Das Cannes-Tagebuch von OutNow.CH - Tag 3: Anfängerfehler

Manchmal unterlaufen auch den Routiniers Flüchtigkeitsfehler. Aus eigenem Verschulden gab's heute eine spontane Programmänderung. Und wir sahen eine historische Premiere im Wettbewerb.

Hier geschah das Unfassbare. Der tollpatschige Outnower wählte den mittleren anstatt des rechten Weges. © OutNow

Ausschlafen! Schönes Wetter! Die Voraussetzungen für einen gelungenen Festivaltag waren heute gegeben. Ein übler Anfängerfehler hat die Freude aber ein wenig getrübt. Es geschah in der Nebensektion Semaine de la Critique bei einer scheinbar easy Aufgabe. Aber man merke: Auch wenn die Bahn frei scheint, kann doch immer noch etwas in letzter Sekunde dazwischenkommen.

So ist der Journalist heute nichts Böses ahnend mit einer sicheren Reserve von rund 30 Minuten und ohne jegliche Warteschlange in Richtung Screening von A White White Day spaziert, wurde aber kurz vor Einlass aufgehalten. Er möge bitte kurz warten. Kein Problem, machen wir gerne. Haben ja noch schliesslich 30 Minuten. Dass er dabei in der "falschen" Reihe war, nämlich derjenigen für die Market-Badges, schien nicht zu tragisch, es war ja eh niemand da, und soo spitzfindig werden sie doch hoffentlich nicht mal in Cannes sein. Relax.

Aus dem "kurzen Warten" wurden dann allerdings fünf, zehn, fünfzehn, zwanzig Minuten, denn es stellte sich heraus, dass der Saal schon sehr gut gefüllt war. Währenddessen füllte sich auch die "richtige" Journalistenschlange nebenan langsam wieder mit Wartenden - die dann schliesslich, als die Security-Guys wieder das "Go" gaben, am Outnower vorbeizogen und diesem die letzten Plätze vor der Nase weggeschnappt haben. Aargh!

Immerhin startete nebenan in der Quinzaine des réalisateurs 15 Minuten später das Alternativprogramm: Blow it to bits, ein Film, der nicht auf dem Programm stand, eigentlich. Aber hey, wenn ich schon da bin, will ich auch einen Film schauen, auch wenn ich keine Ahnung habe, was mich erwartet. Es entpuppte sich dann als Dokumentarfilm über den Protest französischer Fabrikarbeiter. Nun ja. Nicht gerade der Stoff für gute Laune. Aber Gute-Laune-Filme sind in Cannes sowieso eher die Ausnahme. Dies zeigte auch der zweite Film des Tages, Atlantique von Mati Diop. Dieser kommt immerhin mit dem Prädikat, der erste Wettbewerbsfilm zu sein, der von einer dunkelhäutigen Frau inszeniert worden ist. Im Jahr 2019. Weiterer Kommentar überflüssig. Review folgt!

Für den leidgeprüften OutNower gab's am Abend übrigens ein kleines Happy-End: Im Abendscreening - diesmal an der richtigen Schlange - kam er völlig problemlos rein in den Film, den er am Morgen verpasst hat. Und es war leider, soviel sei schon verraten, ein ziemlicher Reinfall.

Teilen
Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen
Datum
Autor
Quelle
OutNow
Mehr
Die offizielle Website