Das NIFFF-Tagebuch, Teil 3: Die Leiden des Festivalbesuchers

Tag drei am NIFFF war geprägt von zwei ziemlich mühsamen und sich in die Länge ziehenden Filmen, einem feinen Crêpe und einer absolut positiven (Film)überraschung zum Schluss.

Wenig Schlaf und viel Filme tönt nach einem First World Problem, doch wenn man bei der Filmauswahl danebengreift, kann ein solcher Festivaltag ganz schön anstrengend sein. Und dabei startete doch alles ganz gut. Nach einem wunderbaren Crêpe mit wortwörtlich herziger Deko ging es ins "Le Studio", das einzig wahre Kino, welches für NIFFF-Screenings genutzt wird. Auf dem Programm stand Como agua para chocolate. Der Neunzigerjahre-Film passte zum feinen Frühstück und Emanuel Lubezkis eingefangene, sonnige Bilder sorgten im Saal für angenehme Laune.

Weiter ging es mit einer Art Episodenfilm aus Argentinien. Terror 5 war dann aber auch für die Zuschauer ziemlicher Terror. Es wurde zwar weder an Blut, noch an Nackedeis gespart, in Sachen Dramaturgie und Intelligenz kochte man hier auf der Sparflamme, und die knapp 80 Minuten wollten und wollten nicht vorbeigehen.

Takashi Miike ist so etwas wie ein NIFFF-Veteran. Deshalb fand hier die Weltpremiere seines neuen Filmes im grossen Saal statt. Der Regisseur, welcher zusammen mit seinem Hauptdarsteller die Bühne betrat, wurde mit donnerndem Applaus begrüsst. Den Zuschauern schien die Manga-Adaption JoJo's Bizarre Adventure: Diamond Is Unbreakable - Chapter 1 - JoJo no kimyô na bôken: Daiyamondo wa kudakenai - dai-isshô zu gefallen. Doch persönlich konnte ich mit der abstrusen, verwirrenden Materie relative wenig anfangen, da der Film offensichtlich für Fans gemacht wurde und zu wenig in die crazy Regeln dieser Welt einführte. Vie Lärm um Nichts also für mich. Der Film fühlte sich mindestens so lange wie sein Titel an...

Howard the Duck hat so seinen Ruf. Die George-Lucas-Produktion ist einer der grössten Flops der Achtziger und basiert auf einem Marvel Superhelden der etwas anderen Art. Dieser ultradoofe Klamauk mit ziemlich unangebrachten Scherzen und einer Liebesgeschichte zwischen einer antropomorphisierten Ente und einer Punkrocksängerin muss man zumindest einmal gesehen haben. So wurde ich an diesem Sonntag also doch noch unterhalten, wenn auch auf die trashige Art.

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss, und dem war auch am dritten NIFF-Tag so. Im Open Air Kino wurde Better Watch Out gezeigt. Die bitterböse Horrorkomödie trumpfte mit einem überraschenden Plot und schockierenden Momenten auf und dürfte sich zum neuer Weihnachtsgeheimtipp für Horrorfans mausern.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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OutNow.CH