"Game of Thrones" Season 8: Recap Episode 4 - "The Last Of The Starks"

Die Schlacht gegen die White Walkers wurde gewonnen. Höchste Zeit also, sich um Cersei "zu kümmern". Bevor es jedoch zum entscheidenden Kampf kommt, müssen alle auf das gleiche Level gebracht werden.

What They Had © HBO

Der Nicht-Buch-Kenner

Nachdem es Arya in der letzten Folge gelungen ist, dem Night King und damit seiner ganzen Gefolgschaft den Garaus zu machen, fokussieren sich die ersten Minuten der neusten Folge auf die Trauerarbeit. Das ist überaus effektiv. Hätten die Macher diese Szenen noch in die letzte Folge gequetscht, wäre die emotionale Wirkung definitiv eine andere gewesen: der Adrenalinpegel wäre noch nach 80 Minuten Schlacht zu hoch gewesen, um wirklich traurig zu sein. Jetzt, wo eine Woche vergangen und man wieder runterkommen ist, wird einem hier richtig bewusst, wen man alles verloren hat.

Nicht verloren ging zum Glück der treue Ghost, welcher jedoch sehr antiklimaktisch von Jon an Tormund weitergereicht wird, der zurück in den Norden des Nordens aufbricht. Man hätte sich schon eine etwas mehr berührende Verabschiedung zwischen Jon und Ghost gewünscht. Oder greift Ghost etwa noch in die Schlacht um King's Landing ein? Es ist zu hoffen.

Nach der "Langen Nacht" ist vor dem Krieg um die sieben Königslande, welcher hier vorbereitet wird. So wird auch diese Episode wie schon Nummer eins und zwei zur etwas mühsamen Platzierungsfolge. Den Machern scheint vor allem viel daran gelegen zu haben, alles auf das gleiche Niveau/Level zu bringen. Das betrifft zum einen die wortwörtliche Feuerpower von Daenerys. Drache Rhaegal wird recht schnell von Euron Greyjoy vom Himmel geholt, sodass nur noch ein Drache übrig bleibt. Die Streitmächte scheinen nun recht ausgeglichen zu sein. Zum anderen ist aber auch die psychische Ebene gemeint. Daenerys wird mit ihrer fortschreitender "Koste-was-es-wolle"-Attitüde der erklärten Feindin Cersei immer ähnlicher, was auch Tyrion und Varys nicht entgeht. Ist Daenerys wirklich bereit für den Thron? Oder wäre es nicht für alle besser, wenn Jon auf dem Eisernen Thron sitzen würde? Ob Daenerys würdig ist, wird ihre Reaktion auf den Tod von Missandei zeigen. Wird Daenerys sich auf das Level von Cersei herablassen und alles in Schutt und Asche legen? Wir werden sehen. Bleibt nur zu hoffen, dass das Niveau der Serie für die letzten beiden Folgen nach dieser eher mässigen wieder ein bisschen ansteigen wird.

Die Buch-Kennerin

Unter Fans der Buchreihe gilt ja schon länger die Devise, dass Game of Thrones inzwischen mehr oder weniger Fanfiction geworden ist. Dies, weil die Serie längst nicht mehr auf eine Buchvorlage zurückgereifen kann und seitdem immer wieder auf Logik und Charakterzeichnung verzichtet. Stattdessen werden neben den natürlich weiterhin hochgehaltenen Ingredienzien Drama, Gewalt und Intrigen zunehmend solche Szenen gezeigt, die sich die Fans (zumindest aus Sicht der Serienmacher) schon längst wünschen. Die neuste Folge haut genau in diese Kerbe, könnte man die erste Hälfte von "The Last of the Starks" doch als "Shipper"-Folge bezeichnen. Denn wir kriegen so einiges zu sehen, wonach Herr und Frau Fan (vermeintlich?) schon lange lechzen: Jaime und Brienne überwinden endlich ihren mehrere Staffeln andauernden Balztanz und landen miteinander in den Fellen! Gendry macht Arya einen (leider vergeblichen) Heiratsantrag! Sam und Gilly bekommen ein Baby! Und das im Fandom vielleicht beliebteste Nicht-Paar San-San - aka Sansa und Sandor Clegane - teilen seit vielen Jahren auch wieder einmal den Bildschirm. (Fandom is weird!) Darüber hinaus deutet die Reise des Hounds nach Süden auf den lange erwarteten "Cleganebowl" hin, bei dem sich die Brüder Clegane, also Hund und Berg, Highlander-mässig gegenüberstehen werden. So weit, so Fanservice.

Demgegenüber stehen aber auch einige Dinge, bei denen es einem als Buchfan schlicht ablöscht. Drache Rhaegal und Missandei werden fürs Drama um Dany abgemurkst, die für die letzten beiden Folgen plötzlich auch zur Gegnerin für Jon zu werden droht. Ghost und die Wildlinge werden wieder in die Wildnis entlassen - auf ein Happy-End à la A Dog's Way Home hoffen wir da wohl vergebens. Nein, Show, die Schattenwölfe hast du leider nie kappiert und so auch zum Abschluss ein weiteres Mal richtig versemmelt. #NotMyDirewolves

Was die Show auch vermasselt hat? Das Twitterverse war geschwind dabei, um den Rest der Welt auf einen verdächtigen Gegenstand in einem Frame aufmerksam zu machen. Ist es etwa ein Zaubergefäss aus Essos oder ein altes Familienerbstück der Familie Stark? Steckt dahinter etwa die wahre Zauberkraft von Melisandre?

So werden also Memes geboren ... Wobei: Eigentlich müssten wir dem Schuldigen für diesen "Pfusch" fast schon dankbar sein, denn ohne diesen vergessenen Becher wären wir nie mit dem vielleicht beste Comeback des betroffenen Kafi-Dealers beert worden.

Gar nicht lustig, sondern eher peinlich ist hingegen die Tatsache, dass die Serienmacher offenbar nicht mal die Figurennamen beieinander haben, weiss der liebe Gendry doch nicht einmal seinen eigenen Namen und bezeichnet sich als Gendry Rivers, obwohl er aus King's Landing stammt und deshalb den Bastardnamen Waters trägt. Also bitte! Shame! Shame! Shame!

Nerd rage beiseite: Es war eine lange, lange Folge, die Dany zum Unsympathen macht, lapidar Figuren (und Kreaturen) loswird und insgesamt einen eher schalen Beigeschmack zurücklässt. Die Vorstellung, dass sich nun Cersei, Dany und Jon zu dritt um den Thron prügeln dürften, gefällt da überhaupt nicht. Nur noch zwei Folgen. ...yay?

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Kommentare Total: 2

philm

@Yan: Credits für den #theoneknightstand :-D
Und ja, die Folge war auch für mich als Nicht-Buchfan oder Nerd sehr schlecht.

yan

ACHTUNG SPOILER!

Ich muss nach dieser haarsträubend schlechten Episode ebenfalls meinen Senf dazu geben.

Die Gründe für das Desaster in S08E04:

1. Was hier an Logiklöchern auf den Zuschauer losgelassen wird, tut einfach nur weh. Beispiele:

- Dany hätte Euron sehen müssen.
- Die "Scorpions" treffen zuerst alles und dann kann Dany mit Drogon auf die Schiffe zufliegen und jeder schiesst daneben.
- Wie wissen Dany und Co., dass Missandei entführt wurde. Sie könnte auch einfach tot sein.
- Weshalb wird Missandei entführt? Cersei und Euron kennen sie nicht.
- Wie kann Euron so schnell wieder in Kings Landing sein?
- Wieso hat Euron den Rest auch nicht gleich noch gekillt?
- Dany und Co. klopft mit knapp 80 Mann an die Tore von Cersei und fordert deren Kapitulation...?
- Cersei hätte alle töten können/müssen.
- Drogon, der gerade seinen Bruder verloren hat, chillt gemütlich im Hintergrund und schaut friedlich zu.
etc.

2. Die einzige und wichtige Schlacht der Folge wird nicht gezeigt.

3. Der Moment als Jon seinen Schwestern sagt, wer seine Eltern sind, wird nicht gezeigt.

4. Bereits in der siebten Staffel wirkte vieles sehr gehetzt, doch nun können sich die Figuren sogar von A nach B beamen, anders ist es nicht zu erklären.

5. Die Entwicklung von Jamie. Auch wenn es vielleicht realistisch ist, dass er wieder zu Cersei rennt - geschrieben ist das ganze Hin und Her mit Brienne katastrophal. Soap-Opera-Style #theoneknightstand

6. Die Entwicklung von Dany: die Gründe weshalb sie bereits jetzt als Mad Queen abgestempelt wird, machen keinen Sinn. Auch hier wirkt das Script extrem lazy.

7. Was ist mit dem Night King? 7 Staffeln hat man die lange Nacht aufgebaut und einen Tag nach seinem Tod redet keiner mehr darüber. Etwas mehr Fokus auf die Untoten hätte ich mir schon gewünscht.

Es gäbe noch etliche Punkte, die man der Folge ankreiden könnte (Ghost, Starbucks, Gendry).

Es gab aber auch ein paar positive Momente:

Varys und Tyrion, der Beginn, Tormund und die Tatsache, dass Arya und Clegane wieder zusammen unterwegs sind.

Dennoch: die mit Abstand schlechteste GoT-Folge und ich habe das Gefühl, dass es nun kaum noch was zu retten gibt..... :/

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