Das Cannes-Tagebuch von OutNow.CH - Tag 8: Erlebniskino

Interessant bei Cannes-Premieren sind ja jeweils die Reaktionen beim Abspann: euphorischer Applaus oder empörte Ablehnung. Heute ging's mal wieder heiss zu und her in der "Salle Debussy".

Wir haben's geschafft! Nach zwei Stunden Gegrillt-Werden unter praller Sonne beziehungsweise - bei den gelben Badges - drei Stunden Ausharren an vorderster Front vor der "Salle Bazin" können wir die Erfolgsmeldung machen: Ja, wir waren dabei. Wir haben The Neon Demon gesehen.

Und es hat sich gelohnt. Nicht mal so unbedingt wegen des Filmes an sich (die Review folgt so bald als möglich), sondern wegen der Publikumsreaktion. Die war nämlich wieder einmal Erlebniskino pur! Wenn es ein Regisseur schafft, bei gestandenen Filmkritikern dermassen starke Emotionen hervorzulocken, dass sie sich nicht nur zu Buh-Rufen, sondern gar zu einem herausgeschrienen "Fuck you!" beim Abspann hinreissen lassen, dann verdient das schon ein klein wenig Respekt. Und das ganz unabhängig von der Qualität des Filmes. Dieser ist nämlich - so viel sei der Review schon mal vorweggenommen - ein stylischer Chabischäs.

Nicht geklappt hat's übrigens mit dem Hereinkommen bei Gimme Danger, dem ausser Konkurrenz gezeigten Dokumentarfilm von Jim Jarmusch - nicht zu verwechseln mit dem Busfahrer-Poeten-Film desselben Regisseurs, der im Wettbewerb lief. Diesen haben wir natürlich längst abgehakt. Dort haben die Kritiker übrigens - zu unserem Unverständnis - begeistert applaudiert.

Unsere neuesten Reviews

Competition:

  • Aquarius - Kleber Mendonça Filho
    Der brasilianische Wettbewerbsbeitrag war Kritiker crs zu lang. So ortet er zu viele unnötige Alltagssequenzen, die die eigentlich interessante Geschichte unterbrechen. Zur Kritik

Quinzaine des réalisateurs:

  • Raman Raghav 2.0 - Anurag Kashyap
    Der neue Film des Regisseurs von Gangs of Wasseypur wurde mit Spannung erwartet - trotzdem konnte er Kritiker jon nur bedingt überzeugen. Zur Kritik
  • Les Vies de Thérèse - Sébastien Lifshitz
    Das Porträt der Frauenrechtlerin Thérèse Clerc bietet gemäss Kritiker jon einen interessanten und zum Nachdenken anregenden Einblick in ein aussergewöhnliches Leben. Zur Kritik
  • L'effet aquatique - Sólveig Anspach
    Die romantische Komödie der leider kürzlich verstorbenen Regisseurin besteht gleich aus drei Plots - wovon immerhin zwei funktionieren, findet Kritiker jon. Zur Kritik
  • Mercenaire - Sacha Wolff
    Endlich mal ein Sportfilm, der nicht nach Schema X abläuft. Kritiker yab war angetan von diesem Film über einen Rugby-Spieler. Zur Kritik

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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