Das Venedig-Tagebuch von OutNow.CH - Tagebuch Tag 4 & 5: Verbrannt und abgetaucht

Obwohl das Festival bereits an den ersten Tagen merklich voller war als in früheren Jahren, zeigte sich erst an Tag 4 und 5 das volle Ausmass. Es war Wochenende und der Lido voll.

Joaquin Phoenix (links) und Todd Phillips (rechts) in Venedig © OutNow/swo

Dieses Jahr wird uns eine Extraportion Geduld abverlangt. Wer nicht rechtzeitig ansteht, droht Gefahr, nicht in die Vorführung zu kommen. Belohnt wird man dann aber, wenn man doch endlich im Kinosessel sitzt - und an Tag 4 erwartete uns ein absolutes Highlight: Joker! Nach diesem grossartigen Film war die Stimmung direkt besser. Beschwingt stellte ich mich mit den OutNow-Filmkritikern yan und gli in die nächste Warteschlange und wir brutzelten in der Mittagssonne um die Wette; dieses Mal für American Skin. Dass der zweite Film von Nate Parker überhaupt in Venedig gezeigt wird, wurde bereits im Vorfeld stark diskutiert. Wie der Film ist, konnten wir aber nicht in Erfahrung bringen, denn die Schlange war zu lang und der Saal zu klein. (Spoiler: yan gelang es, an Tag 5 doch noch in ein Screening zu kommen - inklusive Q&A mit Spike Lee und Nate Parker).

Anstatt also im Saal zu sitzen, gönnte ich mir eine kurze Pause. Bei einem Rundgang um das Casino, kam ich an demjenigen Steg an, über den die Stars nach der Pressekonferenz ihr Bötchen besteigen und davontuckern. Doch bevor die Stars aus dem Gebäude kamen, wurde heute erst einmal sichergestellt, dass wirklich kein Risiko besteht. Ein Polizist fuhr auf einem Jetski den Kanal ab und ein Polizeitaucher nahm den Steg mal von unten her genau unter die Lupe. Klar, safety first! Sobald der Steg gesichert war, huschten auch schon Todd Phillips und Joaquin Phoenix aus dem Gebäude. Gut gelaunt, aber in Eile - auf zu weiteren Presseterminen und der späteren Gala-Premiere im Sala Grande.

Danach ging es in Wasp Network, dem neuen Streifen mit Penélope Cruz rund um ein kubanisches Spionagenetzwerk. Ich wusste vor dem Film nicht so richtig, worum es ging, denn ich lasse mich auf Festivals gerne überraschen. Dumm nur, dass ich auch nach dem Schauen nicht recht wusste, worum es ging. Nun gut, ganz so schlimm war es wohl nicht. Aber der Film war leider so unglücklich aufgebaut, dass er mehr Verwirrung stiftete als aufzuklären.

Mehr erwarten konnte ich dafür am nächsten Morgen von The Laundromat. Steven Soderbergh, Meryl Streep und Gary Oldman - da kann nicht viel schiefgehen, oder? Streep trumpft wie erwartet auf, aber der Film über den Panama Papers-Skandal ist - trotz einiger Highlights - ein wenig durchwachsen.

Auch vor dem Saal für die Pressekonferenzen bildeten sich in den letzten beiden Tagen immer früher längere Warteschlangen. Diesmal beschloss ich, mich ebenfalls einzureihen, denn das Line-Up war vielversprechend. Jude Law und John Malkovich (The New Pope), Penélope Cruz, Edgar Ramirez und Wanger Moura (Wasp Network) sowie Meryl, Gary und Steven plauderten gutgelaunt mit den Journalisten über ihre Serien und Filme.

Abends ging es schliesslich in 45 Seconds of Laughter - eine Doku von Schauspieler Tim Robbins. Der leitet ein Theaterprojekt in amerikanischen Gefängnissen und begleitete dies mit der Kamera. Die Häftlinge lernen dabei, sich zu öffnen und mehr Verständnis füreinander zu entwickeln. Zwischenzeitig zwar sehr charmant wirkte die Doku aber auch wie ein überlanges Werbevideo für das Projekt.

Als ich mich nach der Robbins-Doku und mit dem Einbruch der Dunkelheit auf den Weg nach Hause machte, gab es noch eine schöne Überraschung. Unser Weg vom Casino zur Wohnung führt direkt am roten Teppich vorbei, worüber just in dem Moment Penélope Cruz flanierte, fleissig Autogramme verteilte und für Fotos posierte. So fanden zwei anstrengende aber sehr abwechslungsreiche Tage den perfekten Ausklang.

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