Netflix zieht alle Filme von Cannes-Filmfestival zurück

Rumms: Bevor das Festival sein Programm bekanntgeben konnte, machte der Streaming-Gigant publik, dass man die 71. Cannes-Ausgabe aufgrund von Meinungsverschiedenheiten auslassen wird.

© Netflix

Um im Wettbewerb am Cannes-Filmfestival laufen zu können, müssen sich alle Filme seit diesem Jahr vorgängig zu einem französischen Kinostart verpflichten. Für Netflix ist ein absolutes No-Go, denn laut französischem Gesetz dürfen Filme mit einem französischen Release erst 36 Monate nach dem Kinostart auf Streamingportalen veröffentlicht werden. Die einzige Möglichkeit für Netflix ihre Filme am Festival zeigen zu können, besteht darin, sie "ausser Konkurrenz" laufen zu lassen. Doch darauf hat Netflix keinen Bock.

In einem Interview mit Variety gab Content-Chef Ted Sarandos bekannt, dass man alle an Cannes eingereichte Filme zurückziehen werde - und dies gerade mal wenige Stunden vor der Enthüllung des diesjährigen Festival-Line-ups. "Wir wollen, dass unsere Filme gleich behandelt werden wie alle anderen. Wenn wir nach Cannes gehen würden, besteht die Gefahr, dass man dort unsere Filme und die Filmemacher respektlos behandelt. Es ist nicht gut für uns dort zu sein".

Sarandos liess es sich im Interview dann auch nicht nehmen, gegen das Festival zu schiessen: "Wir liebten unser Festivalerlebnis im vergangenen Jahr. Doch das Festival hat nun entschieden, dass ihnen die Distribution wichtiger ist, als die Kunst des Kinos. Wir unterstützen hundertprozentig die Kunst des Kinos - wie auch jedes andere Festival auf der Welt. Festival-Chef Thierry Frémaux hat vor kurzem gesagt, dass die Geschichte des Internets und die Geschichte von Cannes zwei komplett verschiedene Dinge sind. Natürlich hat er da Recht. Aber wir haben entschieden, für die Zukunft des Kinos zu stehen. Wenn Cannes in der Kino-Vergangenheit leben möchte, ist das völlig ok."

Laut einem Bericht der Vanity Fair hätte Netflix fünf Filme am Festival zeigen wollen, darunter neue Filme von Gravity-Regisseur Alfonso Cuaron (Roma) und Bourne-Macher Paul Greengrass (Norway). Nun werden diese wohl erst im Herbst an den Festivals von Venedig oder Toronto gezeigt.

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