Das Cannes-Tagebuch von OutNow.CH - Tag 2: Weder Lady Di noch Lady Gaga

Der erste "ganze" Festivaltag war gezeichnet von einem Missverständnis. Und von der Erkenntnis, dass zwar vieles gleich, aber einiges auch ein bisschen anders ist in diesem Jahr.

Kein roter Teppich für uns - aber die Eröffnungszeremonie durften wir trotzdem schauen. © Mathilde Petit / FDC

Ankommen in Cannes heisst auch: Abchecken, ob alles noch am gewohnten Ort ist. Und Kenntnis nehmen von den Neuerungen. So ist unser Lieblings-Pasta-Zmittag-Laden zwar immer noch an derselben Stelle zu finden, allerdings unter neuem Namen und mit neuem digitalen Bestellkonzept. Nur essen muss man immer noch selbst. Auf der anderen Seite der Verdauungsskala gibt es von den WCs im Palais Erfreuliches zu berichten. So ist zumindest das stille Örtchen unseres Vertrauens - dasjenige in der Nähe unserer Lieblingsspielstätte Salle Bazin - dieses Jahr rundumerneuert worden. Und dann gibt's schliesslich eine neue Journalistenlounge, die sich von der letztjährigen allerdings hauptsächlich dadurch unterscheidet, dass sie einen Stock tiefer platziert worden ist.

Und die Filme? Die ersten beiden - sehr unterschiedlichen - Wettbewerbsfilme, die wir sehen durfen, sind der Eröffnungsfilm The Dead Don't Die von Jim Jarmusch sowie der Banlieue-Cop-Film Les Misérables von Ladj Ly. Letzterer ist gerade in doppelter Hinsicht eine potenzielle Quelle für Misverständnisse. So könnte man ihn fälschlicherweise für eine Neuauflage des Victor-Hugo-Musicals halten - letztmals verfilmt 2012 mit Hugh Jackman -, doch ist der Titel nur eine Anspielung darauf. Und die Person hinter der Kamera ist nicht etwa eine hippe Videoartistin mit einem sexy Künstlernamen à la Lady Gaga, sondern ein Mann, und "Ladj" (mit j, nicht y!) ist einfach dessen Vorname. Was wir von den beiden Filmen halten, werdet ihr in Kürze in unseren Reviews lesen.

Reingekommen sind wir jedenfalls in beide Filme easy. Bei Jarmusch konnten wir uns sogar vor dem Film den Luxus leisten, gemütlich Znacht essen zu gehen und einige Minuten vor Filmstart in den Saal zu spazieren. Dort startete dann freilich nicht etwa der Film, sondern die Eröffnungszeremonie vom Saal nebenan, der beizuwohnen wir Kritiker von der Festivalorganisation freundlich genötigt wurden. Auf eine Besprechung dieser Zeremonie müssen wir an dieser Stelle leider verzichten, da unser Schulfranzösisch für 90 Prozent der schnell gesprochenen Pointen von Moderator Edouard Baer leider nicht ausreichte. Tant pis!

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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