Das OutNow.CH-Bestatter-Recap: "Kinderbegräbnis"

Willkommen zurück! Mike Müller bestattet und ermittelt zum fünften Mal. Heute auf dem Programm: ein Kinderskelett im Kunsthaus, ein neuer grimmiger Bösewicht und eine altbekannte Rückkehrerin.

Diese Paparazzi immer... © Media Relations SRF

WARNUNG: DIESER TEXT ENTHÄLT SPOILER!

Nach dem Ausflug aufs Lande ist dieses Jahr wieder das mondäne (sic!) Aarau Ort des verbrecherischen Geschehens. Genauer das Kunsthaus mit seiner schicken Kuratorin, die - so scheint es - als neuer "Love interest" von Luc Conrad etabliert wird. Zumindest ist dieser ganz hin und weg von ihrem Lateinunterricht und ihrem Berufsverständnis als Kunst-Bestatterin. Da kann Conrads On-Off-Freundin Anna-Maria Giovanoli ("störi?") nur verwundert zuschauen.

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Sie lernt dafür beim Joggen den charmanten Sebastian kennen, mit dem sich eine Romanze anzubahnen scheint. Dumm nur, dass es sich dabei um den Bösewicht der Staffel handelt - wie wir Zuschauer bereits wissen. In dieser Staffel erleben wir Zuschauer die Geschehnisse nämlich zusätzlich auch aus Täterperspektive. In Drehbuchautoren-Sprache ist die Staffel also nicht als "Whodunit?", sondern eher als "Howcatchem" konzipiert. Heisst: Es geht weniger darum, wer der Übeltäter ist, da das schon von Beginn weg bekannt ist; stattdessen steht die Überführung des Täters im Vordergrund.

Mit dem von Roeland Wiesnekker gespielten Hobby-Photographen Sebastian bauen die Macher hier einen gefährlichen Gegenspieler von Luc Conrad auf, der sich via Anna-Maria Giovanoli im Privatleben der Ermittler einzunisten versucht. Und offenbar geht es dabei um alte Rechnungen, denn die Kindsentführung, um die es hier geht, war vor 10 Jahren unter der Verantwortung des damaligen Polizisten Luc Conrad. Dass Sebastian ein abgrundtief böser Psychopath sein muss, sieht man übrigens in derjenigen Szene, in der er sich an einem zerbrochenen Spiegel die Barthaare schneidet. Ich meine, hey, welche kranke Seele macht denn sowas?

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Wie auch immer. Der Auftakt mit dem Kinderskelett ist gelungen und schafft eine makaber angehauchte Atmosphäre. Mit Tobias Fluri und seiner Ex-Frau Irene Blumer, den Eltern der vor 10 Jahren entführten Anouk, werden zwei weitere neue Nebenfiguren eingeführt, die in den kommenden Folgen sicher noch eine wichtige Rolle spielen werden. Vor allem Fluris Rolle ist zunächst noch undurchsichtig. Weshalb lügt er beispielsweise den gewohnt tapsig agierenden Dörig im Kreuzverhör an, er hätte sich aus den Handschellen befreien können? Dafür wäre doch gar keine Notwendigkeit gewesen.

Ansonsten ist natürlich auch die bekannte Bestatter-Familie wieder mit von der Partie. Fabio - neu mit Totenkopf-Visitenkärtchen - emanzipiert sich immer mehr von seinem Lehrmeister und liest diesem ordentlich die Leviten, weil er sich, in Erikas-Abwesenheit, nicht zum Aufräumen aufraffen kann. Gut, dass Erika früher als gedacht genug zu haben scheint vom Reisen um die Welt und im Bestatter-Haushalt zum Rechten schaut.

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Luc Conrad kann sich derweil wieder seinem Lieblingshobby widmen: dem Ermitteln. Dabei wird er allerdings auch von Albträumen geplagt. Etwas langfädig sind diese Szenen, in denen er Anna-Maria den Traum weitererzählt - aber sie dienen natürlich der Vorbereitung für den Cliffhanger am Ende, in dem sein Kopf in ein Gemälde hineingephotoshopt wird; just in dasjenige Gemälde, in dem er sich in betreffendem Traum gewähnt hat. Wobei sich die Frage stellt, woher der Bösewicht dies weiss. Hat er etwa seine neu aufgebauten Connections schon nutzen können? Wir werden's bestimmt bald erfahren.

Fazit

Nach den spannenden ersten Minuten flacht dieser Staffelauftakt in der zweiten Hälfte etwas ab und verliert sich zuweilen etwas stark im Wer-räumt-auf-Gezänk oder in Traumfängereien. Die Spannung hält sich in Grenzen, doch wird mit Roeland Wiesnekker als Sebastian ein interessanter neuer Gegenspieler eingeführt. Dass wir dabei auch dessen Perspektive miterleben, ist eine willkommene dramaturgische Abwechslung. Da kommt noch einiges auf Bestatter Conrads Team zu.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Kommentare Total: 1

muri

Wiesnekker macht neugierig auf die nächsten Folgen. Rest ist Business as usual.

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