Tarantino & Co.: Unsere 11 meisterwarteten Filme vom Cannes-Filmfestival 2019

Es ist mal wieder so weit: Drei todesmutige OutNower werden auch in diesem Jahr mit 4'000 anderen Journalisten an die Croisette reisen. Wir sagen euch, auf welche Filme wir uns am meisten freuen.

Brad Pitt in Quentin Tarantinos "Once Upon a Time in Hollywood" © Sony Pictures

Zum bereits 72. Mal finden in Cannes die Filmfestspiele statt und erneut haben sich die Programmverantwortlichen nicht lumpen lassen. In der offiziellen Sektion, der Quinzaine dés réalisateurs und in der Semaine de la critique gibt es einige potentielle Highlights zu entdecken, während Schaulustige versuchen werden, einen Blick auf Leonardo DiCaprio und Brad Pitt zu erhaschen. Wir werden den Herrn DiCaprio und Pitt im realen Leben aus dem Weg gehen. Wir wollen sie und viele weitere lieber auf der Leinwand sehen. Wir haben das Programm durchforstet und präsentieren euch nun unsere elf meisterwarteten Film vom Cannes-Filmfestival 2019.

The Dead Don't Die

Um was es geht: Zombies suchen das Städtchen Centerville heim. Die Polizisten Cliff Robertson (Bill Murray) und Ronnie Peterson (Adam Driver) versuchen, der Lage Herr zu werden.
Warum wir uns freuen: Gleich zur Eröffnung ein Highlight. Auch wenn wir jetzt nicht gerade die grössten Fans von Jim Jarmusch sind, hat uns der Trailer zur Zombie-Komödie überzeugt, und einen Film mit Bill Murray, Tilda Swinton, Steve Buscemi und Adam Driver schaut man sich als Film-Fan einfach an. Punkt aus.

A Hidden Life

Um was es geht: Der österreichische Landwirt Franz Jägerstätter weigert sich während des Zweiten Weltkriegs eingezogen zu werden.
Warum wir uns freuen: Der früher so notorische Wenigfilmer Terrence Malick hat in den letzten sieben Jahre gleich fünf Filme rausgehauen. Für The Tree of Life gab es in Cannes sogar die Goldene Palme. Doch mit Malicks Stil können nicht alle was anfangen. Meist sehen wir bei ihm schöne Menschen, die herumlatschen und über das Voice-Over tiefsinnige Dinge sagen. Sein Kriegsdrama A Hidden Life soll nun jedoch anders sein. Malick sei weggekommen von den Experimenten und habe einen fast gewöhnlichen Film gedreht. Einer seiner gewöhnlichsten Filme war auch The Thin Red Line im Jahre 1998, der zu den besten Werken des Regisseurs zählt. Zudem gehört A Hidden Life zu den letzten Filmen, in denen man den verstorbenen Bruno Ganz sehen kann.

Matthias et Maxime


Um was es geht: Eine Geschichte über Freundschaft.
Warum wir uns freuen: Ok, die obige Inhaltsangabe gibt nicht gerade viel her. Doch ist Matthias et Maxime die neuste Regiearbeit von Wunderkind Xavier Dolan, der mit Filmen wie Mommy und Tom à la ferme begeisterte. Sein letzter Film, The Death and Life of John F. Donovan, lief im letzten Jahr in Toronto und gefiel uns - im Gegensatz zu den meisten Kritikern - ebenfalls äusserst gut. Die Filme von Dolan sind von der Machart her bunt, laut, wild und einfach was Besonderes. So hatte Mommy zum Beispiel ein Bildformat von 1:1. Wir sind gespannt, mit was für Tricks der Regisseur in seinem neusten Film aufwarten wird.

Once Upon a Time... in Hollywood

Um was es geht: Ein TV-Darsteller und sein Stuntman wollen im Jahre 1969 auch beim Film gross rauskommen.
Warum wir uns freuen: Quentin Tarantino! Reicht euch nicht? Die Hauptrollen spielen Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Al Pacino, Dakota Fanning, Tim Roth und Damien Lewis. Haben wir eigentlich schon Quentin Tarantino erwähnt? Das ist zweifelsohne DER Film des diesjährigen Cannes-Filmfestivals. Hier werden sich die Journalisten wohl um die Plätze im Saal prügeln müssen. Wir prügeln für euch selbstverständlich mit, um euch dann sagen zu können, was der Film mit dem Schweizer Kinostart am 15. August 2019 so drauf hat. You're welcome.

Sorry We Missed You

Um was es geht: Ein Lieferwagenfahrer und seine Frau haben im England von heute Mühe über die Runden zu kommen.
Warum wir uns freuen: Ken Loach hat uns mit seinem Drama I, Daniel Blake emotional völlig vernichtet. Er erzählte dort die Geschichte eines Bauarbeiters, der gegen das britische Sozialsystem kämpft. Dafür gab es 2016 die Goldene Palme. Danach wollte er eigentlich in Ruhestand gehen, doch anscheinend hat er sich anders überlegt. Sein Drama wird wie bei ihm so üblich den Fokus auf die kleinen Leute von Grossbritannien werfen, und wir sind uns ziemlich sicher, dass der Brexit ebenfalls eine nicht unwichtige Rolle spielen wird.

Rocketman

Um was es geht: Das Biopic über die Musiklegende Elton John.
Warum wir uns freuen: Regisseur Dexter Fletcher musste die Arbeiten bei Rocketman kurz unterbrechen, um der Produktion von Bohemian Rhapsody den Arsch zu retten - er stellte den Film für den entlassenen Bryan Singer fertig. Bei Rocketman hatte der Engländer nun jedoch die Zügel von A bis Z in der Hand. Selbst wenn Fletcher hier ebenfalls kein Überfilm gelingen sollte, gibt es auf jeden Fall wieder sensationell gute Musik zu hören.

Diego Maradona

Um was es geht: Der Dokumentarfilm widmet sich ganz dem Leben des legendären argentinischen Fussballspielers.
Warum wir uns freuen: Asif Kapadia steht für grossartige Dokumentarfilme. Senna und Amy sind Beweise dafür, wobei er für die Amy-Winehouse-Doku sogar einen Oscar bekam. Kapadia richtete seine Fokus danach auf eine der schillerndsten Figuren des Fussballs: Diego Maradona. Der Mann hat ein absolut filmreifes Leben geführt - und führt es immer noch -, sodass hier ein Film auf uns zukommt, der mitreissender nicht sein könnte.

Vivarium

© SdlC


Um was es geht: Ein junges Paar (Jesse Eisenberg, Imogen Poots) ist auf der Suche nach ihrem perfekten Zuhause. Doch als sie glauben, ihr Wohn-Glück gefunden zu haben, merken sie schnell, dass sie in einer labyrinthartigen Nachbarschaft gefangen sind, in der jedes Haus gleich aussieht.
Warum wir uns freuen: In Cannes kann man auch wunderbar neue Filmperlen entdecken. Filme, die rein von der Inhaltsangabe her neugierig machen und das Potential haben, etwas besonders zu sein. Von den über 100 Filmen, welche das Festival in diesem Jahr zeigt, hört sich Vivarium am schrägsten und damit am interessantesten an. Solchen Mindfucks waren wir noch nie abgeneigt.

Lux Æterna

Um was es geht: Zwei Schauspielerinnen erzählen sich an einem Film-Set Geschichten über Hexen - doch das ist noch nicht alles ...
Warum wir uns freuen: Im OutNow-Interview zu Climax teilte uns Gaspar Noé mit, dass er ein Bewunderer von Rainer Werner Fassbinder ist, der zu seinen besten Zeiten vier Filme pro Jahr gedreht hat. Am liebsten würde Noé sofort wieder einen Film drehen, doch die Promotour von Climax kam ihm in die Quere. Tja, der Provokateur scheint irgendwo doch noch Zeit gefunden zu haben und stellt nur gerade ein Jahr nach der Weltpremiere von Climax ein 50-minütiges Essay über Kino, die Liebe zum Film und Set-Hysterie vor. In der Hauptrolle wird Charlotte Gainsbourg zu sehen sein. Noés Filme sind immer ein Ereignis. Von dem her: Wir werden dabei sein.

The Lighthouse

© Quinzaine des réalisateuers

Um was es geht: Die Geschichte eines alten Leuchtturmwächters zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Warum wir uns freuen: Erneut eine Inhaltsangabe, welche einfach nur zum Davonrennen ist. Robert Eggers ist aber auch ein Spezialist vom "Davonrennen" - im positiven Sinne. Der Amerikaner hat mit The Witch einen der beunruhigensten Horrorfilme der letzten Jahre geschaffen, bei dem viele Zuschauer aufgrund der Intensität frühzeitig den Saal verlassen mussten. Sein neuster Film wird als "hypnotisch" und "halluzinatorisch" beschrieben. Wir können es kaum erwarten, mit den von Willem Dafoe und Robert Pattinson gespielten Figuren auf diesen Trip zu gehen.

Le Daim

Um was es geht: Die Obsession eines Mannes mit seiner Designer-Lederjacke lässt ihn sein gesamtes Vermögen verprassen und macht ihn sogar zum Verbrecher.
Warum wir uns freuen: Die Inhaltsangabe klingt so schräg, das kann fast nur von Quentin Dupieux kommen. Der Filmemacher/DJ (erinnert sich noch jemand an Flat Beat?) ist seit dem Reifen-Killer-Film Rubber der Spezialist für WTF!-Filme, und bisher hat er kaum enttäuscht - sein letztjähriger Au poste ist ein echter Geheimtipp. In seinem neusten Film hat er mit Komödienspezialist und Oscarpreisträger Jean Dujardin (The Artist) zusammengespannt. Diese schräge Komödie wird sicher eine Wohltat zwischen all den ernsten Dramen sein, die den Grossteil des Programms von Cannes ausmachen.

Natürlich zeigt das Cannes-Filmfestival noch ein paar weitere Filme. So kehren Pedro Almodovar, Abdellatif Kechiche, Justine Triet und die Dardenne-Brüder an die Croisette zurück und werden beim Kampf um die Goldene Palme sicher mitreden wollen. Doch Cannes lebt auch immer wieder von den Entdeckungen. Filme, die man bisher gar nicht auf dem Schirm hatte und einen dann umhauen. Man denke da zum Beispiel an den letztjährigen Capernaum. OutNow wird sich ab dem 14. Mai mit Newsberichten, Kritiken und dem Podcast aus Cannes von der Entdeckungsreise melden.

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OutNow