"Unsere Zeit ist jetzt": Das Interview mit Rapper Cro und Regisseur Martin Schreier

Meistens trägt er eine Pandamaske. Doch für das Interview mit OutNow.CH legte er sie ab. Wir trafen die deutsche Rap-Sensation zusammen mit Regisseur Martin Schreier, um über ihren Film zu sprechen.

Unsere Zeit ist jetzt ist kein Biopic über den Rapper Cro. In dem Film von Martin Schreier geht es um drei unterschiedliche Jungregisseure, die alle einen Film über Cro drehen sollen. Dawid, Vanessa und Ludwig machen dabei Erfahrungen, die sie nachhaltig verändern werden. Warum wollte der Rapper, der regelmässig ganze Stadien mit Fans füllt, dieses Mal nicht im Mittelpunkt stehen? Und wie entstand die Idee mit den drei Regisseuren? Und wie zum Teufel hat es der Schweizer Fussballnationalspieler Timm Klose in den Film geschafft? Die Antworten gibt es alle im Interview, für welches Cro (eigentlich Carlo Waibel) übrigens seine Maske ablegte. Fotos waren während des Gesprächs leider keine erlaubt. Sorry...

Im Zentrum des Filmes stehen die drei Filmemacher, die Cro porträtieren möchten. Cro selbst steht im Vergleich überhaupt nicht im Mittelpunkt. Wieso ist das so?
Carlo: Ich wollte mich nicht in den Vordergrund drängen. Nicht so ein eitler Film über mich, wie man sieht, wie ich mich schminke (lacht). Ich bin eher so wie ein Kleber, der die Geschichten zusammenklebt.
Martin Schreier: Das war so beabsichtigt. Cro-Fans werden ihn in dem Film überall spüren und können viel Neues über ihn entdecken. Aber der Film soll auch für andere Leute funktionieren. Nicht, dass man sagt: "Ach, das ist ein Film über diesen Musiker, mit dem ich nichts anfangen kann und deshalb gehe ich hier nicht rein." Wir haben versucht, diesen Film für ein möglichst grosses Publikum zu machen.

Gedreht werden von diesen Regisseuren eine Dokumentation, ein Animationsfilm und ein Blick in die Zukunft. Wie ist diese Idee entstanden? Hattet ihr drei Drehbücher, die ihr alle gut fandet und habt dann aus der Not eine Tugend gemacht?
Carlo: Es gab wirklich drei Drehbücher.
Martin Schreier: Es waren eher Ideen. Wir hatten immer das Ziel, etwas Aussergewöhnliches zu machen und nicht einfach ein weiteres Biopic. Carlo macht auch aussergewöhnliche Musik. Sie hat eine Leichtigkeit, aber auch eine gewisse Tiefe und das wollten wir auch mit dem Film erzeugen. Deswegen musste unser Film was Verrücktes sein.

Was waren die Vorbilder für die coole Eröffnungssequenz mit der Schiesserei im Film-noir-Stil?
Martin Schreier: Diese haben wir zuletzt gedreht. Wir wollten eigentlich was mit Kampfrobotern machen und Cro wäre danach mit einem Panda-Roboter aufgetaucht... - völlig utopisch, sowas in Deutschland drehen zu wollen. Cro kam dann mit der Idee, eine coole "Chicago-Nummer" zu drehen im Stile von Public Enemies, The Untouchables...
Carlo: Ich liebe sowas.
Martin Schreier: Ich weiss (lacht). Wir haben uns auch überlegt, einen auf Western zu machen, aber Carlo hat sich am Ende durchgesetzt.

Dann hattet ihr also die Möglichkeit, während den Dreharbeiten verschiedene Sachen zu ändern.
Martin Schreier: Ja wir haben während des Drehs viel am Buch gearbeitet. Jeder konnte sich einbringen, von (Produzent) Til Schweiger über die Schauspieler bis hin zu Carlo.
Carlo: Ich hab mich nie eingebracht.
Martin: Die meiste Zeit hat er beim Monitor nur geschlafen und geschnarcht (lacht).

Was war bei Unsere Zeit ist jetzt zuerst? Musik oder Film?
Carlo: Zuerst war der Film. Wir hatten also nicht zuerst die Musik und mussten dann einen Film drum herum bauen, sondern ich habe die Musik für den Film geschrieben.

Die drei Regisseure unterscheiden sich vom Charakter her sehr voneinander. Siehst du Züge von dir in diesen Figuren?
Carlo: Das kann man so sagen. Ich habe in mir drin einen, der sich gar nichts traut, ein wildes Tier, aber auch ein bisschen was von einem Autisten.
Martin Schreier: Genau dies war das Ziel. Auch wenn er nicht im Fokus steht, repräsentieren alle Aspekte dieses Filmes irgendwo ihn, sein kreatives Schaffen und ihn als Menschen. Wer übrigens während des Abspanns sitzen bleibt, kriegt dann noch eine Auflösung, was dies betrifft.

Eine kleine Gastrolle im Film hat auch der Schweizer Fussballspieler Timm Klose. Wie ist es dazugekommen?
Martin Schreier: Timm Klose ist der beste Freund von einem unserer Hauptdarsteller, Marc Benjamin. Der hat mich einfach gefragt, ob es eine Möglichkeit gibt, diesen unterzubringen. Ich habe zugesagt, habe aber angemerkt, falls Timm das mit der Schauspielerei nicht hinkriegt, dann schneide ich ihn raus. Der hat das Ganze aber sehr charmant und witzig gemacht, dass es im Film geblieben ist.

Ich sage jetzt noch das Schweizerischste, das ihr heute hören werdet: Sein Name ist im Abspann falsch geschrieben. Dort steht Tim Klose statt Timm Klose.
Michael Schreier: Ähm, hmmm *räusper* Ja gut, dann muss ich nachher noch jemanden feuern (lacht). Wen muss ich aber noch gucken. (lacht)

In einem der Filme im Film sieht man Cros Leben in 30 Jahren. Wie stellt sich Cro selbst sein Leben in 30 Jahren vor?
Carlo: Keine Ahnung, bin kein Prophet, habe ja keine Glaskugel. Aber ich würde sagen höher, besser, glücklicher, noch schöner (lacht).

Unsere Zeit ist jetzt läuft ab dem 6. Oktober 2016 in den Kinos.

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OutNow.CH