"Thank you for these movies": Chris' Lieblings-Filme von 2018

Die Kino-Begeisterung hat für den Schreiber dieser Zeilen auch 2018 nicht nachgelassen. Mehr als elf Mal fühlte er sich im Kinosaal pudelwohl. Bei diesen elf fühlte er sich jedoch am pudelwohlsten.

Spider-Man: Into the Spider-Verse © Sony

Was, schon wieder ein Jahr durch? Das ging ja mal wieder schnell. Obwohl, bei einigen Filmen fühlte sich die Zeit ewig an - looking at you, Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald. Anyway, auch 2018 brachte wieder jede Menge Leckerbissen, die ich in so verschiedenen Orten wie Cannes, Toronto, Zürich, Neuchâtel und Dübendorf (Kino Orion rules!) sehen konnte. Aus den über 300 gesehenen Filmen (ja, suscht kei Hobbies) dann elf Lieblinge herauszupicken, ist immer ein tammischwieriges Unterfangen. Doch nach ständigem Herumschieben, langen internen Kämpfen und einem hochkomplizierten, wissenschaftlichen Verfahren haben sich letztendlich folgende elf Filme herauskristallisiert.

11. Chris the Swiss

Just for the record: Dieser Film ist nicht (nur) in der Liste, weil ich selbst ein Schweizer mit dem Spitznamen "Chris" bin, sondern weil Anja Kofmels "Anidoc" wirklich ganz toll ist. Dabei bin ich normalerweise gar kein Fan von Dokus, die mir meist zu trocken daherkommen. Doch Chris the Swiss ist die Suche nach dem "Warum", die von einer jungen Frau unternommen wird, deren Cousin zu Beginn der Neunziger während des Jugoslawienkrieges umgebracht wurde. Das bringt Emotionen ins Spiel, und dank des im wahrsten Sinne des Wortes nachgezeichneten Weges von "Chris" (der Film zeigt das mögliche Szenario in schwarz-weissen Animationsfilmszenen), wird der Film zu einem lehrreichen, spannenden und faszinierenden Porträt.

10. You Were Never Really Here


Ein Film wie ein Hammerschlag. Joaquin Phoenix spielt einen "Mann fürs Grobe", der ein Mädchen aus einem Sexring befreien soll. Der neuste Film von Lynne Ramsay ist ein intensives Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Ich weiss noch, wie ich fast torkelnd aus dem ersten Screening am Cannes-Filmfestival kam - dermassen mitgenommen hat mich der Film, der dann auch Monate später nicht mehr aus dem Kopf ging. Genau für solche Erlebnisse liebe ich das Kino.

9. The Florida Project

Nicht minder unvergessen ist The Florida Project, der mich während zwei Stunden an einen Ort schickte, an den ich selbst wohl freiwillig nicht hingegen würde: in ein dreckiges Motel. Doch trotzdem tauchte ich mit Hilfe der verträumten Augen eines sechsjährigen Luusmeitli in diese Welt ein, war Zeuge von kleineren und grösseren Streichen, die den vom Umfeld her himmeltraurigen Film zwischendurch sogar recht lustig machten. Dass die Realität am Schluss zuschlägt, war hart, aber machte den Film umso besser.

8. Mission: Impossible - Fallout


Ist Tom Cruise selbstmordgefährdet? Auch im sechsten Abenteuer des Ethan Hunt machte der Superstar wieder jede Menge "crazy shit", was das Actionherz mehrfach glücklich machte - sogar beim zweiten Anschauen verlieren die Stunts nichts von ihrer "Awesomeness". Da stört es auch nicht allzu gross, dass Cruises Hunt von seinen Mitstreitern fast zum Heiligen gesprochen wird ("Er ist sooooo ein guter Mensch" - würg). Was aber für Jahre in Erinnerung bleiben wird, ist die wohl krasseste Heli-Fight-Szene der Filmgeschichte - und der Schnauz von Henry Cavill.

7. Spider-Man: Into the Spider-Verse


Dieses Teil ist einfach nur geil. Als jemand, der sich früher Comichelden in TV-Trickfilmen anschaute, ist Spider-Man: Into the Spider-Verse mit seinem schnellen Erzähltempo, dem Humor, sowie der Vielzahl an Helden und Bösewichten eine lässige Verbeugung vor den Animationsfilmserien. Doch auch rein storytechnisch "verhebt" dieser erste Spidey-Animations-Kinofilm mit einem sympathischen Helden, einem gelungenen Bösewicht (dessen Backstory überzeugend in gerade einmal 20 Sekunden vorgetragen wird), perfekt gewählten Sprechern (Nicolas Cage!!!), sowie einem überaus coolen Finale. Diese Spider-Superhelden lassen die Pixar-Superhelden deutlich hinter sich.

6. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Diese Schauspieler! Dieses Drehbuch! Dieser Film! Die Geschichte einer Mutter, die den Tod ihrer Tochter jetzt sofort aufgeklärt haben möchte und sich dabei mit allen anlegt, zeigt Frances McDormand, Woody Harrelson und Sam Rockwell in Höchstform. Ihre Figuren nehmen dabei nicht unbedingt die Routen, die man sich denken könnte, was "Three Billboards" auch recht unberechenbar und vor allem emotional macht. Martin McDonaghs Skript ist einfach Sonderklasse.

5. Avengers: Infinity War


Der 19. Film des MCUs brachte alle Figuren zusammen und liess damit die Fan-Herzen höher schlagen. Da man alle Charaktere schon kannte und so schon vor der ersten Minute mit ihnen mitbangte, konnten sich die Russo-Regie-Brüder auf das Vorantreiben des Plots sowie auf Bösewicht Thanos konzentrieren. Marvel und die Fans ernten hier die Vorarbeit, welche die anderen Filme machten, was "Infinity War" zu einem unglaublich dichten, actionreichen, spannenden, schockierenden und trotz gefühlten 60 Hauptfiguren nie zu einem überladenen Filmerlebnis macht. Und der Cliffhanger am Ende ist einfach nur fies.

4. Hereditary


Darüber streite ich nicht: Hereditary ist der beste Horrorfilm des Jahres und auch einer der besten Filme des Jahres. Einige beklagten sich über das langsame Erzähltempo, sowie über die Tatsache, dass das Ganze mehr an ein Drama als einen Grusler erinnert. Doch genau das macht Hereditary so besonders. Es geht um Trauer, Schuld und das, was man so vererbt bekommt. Uns allen bekannte Gefühle werden in einen Horrormixer geworfen und uns dann eiskalt serviert. Toni Collette und Alex Wolff sind sensationell und wegen Asters Film sehe ich auch heute noch Schatten im Schlafzimmer, die gar nicht dort sind. Wie die Bewertungen zeigen, ist es ein "Hate it or love it". I LOVED IT

3. The Shape of Water


Guillermo del Toros Oscar-Gewinner ist trotz glitschigem Fischwesen ein wunderschöner und magischer Film. Der Mexikaner vermischt Liebesgeschichte und Monsterfilm zu einem erwachsenen Märchen und lässt das Ganze im Kalten Krieg spielen, womit sogar noch ein recht spannender Subplot um spionierende Russen Platz findet. Michael Shannon als Bösewicht ist grossartig-hassenswert, Sally Hawkins berührt mit ihrer Performance einer stummen Putzkraft, die sich in das "Monster" verliebt und der immer zuverlässige Richard Jenkins zeigt eine ganz feine Leistung als homosexueller Nachbar von Hawkins Figur. Da verzeihe ich dem Film auch die Szene, in welcher die Stumme in einer Traumsequenz plötzlich zu singen beginnt.

2. I, Tonya


"Yeah, so geil, ein Biopic über eine ehemalige Eiskunstläuferin", said no one ever. Doch bei der porträtierten Figur handelt es sich um die geächtete Eishexe Tonya Harding, welche in ein Attentat auf ihre Konkurrentin verwickelt war. Regisseur Craig Gillespie hat aus dieser unglaublichen Geschichte eine schwarze Komödie gemacht, bei der nicht immer klar ist, wer denn nun die Wahrheit sagt. Denn laut einer Texttafel zu Beginn basiert der Film auf echten Interviewaussagen der betroffenen Personen. Aus der Tatsache, dass nicht alle immer das gleiche sagen, holt Gillespie jede Menge Humor heraus und lässt die Figuren auch mal direkt in die Kamera sprechen. Margot Robbie ist als Harding schlichtweg umwerfend, aber der heimliche Star ist der trottelige "Bodyguard" Sean, gespielt von Paul Walter Hauser. Ein Film, bei dem man die Leute fast dazu zwingen muss, ihn zu schauen, danach aber kaum einer die zwei Stunden bereut.

1. Bad Times at the El Royale


Zwei Stunden und 22 Minuten dauert der neuste Film von Drew Goddard. Und während fast zwei Stunden und 22 Minuten hatte ich das Gefühl einen besonderen Film zu sehen. In "Bad Times" treffen sieben Personen in einem Hotel aufeinander, wobei es dann schnell drunter und drüber geht. Denn nicht nur die Leute haben Geheimnisse, sondern auch das Hotel birgt einige. Das ist nicht nur spannend aufgegleist, sondern auch von allen Schauspielern sackstark gespielt. Ich schaute diesem Treiben mit einem breiten Grinsen zu und nach gut 90 Minuten stellte sich dieses unbeschreiblich gute Gefühl ein, hier etwas zu sehen, dass voll meinem Geschmack entspricht. Solche Gefühle sind natürlich sehr subjektiv. Doch da dies eine subjektive Liste ist, gehört Bad Times at the El Royale für mich auf den Thron von 2018.

Honorable Mention: A Simple Favor


An viele Filme von 2018 erinnere ich mich mit einem Grinsen zurück. Am grössten dürfte dieses Grinsen bei Paul Feigs Thriller sein, der eigentlich vom Storyverlauf her richtig schlecht ist, aber der Regisseur dies zu seinem Vorteil nützt. Es geht um eine Mutter, die verschwindet, und um eine Freundin, die danach versucht herauszufinden, was passiert ist. Die Glaubwürdigkeit des Ganzen hält sich dabei in Grenzen. Doch wie Blake Livelys Emily stolziert der Film selbstbewusst durch die 114 Minuten und zieht sein Pulp-Programm genüsslich durch. Einer der unterhaltsamsten Filme des Jahres, dank dem ich Jean Paul Kellers "Ca s'est arrangé" nicht mehr aus dem Kopf bekomme.

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