Das Cannes-Tagebuch von OutNow.CH - Tag 5 bis 7: Begossener Pudel

Cannes wäre nicht Cannes ohne seine Warteschlangen! Das ist auch heuer nicht anders. Wir machten unterschiedliche Erfahrungen und lernten, dass 90 Minuten manchmal zu viel, manchmal zu wenig sind.

In der Suburbia! © OutNow

Wir entschuldigen uns an dieser Stelle bei unseren treuen Lesern für die Sendepause, die aber nicht untypisch ist für die Tage um die Mitte des Festivals. Die Filmmenge nimmt zu und damit auch die Menge an noch ausstehenden Reviews, so dass das Tagebuch oft auf der Strecke bleibt; zumal meist auch wenig tagebuchrelevanten Erlebnisse zu verzeichnen sind, da wir ja nichts anderes machen als Filme schauen, und um uns darüber auszulassen, gibt's ja die Reviews.

Wie auch immer. Nach einem ziemlich smoothen Festivalstart ohne nervenaufreibende Warteschlangen gilt's nun langsam ernst: Morgen steht Quentin Tarantino auf dem Programm. Um uns ein wenig aufzuwärmen, haben wir gestern die erste Ansteh-Testrunde durchgegeben. Begonnen hat es mit A Hidden Life, dem neuen Film von Terrence Malick, für den wir uns gewissenhaft 90 Minuten vor Filmstart in der Warteschlange der Salle Debusssy eingereiht haben. Um uns die Zeit zu vertreiben, haben wir dort übrigens auch einen Spezial-OutCast aufgenommen, der euren Ohren bald zur Verfügung stehen wird.

Das Bibbern um Malick war aber völlig grundlos: Wir sind nicht nur easy reingekommen, der Kinosaal war auch nicht voll gefüllt - selten haben wir die Pressevorführung schlechter besucht erlebt. Woran das liegt, daran zerbrechen wir uns die Köpfe. Möglicherweise lag es an der gleichzeitig stattfindenden Pressekonferenz für Les plus belles années d'une vie (Fortsetzung des Klassikers Un homme et une femme) und dem gleichzeitig stattfindenden Screening von Gaspar Noés Lux Aeterna, den wir am Abend zuvor gemeinsam mit dem Regisseur und Charlotte Gainsbourg in der Mitternachts-Weltpremiere erleben durften.

Vielleicht lags aber auch am unmittelbar an die Pressevorführung stattfindenden Screening von Portrait de la jeune fille en feu von Célie Sciamma, der sich übrigens als ein valabler Palmen-Kandidat herauskristallisiert hat. Unser ambitionierter Plan war, von Malick gleich zu Sciamma zu rennen - 15 Minuten lagen dazwischen - und so den Fünfer und das Weggli einzuheimsen. Leider ging der Plan nicht auf. Zum ersten Mal an diesem Festival (ausser bei der früher beschriebenen, selbstverschuldeten Panne an der Semaine de la Critique) wurden wir vor den Türen des Screenings abgewiesen: Tout complèt!

Und es kam noch dicker: Beim Abendscreening des heiss erwarteten The Lighthouse von Dave Eggers - andere aus der Delegation haben diesen wohlweislich schon am frühen Morgen geschaut - gab's nach knapp 90 Minuten Im-strömenden-Regen-Stehen gerade noch einmal ein "Leider nein!". Offenbar haben noch ein paar andere Filmfans mitbekommen, dass der Film klasse ist. Da steht man nun im wortwörtlichen Sinn da wie ein begossener Pudel - was für ein Frust!

So hiess es denn am Folgetag auf zur Ehrenrunde: in die Suburbia von Cannes, genauer das "Thêatre Alexandre III", wo die Filme nochmals für die normalen Leute gezeigt werden. Angesichts der traumatischen Erfahrungen war man wiederum 90 Minuten vor Kinostart vor Ort - und diesmal der einzige Journalist weit und breit. In Ermangelung einer "Press Line" durfte der wackere Outnower direkt vor dem Theatereingang campieren - und genau hier entstehen jetzt auch diese Zeilen.

Morgen gilt's dann ernst: To be or not to be, so die Devise. Oder besser: To Tarantino or not to Tarantino. Wir halten euch auf dem Laufenden.

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