"Der Unschuldige": Das Interview mit Hauptdarstellerin Judith Hofmann

Man kennt sie als Kommissarin Studer und aus der Serie "Der Bestatter". Doch so wie in "Der Unschuldige" hat man Judith Hofmann noch nie gesehen. Wir trafen die Zürcher Schauspielerin zum Interview.

In Der Unschuldige spielt Judith Hofmann eine Frau, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Das zieht ihr regelrecht den Boden unter den Füssen weg, sodass bald nicht mehr klar ist, was Traum und was Realität ist. Hofmann spielt dies grossartig. Wie wir im Interview mit der Zücherin erfahren konnten, musste sie sich dabei auch mal überwinden.

Was hat dich an Der Unschuldige gereizt?
Das Drehbuch von Simon Jaquemet hat mich überzeugt. Vor allem wie er die nonverbalen Dinge beschreibt. Das hat mich in den Bann gezogen. Ich war sofort bei dieser Ruth und wollte wissen, was sie machen wird, was sie denkt. Zudem weiss man gar nicht, wohin die Story geht. Bei jeder neuen Szene wurde ich überrascht. Trotzdem war es sehr schlüssig, sodass für mich schnell klar war, dass ich hier mitmachen wollte - egal in welcher Funktion. Was mich weiter gereizt hat, war die Verschlossenheit von Ruth. Sie ist im Film ja sehr kommunikationslos. Jemand so Verschlossenes zu spielen, habe ich sehr interessant gefunden.

Wie sahen die Vorbereitungen aus? Besuchtest du auch Freikirchen?
Ich war bei drei verschiedenen Celebrations (Gottesdiensten) dabei, welche ja eher Happenings oder Konzerte sind. Weiter habe ich mit einigen Menschen aus meinem Umfeld über das Thema Freikirchen geredet, da ein paar auch jahrelang Mitglieder waren. Mir selbst war das Ganze vor den Arbeiten an Der Unschuldige zu fremd. Je besser man etwas kennt, desto eher kann man es verstehen und auch schätzen. Der Film ist aber nicht ein Porträt von Freikirchen. Das hier ist schon recht zugespitzt.

Der Film ist recht intensiv. Gab es Momente, bei denen dir die Arbeit am Film zu viel wurde?
Die Arbeit an einem solchen Film macht natürlich schon etwas mit einem. Die Schwierigkeit war, bei jeder Wiederholung immer wieder hineinzufinden. Vor allem bei der Teufelsaustreibung oder dort, wo ich mich beim Gottesdienst übergeben muss. Man macht das ja nicht echt, aber man muss sich bei jedem Take wieder hineinsteigern. Das war schon recht anstrengend. Aber in einem guten Sinne.

Was war sonst die schwierigste Herausforderung für dich?
In einer Szene musste ich tauchen. Dabei kann ich das gar nicht gut. Vor dem hatte ich richtige Angst, denn ich kann nicht lange die Luft anhalten. Dann habe ich jedoch Training bei einem Apnoetaucher in Zürich bekommen, der mir zeigte, wie man möglichst weit taucht. Am Ende der Zwei-Stunden-Lektionen konnte ich dann 20 Meter weit tauchen.

Am Schluss hat der Zuschauer ganz viele Fragezeichen. Was war real, was war nur Einbildung? Hast du versucht bei Regisseur Simon Jaquemet einige Antworten zu holen?
Wir haben viel diskutiert. Ich wollte wissen, wieso sie so handelt, wie sie es tut. Gewisse Dinge kann ich verstehen, andere Dinge wiederum gar nicht. Für mich war aber immer alles real, denn ich muss das auch so spielen. Für Ruth hat ja alles stattgefunden.

Der Unschuldige läuft ab dem 31. Oktober 2018 in den Schweizer Kinos.

© Ascot Elite

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