venedig ist schon über die Hälfte des Festivals vorbei und wir dachten, wir seien mittlerweile gegen alle bösen Überraschungen gewappnet und für alles vorbereitet. Wir lagen falsch.

© OutNow.CH

Da die sogenannten "Torontini" - die Industry- und Pressevertreter, welche ans Toronto International Film Festival weiterfliegen - abgereist sind, sind die Schlangen vor den Kinosälen deutlich kürzer und die freien Sitzplätze in den Sälen deutlich mehr geworden. Und die Hitzewelle, welche übers Wochenende auf uns niederschlug, ist auch wieder abgezogen. Dafür machten wir nun Bekanntschaft mit einer wuchtartigen Windfront, die den Strand entlang und um die Häuser zieht. Frischer Wind also für die neue Festivalwoche!

Nachdem ich am Montagmorgen mit dem historischen Kriegsdrama The King bereits ein persönliches Highlight erleben durfte, stand unser kollektives Highlight abends an: das gemeinsame rituelle OutNow-Festivaldinner. Wir begaben uns also gegen halb acht mit Vorfreude ins nahe gelegene Strandrestaurant. Sympathisch war der Empfang, doch bereits der Gang auf die Terrasse verlief etwas kurios. In einer Reihe steuerten wir hinter dem Kellner her ganz nach links auf den schmalen Balkon, worauf er Kehrtwende machte und in die andere Richtung zeigte. Auf der anderen Seite des Balkons wurden wir schliesslich an einem Tisch mit Aussicht aufs Meer postiert. Prächtig!

Bei der Vorspeise wurden ma und ich erneut überrumpelt. Unsere Bruschetta hatte die Grösse einer Pizza! Und der Service wurde je länger der Abend dauerte und je mehr Gäste eintrafen, schlimmer und schlimmer. Als der Hauptgang an den Tisch gebracht wurde, stellte der Kellner swo statt den bestellten Spaghetti Bolognese ein anderes Gericht hin. Als wir ihn freundlich darauf hinwiesen, schaute er verdutzt aus der Wäsche und fragte, ob er "un'altra Bolognese" (immerhin eine erreichte ihr Ziel bereits...) bringen solle! Was für eine grandiose Frage! Natürlich sollt ihr eine weitere bringen und so zwar so schnell wie möglich! Wir haben uns hier eigentlich nicht zum gestaffelten Essen angemeldet. Mit der Getränke-Nachbestellung verlief es noch übler. Yan und ma warteten geschlagene 20 Minuten auf ihre Cola. Meinen Aperol bestellte ich dreimal, bis ich ihn erhielt. Den Höhepunkt erreichten wir mit der Bestellung des Desserts. Auf die Frage nach der Pannacotta hiess es zunächst, sie sei nicht mehr bestellbar, worauf sich der Kellner korrigierte: Crème brûlée è la stessa cosa come Pannacotta. Und die sei noch bestellbar. Aha! Haben wir wieder etwas gelernt! So verbrachten wir einen turbulenten, aber doch sehr angenehmen und witzigen Abend.

Am Folgetag widmete ich mich zunächst meiner Wäsche und durfte feststellen, dass die alljährlich ausgeteilten Biennaletaschen ideale kleine Wäschesäcke sind. Als ich mich daraufhin auf das Festivalgelände begab, begegnete ich einer Gruppe Zombies. Noch immer bin ich mir nicht ganz sicher, ob nur ich die sah oder ob sie tatsächlich vor Ort waren. Jedenfalls spricht das Foto für sich!

Am späten Nachmittag landete ich in der Galapremiere von The Painted Bird in Anwesenheit der Darsteller Stellan Skarsgard und Udo Kier. Wow, was für eine harte Kost! Der mit Abstand brutalste Film, den ich am Festival gesehen habe. Beim Publikum ist er dennoch sehr gut angekommen. Frenetischer Jubel und lange andauernder Applaus folgten im Anschluss an die Vorführung.

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