"How to Train Your Dragon 3": Das Interview mit Regisseur und Drehbuchautor Dean DeBlois

Wie bitte?! Toothless hätte im ersten Film getötet werden sollen?! Dies und noch viel mehr erfuhren wir vom Kanadier DeBlois, der bei allen drei Drachen-Filmen Regie führte und das Drehbuch schrieb.

Herr der Drachen: Regisseur und Drehbuchautor Dean DeBlois © Universal Pictures International Switzerland

Früher verdiente der in Aylmer, Quebec geborene Kanadier Dean DeBlois sein Geld bei Disney. Mit ihm an Bord entstanden Animationsfilme wie Mulan und bei Lilo & Stitch durfte er sogar mit seinem Kumpel Chris Sanders das Drehbuch schreiben und gleich auch Regie führen. Seit mehr als zehn Jahren verhilft er nun mit Drachen dem Animationsfilmstudio von DreamWorks zu Höhenflügen. Seine Regie- und Skript-Arbeit bei How to Train Your Dragon begann zwar turbulent, doch wurde die Reihe auch dank ihm zu seinem riesigen Erfolg. Mit dem emotionalen dritten Teil How to Train Your Dragon: The Hidden World hat er nun die Geschichte von Hiccup (im Deutschen: Hicks) und Toothless (Ohnezahn) abgeschlossen.

Wir trafen Dean DeBlois in Zürich zum Interview, schauten mit ihm zurück auf die letzten zehn Wikinger-und-Drachen-Jahre, sprachen über den geplanten Tod von Toothless, Trilogie-Planungen sowie mit welcher Franchise er gerne How to Train Your Dragon zusammenbringen möchte.

OutNow: Gratulation zu einer wunderschönen Trilogie. Aber ehrlich gesagt, war das Ende des ersten Filmes schon ein bisschen ein Schock: Der Held verliert ein Bein! Man kennt es, wenn Elternfiguren sterben, aber sowas hatten wir bei Animationsfilmen noch nicht so oft.
Dean DeBlois: Da haben wir unsere Grenzen ausgelotet. (Co-Regisseur) Chris Sanders und ich kamen von Disney, wo viele Entscheidungen doch eher konservativ sind. Dort denkt man sehr über die möglichen Reaktionen von aufgebrachten Eltern nach. Bei der Dreamworks-Produktion How to Train Your Dragon konnten wir die erwachsenen Stellen der Geschichte mehr in den Fokus rücken. Wir versuchten so viele Überraschungen wie nur möglich in den Film zu packen. Das Ende war jedoch beim ersten Entwurf überhaupt nicht überraschend. Unser Boss Jeffrey Katzenberg hatte dann die Idee, Toothless umzubringen.

© Universal

OutNow: Wie bitte?!
Dean DeBlois: Wir waren auch schockiert. Dabei dachte Katzenberg vor allem an Klassiker wie Old Yeller ("Sein Freund Jello"), welche gegen Ende sehr traurige und traumatisierende Filme sind. Wir überzeugten ihn dann, Toothless am Leben zu lassen. Wir mussten dann eine andere Art von Konsequenz für Hiccups Heldentaten finden, die stimmig mit dem bedrohlichen Grundton des Filmes, aber gleichzeitig überraschend ist. Unserer Meinung nach schweisst der Verlust des Beines Hiccup und Toothless noch mehr zusammen, da dem Drachen ja auch ein Körperteil fehlt. Bei einem Test-Screening wollten die Eltern dann, dass dieses Ende definitiv Bestand des fertigen Filmes ist, da es so auch eine Lektion über Heldentum und das Opferbringen ist. Im gleichen Screening sagte übrigens ein achtjähriger Junge, dass es zwar traurig ist, dass Hiccup was verloren hat. Doch Hiccup habe im Gegenzug ja so viel mehr bekommen.

OutNow: Solche Konsequenzen verleihen allen Filmen der Trilogie ja auch eine grosse Spannung. Hier kann jedem alles passieren. Niemand scheint sicher zu sein.
Dean DeBlois: Absolut, wir wollten ein Universum erschaffen mit realer Physik sowie realen Gefahren und Opfern. Wenn du in der Welt von Berk von einem fliegenden Drachen fällst, dann springst du nicht wie bei den Looney Tunes vom Boden wieder hoch. Oder wenn dich das Feuer eines Drachen erwischt, wirst du lebendig verbrannt. Das fügte dem Ganzen auch eine Art Glaubhaftigkeit hinzu.

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OutNow: War eigentlich schon immer eine Trilogie geplant oder habt ihr von Film zu Film geschaut?
Dean DeBlois: Es gab keinen Masterplan von Anfang an. Chris Sanders und ich waren das dritte Duo, welches sich an dem ersten Film versuchen durfte. Wir hatten dann gerade einmal 15 Monate Zeit, um den Film in die Kinos zu bekommen. Wir wurden engagiert, um die tolle Vorarbeit, was das Figuren-Design und die Sets betrifft, zu nehmen, um dann mit diesem Elementen eine neue Geschichte zu erzählen. Unserem Boss war die ursprüngliche Geschichte zu sehr an der Buchvorlage und deshalb zu simpel. Er wollte etwas, das mehr Leute ansprechen würde. Harry Potter war ein genanntes Beispiel. Aufgrund des Zeitdrucks lag unser Fokus dann vor allem auf dem Startdatum "März 2010" und weniger auf möglichen Sequels (lacht). Als der Film ein Erfolg wurde, wurden wir nach Ideen für Fortsetzungen gefragt. Dabei bin ich gar kein Fan davon, ausser wenn sie etwas Wichtiges zur Story hinzufügen - wie z. B. The Empire Strikes Back. Dann kam mir die Idee mit der Geschichte, welche über drei Akte erzählt wird. Jeder Film bei "Dragons" ist dabei ein Akt. Es ist die Geschichte des Wikinger-Wichts, der zum Anführer seines Stammes wird. Dazu gibt es die Story der Drachen und warum sie nicht mehr unter uns sind.

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OutNow: Im neusten Film gibt es eine wunderschöne und lustige Szene, in welcher Toothless einen weiblichen Drachen zu bezirzen versucht. Was waren eure Inspirationen für diese Sequenz?
Dean DeBlois: Im Grunde genommen die erste Begegnung von Hiccup mit Toothless im ersten Film, welche vor allem auf Musik und Choreographie setzt. Ich wollte damit wie eine Art Bogen vom Anfang zum Ende der Trilogie spannen. Für die Bewegungen der Drachen schauten wir uns vieles bei Paarungsritualen von Vögeln und Spinnen ab. Dabei übernahmen wir das Lustigste und Schrägste. Denn Toothless ist ein völliger Amateur. Er ist der letzte seiner Art, der jedoch den Grossteil seines Lebens bei Menschen verbacht hat, während sie nur die Drachenwelt kennt. Wir hatten sehr grossen Spass, diese Szene zu erschaffen.

OutNow: Disney hat momentan grossen Erfolg mit den "Realfilm"-Updates ihrer Animationsfilmklassiker. Wäre sowas auch für How to Train Your Dragon denkbar, um die Reihe so am Leben zu erhalten?
Dean DeBlois: Wenn es nach mir ginge, ist The Hidden World das Ende. Weil die Gefahr besteht, dass mit weiteren Filmen irgendwann das Interesse schwindet. Deshalb gaben wir diesem Film ein definitives Ende. Ich bin der Meinung, dass es besser ist, "mehr zu wollen" als "zu viel zu haben". Mir gehört die Reihe natürlich nicht. Wenn DreamWorks mehr mit der Franchise machen will, sollen sie das. Aber ich finde, dass die Geschichte von Hiccup und Toothless auf eine zufriedenstellende Art und Weise abgeschlossen wurde.

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OutNow: "Shared Universes" wie das Marvel Cinematic Universe sind in der Branche gerade voll in. Wenn du die komplette Freiheit hättest, mit welcher Franchise würdest du How to Train Your Dragon am liebsten zusammenbringen?
Dean DeBlois: Game of Thrones! (lacht)

OutNow: Trotz all der Gewalt und dem Sex?!
Dean DeBlois: (lacht). Game of Thrones hat eine solch spannende und interessante Welt. Du weisst nie, was passieren wird. Alles wirkt äusserst instabil, niemand ist sicher und man ist kaum bei jemandem sicher, woran man bei ihr oder ihm ist. Es gehört zum Besten, was das Fernsehen zu bieten hat. Unsere Figuren da reinzubringen, wäre ziemlich cool.

OutNow: Aufgrund der Drachen ist es schon die logische Antwort, aber vom Ton her vielleicht doch nicht die beste, oder?
Dean DeBlois: (lacht). Ich bin sicher, wir können uns in der Mitte treffen. Unsere Figuren sind ja in den Filmen immer erwachsener geworden, von dem her... (lacht). Dann müsste Game of Thrones einfach noch etwas runter kommen. Das wäre dann "Game of Thrones junior".

How to Train Your Dragon: The Hidden World läuft ab dem 7. Februar 2019 in den Schweizer Kinos.

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