"Game of Thrones" Season 8: Recap Episode 5 - "The Bells"

In der zweitletzten Folge der epischen Fantasy-Serie geht es besonders heiss her. Es ist der Kampf der Königinnen: Danaerys vs. Cersei! Im Kampf um King's Landing muss so mancher sein Leben lassen.

Call me crazy one more time...! © HBO

Der Nicht-Buch-Kenner

Alle sind verruckt. Dany ist verruckt auf die Welt. Jon ist verruckt auf Dany (hoffentlich). Der Hound ist verruckt auf seinen Brüetsch. Die Fans sind verruckt auf die Show. Ausser der nna, dem hat's ganz gut gefallen. Liegt's vielleicht dran, dass auch ich diese letzte Staffel schwach finde und meine Erwartungen ganz runtergeschraubt habe? Gut möglich. Warum D & D (d.h. die Showrunner David Benioff und D. B. Weiss) umsverwurgen nur sechs Folgen machen wollten, bleibt ein Rätsel. Denn viele der Ideen, die sie hatten, gefallen. Die beiden hatten ja schon früh die wichtigsten Storybeats und den Abschluss von George R. R. Martin gesteckt gekriegt. Ich bin übrigens der Überzeugung, das R. R. für RailRoad steht, da der Herr Martin wie ein alter Lokiführer aussieht. Und ich weigere mich, herauszufinden, wofür es wirklich steht! Anyway.

Game of Thrones hat sich ja lange damit geschmückt, total unberechenbar zu sein. Dieses Attribut hat die Serie Staffel für Staffel verloren. Die Plotarmor der Figuren mit grossen Namen wurde immer dicker, der Ablauf vorhersehbarer. Und wenn die Show uns dann einen Curveball wirft, ist's in der Regel unverdient, so zumindest in Staffel 8. Ich reg mich immer noch über das abrupte Ableben des Night Kings auf. Da wird Staffel über Staffel ständig vom ewigen Winter und der Finsternis gewarnt und wenn dann Weihnachtsmann & Co. KG in Winterfell eintrudeln, ist dann ratzfatz alles in einer (zugegebenermassen stark inszenierten) Folge gelöst. So auch in Folge 5 geschehen.

Daenerys und ihre Armee fallen in King's Landing ein, beide Parteien fühlen sich siegessicher. In Staffel 7 wurde die Golden Company noch gross angekündigt, mit Elefanten und allem. Die kamen ja dann nicht, weil nicht seetauglich (haben sie früh gemerkt, momoll). Und jetzt stehen sie vor den Toren und werden von Drogon niedergebrannt. Allerdings sieht man Dany zum ersten Mal einigermassen klug agieren in einer Schlacht. Sie nutzt Gegenlicht und die Geschwindigkeit ihres Drachens! Die Ballistas sind auch schnell futsch, die Lannister-Armee ist bald geschlagen. Doch dann der crazy Twist: Drogon hebt ab und beginnt, ganz King's Landing zu zerstören - inkl. dem uneinnehmbaren Red Keep. Ganz im Sinne von Danys Vater: BURN THEM ALL! Diese Charakterentwicklung war vorherzusehen, Anzeichen ihres Wahnsinns wurden ständig eingestreut. Das Problem? Es passiert zu rassig. Klar, ihr Geliebter hat sie hintergangen und ihre Chancen auf den Iron Throne sind im Wettbüro drastisch gesunken. Aber hätte man da nicht noch ein bisschen ausarbeiten können? Bei zehn Episoden vielleicht, nicht bei sechs.

Zugegeben, wie bereits Episode 3 ist die fünfte ebenfalls sackstark inszeniert. Miguel Sapochnik hat sich als Mann für die lauten Folgen bewiesen. Wie King's Landing in Schutt und Asche gelegt wird, wird schön aus der Sicht des Fussvolks wie auch aus der Distanz gezeigt. Und wenn das Red Keep in sich zusammenbricht, hatte ich schon ein bisschen Freude. Ausserdem war wohl noch keine Thrones-Folge derart blutig und gory. Einmal mehr gelobt sei zudem Ramin Djawadi, der Komponist. Die Wiederverwendung des tollen "The Light of the Seven"-Themas gelang besonders.

Und Fanservice gabs auch noch: Cleganebowl! Häts den gebraucht? Hiaanein. Fand ich's toll. Yes! Auch wie's ausging, dass die beiden Brüder, die sich im Feuer zerstritten, streitend ins Feuer stürzen, war ein stimmiger Abschluss.

Apropos Abschluss. Zum ersten Mal seit langem haben Leute mit Namen ihr Leben gelassen! Varys wurde verbrannt, ziemlich unspektakulär. Die erwähnte Cleganes verbrannten ebenfalls, aber spektakulärer. Einen enttäuschenden Abgang machten jedoch Cersei und Jaime. Während letzterer zuerst noch Euron Greyjoy ausstach, wurden die beiden bei lebendigem Leib unter dem Red Keep begraben. Irgendwie fast poetisch, aber zu hastig. Cersei hat clever agiert und jetzt, innerhalb einer Episode ist ihr Arc vorbei. Genauso wie Jaime, der eine so lange und so tolle Charakterentwicklung erlebte, wurde wieder auf Feld eins zurückgestellt und dort begraben.

Nun bleibt noch eine Folge, einmal achtzig Minuten. Dann ist's vorbei. Was wird noch passieren? Jon tötet Dany und dann sich selbst, weil er nicht mehr mit sich leben kann. Dann sind alle total traurig und Sansa erklimmt den Iron Throne - sofern dieser bis dahin noch steht.

Die Buch-Kennerin

Wir schreiten mit riesigen Schritten zum Ende der Serie und zur endgültigen Besiegelung des Schicksals von Westeros und den vielen Figuren, mit denen wir seit 2011 - oder im Falle ganz früher Buchleser: seit 1996! - mitfiebern. Und was machen D & D in dieser zweitletzten Folge? Sie mischen alles noch einmal gehörig durcheinander, weil GoT natürlich keine normale Serie ist, sondern sich immer durch überraschende Wendungen und Schockmomente auszeichnen muss. Wäre doch gelacht, wenn man sich da in ausgelatschte Erzählschemata pressen liesse!

Leider ist das Resultat aber nicht mehr schockierend, ja nicht einmal richtig enttäuschend, sondern einfach irgendwie ... meh? Klar, es wird mit Blut, Explosionen und brutalen Sequenzen nicht gegeizt. Aber ganz ehrlich? Die letzten Wendungen um Daenerys und diesen überbrutalen Angriff auf King's Landing lassen bei aller Grausamkeit doch eher kalt. Dies mag schon mal daran liegen, dass alles viel zu schnell geht. Von mir aus kann die einstige Khaleesi ja schon durchdrehen, nur weil niemand in ihr Poesiealbum schreiben möchte. Aber dass eine solche Kehrtwendung lediglich innerhalb einer einzigen Folge geschehen sollte, ist doch reichlich unglaubwürdig und auch ziemlich ärgerlich. Vorbei ist es mit der gutmütigen Dany, die im Namen von Missandei - die in der letzten Folge kurz vor ihrem Tod ebenfalls völlig entgegen jeglicher vorheriger Charakterzeichnung zur "Rache per Drache" aufgerufen hat - nun ihren schuppiges Riesenfeuerzeug in Betrieb nimmt.

Ärgerlich sind auch die vielen Szenen, in denen bereits Gesehenes neu aufgelegt wird. Fast unbemerkt versucht Varys, Dany mithilfe einer seiner little birds zu vergiften - was spannend wäre, hätten wir diese Taktik nicht schon x-mal zuvor gesehen. Für seinen Verrat muss Varys mit dem Leben bezahlen; schade ist's um den tollen Darsteller Conleth Hill, der immer zu den schauspielerischen Highlights der Serie gehörte. Zum wiederholten Male kriegen wir auch einen rückgratlosen Jon zu sehen, der in inzwischen geübter "i säge nüt!"-Manier zulässt, dass Unglück und Verderben über die Hauptstadt von Westeros hereinbricht. (Mein Buch-Jon-liebendes Herz blutet!)

Halt, zumindest eine ergreifende Szene gibt es doch: Wenn Tyrion und Jaime einen letzten brüderlichen Moment teilen, dann bleibt kein Auge trocken. Wer emotional noch dabei ist, vergiesst danach vielleicht noch ein paar weitere Tränchen aufgrund der Tatsache, dass - einmal mehr - Jaimes spannende Charakterentwicklung über viele Folgen hin erneut komplett zurückgenommen wird, um ihn zurück in die Arme von Cersei zu treiben. Wieso, Show, wieso?!

Freilich ist es eine Folge, die unglaubliches Spektakel bietet - weil hey: Blut! Mord und Todschlag! Drachenfeuer! Wildfire! Cleganebowl! Gleichzeitig reiht sich bei den Zuschauern eine Frage an die andere: Was macht denn Dany da? Wieso macht Jon nichts, und sollte so einer echt König werden? Wieso ist Arya überhaupt in King's Landing (ausser um uns Zuschauer durch die Kampfwirren zu führen)? Musste ich für so einen Chabis wirklich so früh aufstehen? Und wo kommt das Pferd am Schluss plötzlich her?

Fraglich ist zudem auch, wieso Crazy Cersei, die bisher eine ziemlich gute Gegnerfigur war, einfach begraben wird, nur um sie durch eine andere wahnsinnige Königin zu ersetzen. War das wirklich nötig? Das Ganze mag ja ruhig ohne Happy-End ausgehen, aber ein bisschen bekommt man hier schon das Gefühl, dass es eben doch ein Boy's Club ist, bei dem Mädchen einfach nicht mitspielen dürfen, weil sie geistig nicht für den Job gemacht sind. *augenverdreh* Wer war hier Drehbuchautor, Donald Trump?

Es bleibt noch eine Folge. Wird auch Drogon ins Gras beissen müssen? Kann Arya Daenerys erfolgreich von ihrer neuen Liste streichen? Nimmt Jon Platz auf dem Iron Throne, oder ist es am Ende sogar ganz vorbei mit den Seven Kingdoms? Und: Interessiert es uns eigentlich noch?

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Kommentare Total: 2

th

im vergleich zu den vorherigen staffeln passiert mir in den letzten paar folgen zu viel zu schnell: 7 staffeln lang einen dick auf "winter & krieg kommt" gemacht, und in zwei folgen innert wenigen minuten ist beides vorbei. so richtig spass macht der hyperspeed-mode nicht. die lust auf die letzte folge ist stark gedämmt. wer hätte das vor 2-3 staffeln gedacht!?

philm

Am Besten hört man beim Tod vom Night King auf mit Schauen. Die restlichen Folgen sind nur noch Müll. Mit diesen wird die Genialität von GoT endgültig unter dem Red Keep begraben.
Sie hätten besser 8.1 mit dem Ende vom Night King besiegelt, und sich mehr Quality Time für's Schreiben des Abschlusses mit 8.2 nehmen sollen.

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