"Game of Thrones" Season 8: Recap Episode 6 - "The Iron Throne"

Das ist sie also, die allerletzte Folge "Game of Thrones". EVER. Ein unglaubliches globales Medien-Phänomen geht zu Ende. Kann das Serienfinale die extrem hohen Erwartungen erfüllen?

Mhysa? © HBO

Der Nicht-Buch-Kenner

Finito Spaghetti. Winter is gone. Die allerallerallerallerletzte Game of Thrones-Folge ist vorbei. Ich sags mal so: Den Umständen entsprechend ist die Folge ganz gut gelungen, wie ich finde. Ganz im Stile dieser letzten Staffel ist alles furchtbar gehetzt - und das, obwohl in der ersten halben Stunde rein gar nichts passiert. Quasi wieder classic Game of Thrones! Aber man fragt sich dann schon irgendwann: Wie wollen sie jetzt hier noch alles abrunden, in dieser letzten Dreiviertelstunde?

Wieder bezeichnend für diese Staffel: Die Storybeats stimmen. Es passiert einiges, dass sich zwar richtig anfühlt, aber irgendwie dennoch kalt lässt. Dass Jon Danys Tyrannei beenden wird, hat man kommen sehen. Die Szene war gut umgesetzt, aber sie sollte einen emotionalen Punch sondergleichen bieten. Nicht aus Überraschung, sondern aus reinem Mitgefühl. Doch dieses Gefühl blieb aus. Es liess kalt. Danach brutzelt Drogon den eisernen Thron nieder. Da stellt sich die Frage, ob der Drache tatsächlich gecheckt hat, dass der Thron Daenerys umgebracht und Jon das Richtige getan hat. Jammerschade, dass man sich alles dazwischen Geschehene selber zusammenreimen muss. Auch Tyrions Abschied von seiner Familie hätte mehr Punch verdient.

Danach folgt doch tatsächlich quasi die Einführung der Demokratie. Zwar ists noch keine Stellvertreter-Demokratie, aber immerhin. Übrigens war dieser Zeitsprung zwischen Danys Tod und dem Westeros Assemble irgendwie nur durch Tyrions Bartlänge kommuniziert worden. Immerhin kann der Imp nochmal zeigen, dass er ein toller Redner ist (obwohl Grauwurst ihm ja eigentlich den Mund verboten hat...). Und gewählt ist: Bran the Broken! Warum der Arme noch so einen Übernamen erhalten muss, weiss man auch nicht. Dafür kontert er mit "Was meinst du, warum hier runtergekommen bin?", ein ziemlicher Drop-The-Mic-Moment.

Was folgt, ist ein erstaunlich sanftes und unaufgeregtes Verabschieden. Der neue Ständerat von Westeros diskutiert über Bordelle und Schiffe - wie früher. Herrlich, dass Bronn of the Blackwater nun Master of Coin ist! Tyrion hat sein Versprechen gehalten und ihm Highgarden vermacht. A Lannister always pa... jaja, ihr wisst schon. Und dann gehts um die letzten Starks. Sansa ist jetzt eine richtige Königin, mit Krone und Holzthron und so. Arya reist nach Westen, denn niemand weiss, was im Westen von Westeros liegt. Bran hätte ja kurz rüberraben können, aber das wäre ja biz unfair gewesen. Und Jon? Ach stimmt, den gabs ja auch noch! Nach seinem Verrat an seiner Königin (wie er ja nicht oft genug betonen konnte) wird er an die Nights Watch abgegeben - wie früher. Theoretisch wäre er nun der 1000. Lord Commander. Doch er schliesst sich Tormund an und wandert mit den Wildlingen gen Norden - wie früher. Ein schönes Echo, dass die Serie da endet, wo sie begonnen hat: in einem winterlichen Nordwald. Aber halt aufgeräumt.

Obwohl diese letzte Folge eine kleine Versöhnungsrunde war, hinterlässt Staffel 8 einen bitteren Nachgeschmack. Es gibt soviel zu mögen. Das Produktionsdesign, die Special Effects, das Spektakel, die Schauspieler, die Musik... Alles hat wunderbar gepasst. Doch nach und nach verlor ich die emotionale Bindung zu den Figuren, die ich über so lange Zeit lieben und hassen gelernt habe. Ist Game of Thrones darum eine schlechte Serie? Keineswegs. Das Tolle überwiegt nach wie vor. Es ist einfach ein Ende, das kalt lässt. Vielleicht endets darum im hohen Norden...

Die Buch-Kennerin

Nach der letzten Folge, in der Dany zur grausamen Eroberin und Massenmörderin mutiert ist, hätte ich es nicht mehr für möglich gehalten, aber die letzte Folge von Game of Thrones ist tatsächlich... viel besser als erwartet? Die epische Geschichte findet ein unspektakuläres Ende, das keineswegs so herauskommt, wie man sich das erhofft hätte, aber irgendwie ist es doch zufriedenstellend. Wie der Schöpfer der Buchreihe, George R. R. Martin, schon vor vielen (vielen, vielen!) Jahren angedeutet hat, ist das Ende "bittersweet", auch weil sich das Ende dem vielleicht erwarteten Happy End völlig versperrt.

Hätte man das besser machen können? Natürlich. Diese achte Staffel rast durch die Story und stopft Charakterentwicklung in drei Folgen, die eigentlich mehrerer Jahre an Erzählzeit bedurft hätten. Dabei hätte man Danys allmählichen moralischen Abstieg sagenhaft gut inszenieren können, und Emilia Clarke hätte das bestimmt auch schauspielerisch toll umsetzen können. Auch ziemlich unverständlich ist Jons seltsame Hinwendung zum reinen Ja-Sagertum. Gut, das hatte sich schon lange vorher angekündigt, doch war zu hoffen, dass er spätestens nach Danys Zerstörung von King's Landing anderer Meinung wäre. Aber nein, der einstige King in the North braucht erst die Flüsterstimme von Tyrion, um das einzig Richtige zu tun. Man hat das Gefühl, dass diese letzten paar Folgen viel an jahrelang aufgebautem Goodwill und Charakterarbeit einfach wegwerfen. Jon und Dany - und irgendwie auch alles Magische in dieser Welt - sind Opfer einer überhastet erzählten letzten Staffel, die noch ein paar Folgen und wahrscheinlich auch ein, zwei kompetentere Drehbuchautoren verdient hätte.

Auch sonst bleiben am Ende viele Fragen offen: Wie kommt es, dass noch so viele Dothraki und Unsullied am Leben sind? (War die Armee des Night King etwa am Ende gar nicht so gross wie behauptet?) Was macht Drogon mit dem Thron? Klar, der war hässlich und unbequem, aber wieso den Stuhl verkokeln, wenn daneben ein echter Mörder steht? Gibt es am Ende keine Magie mehr in Westeros? Wie realistisch ist es, dass sich der Norden am Ende vom Königreich lossagt (Noxit?), das mindestens so unabhängige Dorne oder die Iron Islands aber nicht? Und ist es wirklich so schlau, ausgerechnet Bran zum neuen König zu machen - Bran, der als Warg die Körper von anderen Menschen übernehmen kann und somit potenziell jeden kontrollieren kann? Really?!

Natürlich gab es auch wirklich cooles in dieser Abschlussfolge. Rein visuell war es natürlich diese eine Einstellung, die wohl jeden fast vom Hocker gerissen hat, als Drogon hinter Dany seine Flügel ausbreitet und es aussieht, als habe sie selbst riesige Drachenschwingen. Grossartig!

Schön ist auch die Aussicht, dass am Ende eben nicht mehr zählt, wer aus welcher Blutlinie stammt, sondern dass allein der Beste (oder zumindest derjenige mit den besten Connections) das Land regieren darf. Man darf sich ja ein bisschen Moderne auch in seiner Pseudo-Mittelalterwelt gönnen. (Deshalb auch die versteckte Wasserflasche!)

Richtig cool fand ich ja den Ausblick auf das weitere Leben der beiden Starks, die am Ende keine Krone tragen: Arya lässt sich tatsächlich nicht in das Korsett eines höfischen Lebens quetschen, sondern geht auf grosse Abenteuerfahrt ins Unbekannte - where the maps stops. Schön, hast du dir verdient! Valar morghulis, little Stark pup! Highlight der Folge war aber ohne Frage das Wiedersehen von Jon und Ghost. Und man hat sich sogar effektemässig darum bemüht, dass sie sich berühren! Das war alles, was ich wollte! Alles sei dir verziehen, Show!!! Überhaupt: Diese Ende von Jon, als er mit den Wildlingen hinter die Mauer reist - ist diese Abschlussszene so zu verstehen, dass er jetzt wie Mance Rayder King beyond the wall ist und sich ganz den Wildlingen anschliesst? Es wäre ein absolut stimmiges Ende, hat sich Jon - zumindest in den Büchern - doch längst in das freie Leben am Ende der Welt verliebt, was die Serie leider nie so ganz einfangen konnte.

Als Buchleserin stellt sich mir natürlich die Frage: Glaube ich, dass die letzten zwei Bücher - sollten sie wirklich mal noch rauskommen - so enden werden? Nein, natürlich nicht. Wahrscheinlich werden die groben Positionen am Schluss so besetzt werden, aber es gibt zu viele Mitspieler in diesem Spiel um den Thron, die in der Serie völlig umgekrempelt oder sogar ganz weggelassen wurden. Wer weiss, vielleicht hat George R. R. Martin den Serienmachern sogar einen völligen Blödsinn angegeben und die Bücher enden doch im Happy End? Man wird ja noch träumen dürfen ...

Übrigens: Wer immer noch nicht genug von unserer Game-of-Thrones-Berichterstattung hat, kriegt bald noch eins auf die Ohren: In einer Spezialausgabe des Outcast nehmen wir die gesamte Staffel und den Abschluss der Serie genauer unter die Lupe.

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