"Er ist gezeichnet": Die 11 besten Animationsfilme von 2016

Wer will schon Realität, wenn geniale Köpfe genauso tolle (wenn nicht sogar bessere) Animationsfilme kreieren können? Auch 2016 haben kreative Meister wieder mächtig gezaubert. Hier ist unsere Top 11.

Zum Glück sind die Zeiten längst vorbei, als Disney jedes Jahr einen Zeichentrickfilm ins Kino brachte und sich Animationsfilmfans daneben kaum auf viel mehr freuen konnten. Längst kommen pro Jahr zahlreiche gezeichnete, im Computer animierte, mit 3D-Druckern hergestellte oder von Hand geknetete Heldinnen und Helden auf unsere Leinwände und lassen uns an ihren kunterbunten Abenteuern teilhaben. Wir wagen den Blick zurück und zeigen unsere elf animierten Favoriten von 2016.

11. Louis & Nolan - The Big Cheeserace - Solan og Ludvig: Herfra til Flåklypa

© Studio / Produzent

Ein grossmäuliger Vogel, ein schüchterner Igel und ihr menschlicher Erfinderfreund nehmen an einem Käserennen teil, um ihr Haus zu retten. Das zweite Kinoabenteuer im Flåklypa-Universum des norwegischen Autors und Künstlers Kjell Aukrust begeistert durch frechen, teils atemberaubend schnell vorgetragenen Wortwitz, detailliert modellierte Stop-Motion-Figuren, eine spannende Story und nicht zuletzt mit einem enorm hohen Herzigkeitsfaktor. In unserer Kritik vom Fantoche haben wir sie eine "norwegische Version von Wallace and Gromit" genannt. Mehr davon!

10. Finding Dory

© Disney

Wer hätte gedacht, dass es der neuste Streich von Pixar dieses Jahr "nur" auf Platz 10 einer solchen Liste schafft? Finding Dory ist zweifellos wunderschön gemacht und hat nicht zuletzt mit dem fluchtfreudigen Tintenfisch eine tolle neue Figur eingeführt. Zwar kann man sich des "Hat es den Film denn wirklich gebraucht?"-Gefühls nicht ganz erwehren; das Wiedersehen mit alten Bekannten wie Dory, Marlin und Nemo lässt aber ganz bestimmt nicht nur bei den kleinen Zuschauern ein wohliges Gefühl. Plus: Otten!

9. La jeune fille sans mains

© Studio / Produzent


In beeindruckender Kalligraphie-Ästhetik erzählt Regisseur und Animator Sébastien Laudenbach eines der weniger bekannten, recht happiges Märchen der Brüder Grimm: Eine junge Frau soll vom Teufel geholt werden, ist aber so rein, dass er sie nicht anfassen kann und ihr dafür die Hände abschlagen lässt. Was wie ein brutales Duldermärchen mit Zeigefingerbotschaft anfängt (Habgier ist schleeecht!), entwickelt sich zu einer farbenfrohen, abenteuerlichen Reise einer starken Protagonistin. Aufs Wesentlichste reduziert und ohne Anspruch auf realistische Darstellungskonventionen, zeigen die farbigen Pinselstriche eine magisch besprenkelte Liebesgeschichte voller wunderbarer Metamorphosen.

8. Sing

© Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.


Erst müllen Castingshows jahrelang unsere TV-Abendprogramme voll, und jetzt übernehmen sie auch noch die Animationsfilmabteilung von Illumination Entertainment? Gaht's no?! Weil der Traum von der grossen Sangeskarriere aber von einer ganzen Reihe sympathisch animierter und gesprochener Viecher gelebt wird und das Ganze auch noch von schmissiger Musik begleitet wird, schafft Sing das Unerwartete: eine mitreissende, lüpfige Story zu erzählen und während der ganzen Spielzeit zu unterhalten.

7. Psychonauts, the Forgotten Children - Psiconautas, los niños olvidados

© Studio / Produzent


Die animierte Postapokalypse war selten so niedlich: Eine Truppe Tierkinder versucht von einer verseuchten Insel zu kommen, während ihr Freund Birdboy auf der Flucht vor Drogenfahndern den Schutz der Natur übernommen hat. Irgendwo zwischen albtraumhaften Visionen, Drogenrausch, psychischer Krankheit und postapokalyptischem Endkampf angesiedelt, setzen Comic-Künstler Alberto Vàzquez und Autor Pedro Rivero eine bildgewaltige Geschichte um, die sich aber nicht in visuellen Spielerein verliert, sondern auch inhaltlich wichtige Themen wie Umweltschutz anspricht. Definitiv nichts für Kids!

6. Window Horses

© Studio / Produzent


Poesie in Trickfilmform: Mit dem ersten, durch Crowdfunding finanzierten Film ihrer autobiografischen Kunstfigur Stickgirl befasst sich die Comickünstlerin Ann Marie Fleming mit einigen grossen Themen: dem Schreiben, interkulturellen Freundschaften, der iranischen Kultur und Poesie und nicht zuletzt mit ihrer eigenen Identität. Die einfache Strichfigur inmitten der farbenfrohen Bilder, die historischen und persönlichen Rückblenden und nicht zuletzt der feine, einnehmende Humor weben einen wunderbaren Flickenteppich an Weisheiten und Emotionen, dessen einzelnen Fäden man nur zu gerne folgt.

5. Vaiana

© Walt Disney Animation. All Rights Reserved.


Heisst sie nun Moana oder Vaiana? Egal! Wenn Dwayne "The Rock" Johnson "You're Welcome" singt, schunkeln wir freudig mit, wenn die Discokrabbe "Shiny" anstimmt, hüpfen wir freudig im Sitz auf und ab, und wenn Vaiana bzw. ihre Vorfahren davon singen, die Weiten des Ozeans zu durchsegeln, wischen wir uns ohne Scham ein paar Tränchen aus den Augen. Klar, der Film hat wunderschöne Bilder und tolle Figuren, und nicht zuletzt die Tatsache, dass eine Disney-Heldin ENDLICH mal ohne love interest auskommen darf, freut uns natürlich umso mehr. Es sind aber in erster Linie die tollen Songs aus der Feder von Broadway-Superstar Lin-Manuel Miranda (Hamilton) und Opetaia Foa'i, die begeistern. Helene Fischer in der deutschen Version des Abspannes hätte aber echt nicht sein müssen.

4. La Tortue Rouge

© Studio / Produzent


La Tortue Rouge schafft etwas, was selten auf Spielfilmlänge funktioniert: eine packende Geschichte komplett ohne Dialoge zu erzählen. Unterlegt von packender Musik, setzt die erste europäische Koproduktion mit dem japanischen Traditionshaus Ghibli die volle Robinson-Tour-de-Force durch - und mehr. Denn die rote Riesenschildkröte, die den Schiffbrüchigen nicht von der Insel abreisen lässt, ist natürlich mehr, als man erst vermuten könnte. Ganz nach dem Sagenmotiv der sogenannten Mahrtenehe, zeigt der Film eine wundervoll epische Liebesgeschichte und damit auch, dass packende Animationsfilme auch ohne Blödeleien und Jöö-Faktor funktionieren können.

3. Ma Vie de Courgette

© Praesens Film


Seit der kleine Schweizer Stop-Motion-Film am Filmfestival in Cannes gezeigt wurde, schwärmen nicht nur wir von der wunderschönen Geschichte um den kleinen Courgette (bzw. Zucchini). Eine Gruppe Kinder in einem Waisenhaus wird zu dicken Freunden und erlebt gemeinsam das Auf und Ab des Lebens, das ihnen durch die Erwachsenen auferlegt wird. Es ist eine der Geschichten, bei der man immer das Schlimmste erwartet, das dann aber zum Glück nie eintritt. Trotzdem stehen einem die Tränen fast ständig in den Augen - aber das sind irgendwie auch Freudentränen. Ein Film so herzig wie herzerwärmend, und egal, ob er nun an den Oscars 2017 im Rennen sein wird, auf jeden Fall ein Must-See-Film aus der Schweiz.

2. Zootopia

© Walt Disney Animation. All Rights Reserved.


Eine Stadt voller Tiere mit ihren ganz eigenen Vierteln und Subkulturen, ein mysteriöser Fall um einen verschwundenen Otter und immer häufiger austickenden Raubtieren, und mitten drin eine toughe Häsin und ein Gaunerfuchs, die sich der ganzen Sachen annehmen. Dass ein Disneyfilm toll animiert ist, sind wir uns ja längst gewohnt - aber dass auch eine Story erzählt wird, die gleichermassen für Kinder wie für Erwachsene funktioniert und noch richtig kritische Kommentare zu Ausgrenzung und Dämonisierung bestimmter Gruppen gemacht werden, ist doch eher neu. Aber gerade weil der Film es nicht dabei belässt, bloss herzig auszusehen, sondern durch Witz, Charme, sympathische Figuren und eine - für einen Animationsfilm doch eher ungewohnte - Buddy-Cop-Story auch inhaltlich voll punktet, gehört Zootopia zu den grossen Überraschungen dieses Filmjahres.

1. Kubo and the Two Strings

© Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.


Nicht zufällig ist Kubo and the Two Strings auf fast jeder Jahresbestenliste der OutNow-Redaktion aufgetaucht: Der Stop-Motion-Film um den kleinen tapferen Samurai ist schlicht eine Wucht. Erneut beweist das in Portland ansässige Animationsstudio Laika, dass blosse technische Fertigkeit nicht reicht - auch die Story muss stimmen. Und das tut sie, natürlich: Erneut geht es um einen tapferen jungen Menschen, der sich übernatürlichen Gegnern stellen muss und am Ende nicht durch brachiale Gewalt siegt, sondern durch Cleverness, seine fantastischen Freunde und nicht zuletzt dank eines grossen Herzens. Und dann erst noch die tollen Origami-Effekte! Wir schwärmen und ärgern uns auch heftig drüber, dass nicht mehr Kinozuschauer diesen tollen Film kennen.

Bonus: A Monster Calls

© Impuls Pictures AG


J.A. Bayonas Verfilmung von Patrick Ness' wunderbarem illustrierten Jugendbuch ist ja eigentlich "nur" der beste Film des Jahres 2016, auch wenn viele ihn erst 2017 sehen werden. Ein Grund, warum der Fantasyfilm auch auf dieser Liste auftaucht, sind die animierten Sequenzen, in denen das Baummonster dem Protagonisten Conor seine drei Geschichten erzählt. Diese sind nämlich in wunderbar stilisierter Weise als kleine Trickfilmchen im Film animiert und erinnern mit ihren Farben und dem Figurendesign an klassische Buchillustrationen. Auch diese kurzen Sequenzen sind nicht ganz ohne, handeln sie doch zentral von Tod, Habgier, Machthunger und Gewalt - und doch sind sie nie plump oder zu brutal umgesetzt. Natürlich bietet auch der Rest des Filmes ganz fabelhafte Special-Effects; diese kurzen Szenen verpassen dem Film aber eine ganz eigene, fast schon traumhafte Note.

Welcher Animationsfilm von 2016 hat euch am besten gefallen?

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Quelle
OutNow.CH