"Thank you for these movies": Chris' Lieblings-Filme von 2016

Was? Schon wieder ein Jahr rum? Juhuu, Listenbasteln! Nach grossem Ringen mit mir selbst (ich habe am Ende gewonnen), präsentierte ich euch meine elf Favoriten von diesem Kinojahr.

Mein Filmjahr 2016 hat denkbar schlecht angefangen. Beim traditionellen Silvester-Filmmarathon wurde als erstes nach Mitternacht Adam Sandlers The Ridiculous 6 auf Netflix ausgewählt. Um Himmels Willen, war diese "Komödie" schlecht. Positiv denken war danach angesagt, denn es konnte danach nur noch besser gehen. Und es wurde besser. Das Kinojahr 2016 hatte viele Highlights zu bieten, wobei ich Knausriger sogar vier Mal die sechs Sterne verteilt habe.

Meine Liste beinhaltet alles Filme, die ich 2016 im Kino sah und das Produktionsjahr 2016 tragen. Durch das Besuchen der Filmfestivals von Cannes und Toronto hat es auch ein paar Filme in der Liste, die noch gar nicht in unseren Kinos gelaufen sind. Ohne weiteres Blabla, hier meine Liste der 11 besten Filme von 2016.

11. Colossal

© Studio / Produzent

Gleich ein Film, der momentan von einem Schweizer Kinostart weit entfernt ist. Colossal ist ein wunderbarer WTF-Film mit einem fast schon überraschend guten Cast. Es geht darin um die Partynudel Gloria (Anne Hathaway), die in ihren Heimatort zurückkehrt und nach einer wilden Sauftour TV-Berichte über ein Monster sieht, welches Teile von Seoul vernichtet hat. Hat Gloria etwas mit der Zerstörung am anderen Ende der Welt zu tun? Die Antwort auf diese Frage ist unglaublich komisch sowie absurd und trägt den Film wunderbar durch die 110 Minuten. In weiteren Rollen sind Jason Sudeikis als Kindheitskumpel und Dan Stevens als Glorias besorgter Freund zu sehen. Ein echter Geheimtipp, auf den wir euch sicher wieder aufmerksam machen werden.

10. Zootopia

© Walt Disney Animation. All Rights Reserved.

Einer der besseren Krimis von 2016 kam aus einem für dieses Genre eher ungewöhnlichen Studio: Disney. Der Animationsfilm Zootopia, in dem eine Hase und ein Fuchs das Verschwinden eines Otters aufklären müssen, war jedoch nicht nur spannend, sondern hatte auch wichtige Botschaften über Vorurteile und ein friedliches Zusammenleben zu bieten. Dinge, die in einem Jahr, in dem die Amis einen rassistischen Immobilienheini zum Staatsoberhaupt gewählt haben und die Schweizer über die Durchsetzungsinitiative abstimmen mussten, aktueller nicht hätten sein können. Bravo, Disney.

9 . The Nice Guys

© Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Solche Filme wie The Nice Guys macht Hollywood kaum mehr: eine Film-Noir-Detektivstory, in denen die Kugeln genauso oft ins Schwarze treffen wie die Witze. Der Plot ist nicht gerade der schlauste, doch mit jeder Menge Situationshumor, gewitzten Dialogen und ein paar netten Actionszenen kaschiert Black dies ganz gut. Vor allem Gosling als scheinbar planloser Detektiv ist grossartig, wenn er Hitler-Vergleiche zieht und mal wieder irgendwo herunterfällt. Schade, dass dem Film kein grosser Erfolg beschert war. Doch mit der Zeit wird The Nice Guys als das anerkannt werden, was er ist: ein grossartiges Buddy-Movie, das seinen Platz neben Genre-Klassikern wie Lethal Weapon und The Last Boy Scout (beide übrigens auch von Shane Black geschrieben) einnehmen wird.

8. Captain America: Civil War

© Marvel

Das Aufeinandertreffen von Steve Rogers und Tony Stark war das, was man sich eigentlich vom zweiten Avengers-Film erhofft hatte: ein Film über Konsequenzen. War Age of Ultron jedoch nur ein weiteres Abenteuer für die Heldentruppe, führte Civil War Dinge aus den anderen Filmen zusammen, die dramatische Folgen hatten. Marvel erntete die Früchte, auf die man fast 13 Filme hingearbeitet hatte. Vor allem das Finale gab einem das Gefühl, dass es sich hier um ein grosses Ende einer Reihe handelt. Das Ganze war so mitreissend, da man mit (fast) allen Figuren vertraut war und ihre Handlungen verstehen konnte. Jede Emotionen fühlte sich verdient und erkämpft an, was den Film der Russo-Brüder viel interessanter, aufregender und spannender machte, als bei der Konkurrenz von DC, wo man dasselbe in 150 Minuten machen wollte. Und dabei haben wir noch gar nicht die beste Actionszene des Jahres (der Kampf am Flughafen) und den Auftritt von Spider-Man erwähnt. Captain America: Civil War ist einer besten Superheldenfilme aller Zeiten.

7. Arrival

© Sony Pictures Releasing International. All Rights Reserved.


Seit Prisoners warte ich sehnsüchtig auf jeden neuen Film von Denis Villeneuve. Doch ich muss zugeben, dass ich zu Beginn des Abspanns von Arrival etwas enttäuscht war. Der Film fühlte sich etwas dünn an und erinnerte mich etwas zu sehr an The Day the Earth Stood Still. Doch als Max Richters "The Nature of Daylight" über die Credits spielte, dachte ich genauer über den Film nach und über das, was uns Villeneuve nicht zeigte. Denn Arrival setzt mit seinem brillanten Ende das grösste Drama nämlich erst auf. Je mehr ich darüber nachdachte und mir Richters Musikstück immer wieder anhörte, desto mehr brach Arrival mir das Herz - im positiven Sinne. Ein Film, der im Kopf besser und besser wird. Blade Runner 2049 kann nicht früh genug kommen.

6. Moonlight

© DCM

Besser als Kollege Simon (ebe) kann ich es nicht ausdrücken: "Moonlight gehört ja zu der Sorte Filmen, bei denen man den Plot liest und denkt, man wisse genau, was auf einen zukomme: Probleme eines schwarzen Homosexuellen im Drogenmilieu. Engagiertes Independent-Kino, das einem die politisch korrekte Message mit gutgemeinter Penetranz ins Gesicht drückt. Doch die Stärke dieses Filmes liegt eben genau darin, dass er diese Erwartungen konsequent unterwandert. Er ist anders. Und das auf eine solch sensible und so berührende Art, dass man sich dabei der Tränen kaum erwehren kann."

5. Everybody wants some!!

© Pathé Films

Ein Film, den ich für kommende schwerere Lebensphasen griffbereit haben werde. Ein Film über angehende College-Studenten, die drei Tage lang die Sau rauslassen. Everybody Wants Some ist zwei Stunden langes Gute-Laune-Kino mit Figuren, die man nur als "geile Sieche" bezeichnen kann und das Lebensgefühl "nicht viele Verpflichtungen, aber immer genügend Bier" perfekt einfängt. Dazu gibt es genialen 80s-Sound, eine süsse Lovestory und magische Momente wie die "Rapper's Delight"-Autoszene. Schade, dass diesen Nostalgietrip nur die Wenigsten sehen wollten.

4. Kubo and the Two Strings

© Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Auch ein Film, der von mehr Zuschauern hätte gesehen werden sollen, ist Kubo and the Two Strings. Dabei war ich ehrlich gesagt selbst etwas zögerlich. Die Laika-Filme fand ich bisher zwar gut, aber nie herausragend. Mit dem absichtlich hässlichen Figurendesign und dem speziellen Humor konnte ich bisher nicht viel anfangen. Doch Kubo ist so liebenswürdig gemacht und hat eine Geschichte, die wirklich zu Herzen geht. Ja, ich habe am Ende geweint, was meistens ein gutes Zeichen für die Bewertung ist. Von mir gab es dann auch aufgrund der tollen Actionszenen, die zu den besten des Jahres gehören, die vollen sechs Sterne. Ein magischer Film, dank dem ich vielen Laika-Produktionen eine zweite Chance geben möchte.

3. I, Daniel Blake

© filmcoopi

Der nächste "Brüehli-Film" auf dieser Liste. I, Daniel Blake zeigt das Schicksal eines Zimmermannes, der nach einem Herzinfarkt für Sozialgelder kämpfen muss. Der engagierte letzte Film von Regisseur Ken Loach trieb mir mehr als einmal die Tränen in die Augen und liess mich den ganzen Abspann bei der Visionierung in Cannes absitzen, während die anderen Journis schon wieder abdüsten. Ich wollte mit meinen Emotionen kurz alleine sein. Dieser Film geht unglaublich nahe und sollte von jedem mindestens einmal angesehen werden. Völlig zu Recht gab es dafür die goldene Palme von Cannes.

2. La La Land

© Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Damien Chazelle hat mit Whiplash nur meinen Lieblingsfilm von 2014 gedreht. Also zu sagen, dass ich hohe Erwartungen an La La Land hatte, ist eine heftige Untertreibung. Und erneut hat mich der Regisseur begeistert. Das Musical begeistert mit wunderbarer Kameraarbeit, tollen Tanznummern (die Eröffnungssequenz!) und einem wunderbaren Schauspielerpaar im Zentrum. Der Soundtrack wird seit einigen Wochen rauf- und runtergehört und den Song "Another Day of Sun" kann ich auswendig mitsingen. Ein Film, den ich vom Kinostart am 12. Januar 2017 an allen Verwandten und Bekannten ins Gesicht drücken werde! Schaut euch alle diesem magischen und herzerwärmenden Film an!

1. Free Fire

© Cinejoy Movies


Jeder Filmfan kennt dieses Gefühl: "Dieser Film ist so perfekt. Es fühlt sich an, als hätte der Regisseur den Streifen nur für mich gemacht." Jede Szene wird vom Betrachter mit einem Grinsen verfolgt und man kann selbst nicht fassen, dass man endlich wieder einen solchen Film gefunden hat, den man sein "eigen" nennen kann. Introducing Free Fire. Der Ballerfilm von Regisseur Ben Wheatley ist salopp gesagt Reservoir Dogs auf Speed. Ein Deal zwischen amerikanischen Waffendealern und IRA-Männern geht fürchterlich schief und veranlasst die Parteien dann dazu, die nächsten 70 Minuten aufeinander zu schiessen. Da die Treffsicherheit jedoch zu wünschen übrig lässt, kriechen alle irgendwann am Boden herum und werfen sich Nettigkeiten an den Kopf. Ein unglaublich lustiger, actionreicher, nie langweiliger, wilder, durchgeknallter und für mich perfekter Film, wie man ihn nur alle paar Jahre sieht. Ich liebe Free Fire. Wo ist bloss der Schweizer Kinostart?

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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OutNow.CH