Das Venedig-Tagebuch von OutNow.CH - Tage 2 und 3: Doppelt gemoppelt

Es braucht immer eine gewisse Anlaufzeit, doch die OutNow-Crew ist nun definitiv am Filmfestival Venedig angekommen. Wie sich das anfühlt, könnt ihr in unserem zweiten Tagebucheintrag nachlesen.

Die Sonne geht über dem Lido auf. Uns egal, wir gehen ins Kino! © OutNow.CH

Nachdem Kollege yan am ersten Tag vom Schreckmoment der scharfen Polizeikontrolle berichtete, lief die nächsten zwei Tage eigentlich alles wie am Schnürchen. Nur die Techniker von der Pala Biennale hatten kurz noch Probleme. Im extra für die Zeit des Festival aufgebauten Kino gibt es jeden Morgen ein Doppelpack von Pressevorführungen. Mit unglaublichen 1760 Sitzplätzen findet man hier eigentlich fast immer einen Platz. Die Vorstellungen finden zwar immer einen Tag nach der grossen Galapremiere statt, doch dafür gibt es gleich zwei Filme zu sehen, ohne dass man dazwischen den Saal verlassen muss.

Pelikanblut hatte ich in meinem Programm einfach mal so angekreuzt. Mein Festivalprozess funktioniert oft nach dem Zufallsprinzip, da bei zu vielen Filmen nur spärliche Infos vorliegen. Beim Start des Filmes wurde dann das Bild gerade zweimal zeitverzögert projiziert. Vielleicht hat man im Filmvorführungskabäuschen den Begriff "Double Feature" nicht ganz verstanden? Nach wenigen Minuten wurde der Fehler aber behoben und wir waren erstaunt, dass mit Pelikanblut doch noch ein verkappter Horrorfilm ins Festival-Line-Up aufgenommen worden war.

Gleich im Anschluss konnten zwei von uns den Eröffnungsfilm La Vérité nachholen. Die Spannung war gross, was uns Shoplifters-Regisseur Hirokazu Koreeda da auftischen würde. Schon kurz nach Beginn war klar, dass dies nichts für mich sein würde. Unsympathischen Figuren beim Labern zuzusehen, sorgte dann für den ersten Downer des noch jungen Festivals.

Am Nachmittag gab's dann in der Sektion Orrizonti einen philippinischen Film zu sehen. Minutiös behandelte er einen Gerichtsfall und zeigte dabei die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft und die Überforderung der Gerichte auf. Die dokumentarische Inszenierung wusste zu gefallen, auch wenn sich beim dritten Film auch schon die erste Müdigkeit breit machte. Nach der erfolglosen Nahrungssuche (vor 19h gibt es nur Pizza, da die Restaurantküchen noch nicht geöffnet sind) endete der Tag mit dem italienischen Wettbewerbsfilm Il sindaco del Rione Sanità. Mehr Fernsehspiel als Kinofilm, konnte mich dieser Film nicht abholen und so gab es dann zum Trost gleich zwei Kugeln Gelato.

Am Freitag wurde dann spätestens klar, dass so viele Akkreditierte auf dem Lido zu sein scheinen wie noch nie zuvor. Zwar konnten wir uns am Morgen ohne Probleme den genialen Marriage Story von Noah Baumbach und den enttäuschenden Ad Astra von James Gray ansehen, doch das Gedränge war deutlich spürbar. Der Netflix-Film mit Scarlett Johansson war mein bisheriges Highlight des Festivals. Mit Tränen in den Augen sass ich da, als der Abspann lief. Traurig eigentlich auch die Tatsache, dass Streamingriese Netflix das zweite Jahr in Folge mit derart tollem Material aufwartet, während Fox mit einem langweiligen Space-Drama enttäuscht. Zuschauer werden es aber trotzdem einfacher haben, den letzteren auf den schweizerischen Kinoleinwänden zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass der Erfolg von Roma einen Kinorelease von Marriage Story ermutigt.

Die grosse Besuchermasse machte sich dann am Abend noch einmal bemerkbar, als ich gerade noch mit Glück in den Saal kam, um der Uraufführung von Pablo Larraíns Ema beizuwohnen. Jackie wurde damals auch in Venedig gezeigt, und so waren wohl noch ein paar Journalisten gespannt auf sein Nachfolgewerk. Gelohnt hat sich dies nicht wirklich, da der Film insgesamt nicht mit tosendem Applaus aufgenommen wurde. Netflix gewinnt den Tag und wahrscheinlich das Festival. Ich will aber nicht zu voreilig sein, da bereits morgen Joker auf dem Programm steht und auch sonst noch viele spannende Filme laufen werden. OutNow wird natürlich weiter für euch dabei sein.

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