Die 11 Must-See Märchenfilme (die nicht von Disney produziert wurden)

In "The Huntsman: Winter's War" nimmt "Thor" zum zweiten Mal das Jägerbeil in die Hand, und wir verraten, welche wunderbaren bis grusligen Filmmärchen abseits der Marke Disney einen Blick wert sind.

Ausschnitt aus "The Princess Bride" © 20th Century Fox

Märchen sind rund um den Globus verbreitet und bei Gross und Klein beliebt. Gerade weil es oft sehr einfache Erzählungen sind, kann man sie in unendlicher Variation neuinszenieren und uminterpretieren. Kein Wunder, besinnt sich die Filmindustrie regelmässig auf die Klassiker der Erzähltradition zurück und bringt die gesammelten Werke der Brüder Grimm und Co. in immer neuem Kleid in die Kinos.

Zum Start von The Huntsman: Winter's War, dem Prequel/Sequel von Snow White and the Huntsman, haben wir unsere Archive durchforstet und die unvergesslichsten, schönsten oder schlicht ungewöhnlichsten Märchenfilme zusammengetragen, die man unbedingt gesehen haben sollte. Wer nun eine Reihe von Disney-Klassikern erwartet, hat übrigens falsch gedacht: Die 11 besten Disneyfilme bekommen nächste Woche einen eigenen OutNow's-Eleven-Beitrag.

11. Snow White and the Huntsman

2012 kamen innerhalb weniger Wochen gleich zwei Schneewittchen-Adaptionen in unsere Kinos. Ob nun der satirische Mirror Mirror (mit Julia Roberts) besser war oder dieses Fantasy-Epos mit Chris Hemsworth und Kristen Stewart, ist natürlich Geschmackssache. Weil Snow White and the Huntsman aber auf die lieblich-romantische Note vieler Märchenverfilmungen verzichtet, hat diese düster inszenierte Allegorie auf Niedergang und Wiedergeburt eines Landes die Nase ein bisschen vorne. Im Gedächtnis bleibt vielleicht nicht Schneewittchens eher einseitiger Gesichtsausdruck, sicher aber die imposanten Schlachten, tollen Spezialeffekte und nicht zuletzt Charlize Theron in der Rolle der genial bösen Königin Ravenna.

Magischster Märchenmoment

Obsidian-Monster lenken die Krieger ab, während Schneewittchen und Königin Ravenna den Endkampf unter sich ausmachen.

10. The Company of Wolves

Auf keinen Fall für Kinder ist diese (alb-)traumartige Umsetzung von Angela Carters Kurzgeschichte The Bloody Chamber, welche ihrerseits eine feministische Neuinterpretation von Rotkäppchen ist. Die Autorin selbst schrieb mit Regisseur Neil Jordan das Drehbuch, das drei Erzählebenen aufweist: Ein Mädchen in der Gegenwart träumt vom Mädchen Rosaleen in einem seltsam unrealistischen Wald, das wiederum verschiedene gruselige Geschichten erzählt bekommt oder selbst erzählt. Im Zentrum stehen dabei die Beziehungen zwischen den Geschlechtern und immer wieder das Bild des (Wer-) Wolfes, denn, so sagt zumindest die von Angela Lansbury gespielte Grossmutter: Die gefährlichsten Männer sind die, die innen haarig sind und zusammengewachsene Augenbrauen haben. Wer eine zusammenhängende, zielgerichtete Geschichte erwartet, ist hier falsch; die effektvolle Schaueratmosphäre und die teils grausigen Verwandlungssequenzen verleihen dem Film aber einen ganz eigenen Charme.

Magischster Märchenmoment

Nachdem ein Mann in der Hochzeitsnacht verschwand und Jahre später plötzlich wieder auftaucht, setzt er sich zu seiner Ex an den Znachttisch und zieht sich die Haut vom Gesicht ab. Bon appétit!

9. Ella Enchanted

Absolut unterschätzt ist Anne Hathaways Ausflug in die Märchenwelt. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Gail Carson Levine, das Cinderella auf clevere Weise umschreibt, erzählt der Film von einem Mädchen, das unter einem äusserst unangenehmen Fluch leidet: Bei der Geburt wurde sie von einer Fee mit der Gabe der Gehorsamkeit "beschenkt" - sie muss also alles tun, was man ihr befiehlt. Wie es später auch in Filmen wie Penelope oder Frozen zu sehen war, muss die Heldin am Schluss natürlich die Lösung für ihr Problem in sich selbst finden. Fans der Buchvorlage können häufig wenig mit dem Film anfangen, schliesslich wollten die Filmproduzenten auch völlig sinnfreie Zusätze (wie etwa rotgewandete Ninjas) einbauen. Trotzdem ist der Film voller witziger Details, liebenswürdiger Figuren und transportiert eine positive Botschaft - und ist damit ein fabelhafter Kandidat zum Immer-wieder-Anschauen.

Magischster Märchenmoment

Prinz "Char" will die Prinzessin heiraten, sie hat den Befehl, ihn zu töten. Drama!

8. Ladyhawke

Strenggenommen basierend auf einer Sage, erzählt der im französischen Mittelalter spielende Film von der tragischen Geschichte eines Liebespaares: Captain Navarre und seine Geliebte Isabeau - gespielt von einem unglaublich jungen Rutger Hauer und der wunderschönen Michelle Pfeiffer - wurden von einem rachsüchtigen Bischof verflucht: Während Isabeau am Tag die Form eines Falken annimmt, verwandelt sich Navarre in der Nacht in einen Wolf. Mithilfe von Matthew Broderick - hier noch vor seinem Durchbruch als Ferris Bueller - versuchen die beiden, den Fluch zu brechen, um endlich wieder vereint zu sein. Der Achtzigerjahre-Synthiepop-Soundtrack zu mittelalterlichen Bildern mag vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig sein, die magisch verunmöglichte Liebe macht den fast schon vergessenen Film von Superman-Regisseur Richard Donner aber zum zeitlosen Klassiker.

Magischster Märchenmoment

Ein einziges Mal bei Sonnenaufgang kann sich das Liebespaar wieder für einen kurzen Moment in die menschlichen Augen blicken. *tränenwegwisch*

7. Shrek

Die Unmengen an immer schlechter werdenden Sequels lassen es uns vielleicht vergessen, aber das erste Abenteuer vom grünen Oger, seinem ewigquasselnden Esel und Prinzessin Fiona war wirklich etwas ganz Neues. Eigentlich ein einziger Seitenhieb auf die verkitschte Disney-Märchenindustrie, ist Shrek doch laut, ungehobelt, unanständig - und zeigt doch ganz viel Herz.

Magischster Märchenmoment

Die Entscheidung fällt uns schwer - und am besten ist sowieso die fetzige Musik. Drum hier der Trailer.

6. Die Abenteuer des Prinzen Achmed

Disneys Snow White and the Seven Dwarfs von 1937 gilt als erster abendfüllender Trickfilm der Filmgeschichte. Wenn man neben den gezeichneten allerdings auch andere Formen des Animationsfilms miteinbezieht, gab es noch einen deutlich älteren, der sogar aus Deutschland stammt. Denn bereits 1926 erschien Lotte Reinigers Scherenschnittfilm, der sich bei Motiven aus Tausendundeine Nacht bedient (unter anderem Aladin). Ohne gesprochene Dialoge und nur mit wenigen eingeblendeten Texttafeln, zeigt Reinigers Meisterwerk filigrane Schattenfiguren und kann trotzdem eine spannende Story erzählen. Die leuchtend strahlenden Hintergrundfarben und die epische Musik tragen das Ihre zum unvergesslichen Feeling dieses Klassikers bei.

Magischster Märchenmoment

Auf seinem fliegenden Pferd ist Prinz Achmed ins Land der Dämonen gereist, wo er auf die wunderschöne Fee Pari Banu trifft und sie beim Baden beobachtet.

5. Stardust

Neil Gaimans gleichnamige Romanvorlage war ja eigentlich eine Dekonstruktion eines Märchens, die sich mehrfach bewusst gegen typische Märchenwendungen stemmt. Matthew Vaughns Film kehrt dies zwar wieder um und geht zurück zum klassischen Märchenschema - dies heisst jedoch nicht, dass der Film keine moderne Note hat, ganz im Gegenteil: Wie immer bei Vaughns Filmen hervorragend inszeniert und choreographiert, ist Stardust gespickt mit frechen Einfällen - allen voran dem grossartigen "Crossdresser-Piraten" Shakespeare, herrlich unkonventionell gespielt von Altstar Robert De Niro. Dank der schönen Bilder, der spannenden Wendungen und der schönen Lovestory wird der Film so auch mit jeder Sichtung besser. Dies liegt nicht zuletzt am Hauptdarsteller Charlie Cox (Daredevil), der einen richtig feschen Märchenhelden abgibt.

Magischster Märchenmoment

Septimus vs. Piraten, Captain Shakespeare in Frauenklamotten. Everybody fight!

4. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Gefühlte 57-mal (mindestens!) wird dieser Klassiker hierzulande jährlich zur Weihnachtszeit im Fernsehen gezeigt - verleidet ist er vielen deshalb noch lange nicht. Die tschechisch-deutsche Koproduktion von 1973 adaptiert streng genommen nicht Grimms Aschenputtel, sondern die tschechische Version von Bozena Nemcová. Im Gedächtnis bleibt der wunderschöne Film durch die wunderschöne Hauptdarstellerin Libuse Safránková, die grossartigen Schneeaufnahmen (ursprünglich hätte der Film ja im Sommer spielen sollen) - und natürlich durch die unvergessliche, zugegebenermassen deutlich an der Kitschgrenze schwelgende Musik.

Magischster Märchenmoment

Lalalaaa! Die Musik läuft und wir schwelgen dahin - hier der Trailer.

3. Ever After - A Cinderella Story

Noch einmal Cinderella, vielleicht aber in seiner schönsten Umsetzung: Drew Barrymore spielt die hart arbeitende, für ständische Gleichberechtigung kämpfende Danielle, die nach Jahren der Entbehrungen unter der Knute von Stiefmutter Anjelica Huston ihren Märchenprinzen findet. Aufgrund des Anspruchs an (pseudo-)historische Korrektheit - in der Rahmenhandlung erzählt eine Nachfahrin der Protagonistin den Brüdern Grimm die angeblich wahre Geschichte - fehlt in dieser Version alles Magische. Als Feen-Ersatz springt Leonardo Da Vinci ein. Die grossartigen Bilder und die Neuintrepretation der klassischen Dulderfigur Cinderella als starke junge Frau machen das Ganze zum unbedingt sehenswerten Filmmärchen.

Magischster Märchenmoment

Danielles grosser Auftritt auf dem Ball - bevor alles schief geht...

2. Pan's Labyrinth

Guillermo del Toros wohl bester Film ist keine Märchenadaption, gehört aber aus mehreren Gründen trotzdem ganz vorne auf diese Liste. Erstens geht es in der Geschichte der kleinen Ofelia ganz zentral um Märchen und den Glauben an die Märchenwelt, aus der sie (vielleicht?) stammt; zweitens könnten die drei Aufgaben, welche die Heldin bestehen muss, direkt einem russischen Zaubermärchens entsprungen sein. Die gruselig-schöne Märchenästhetik, die sowohl Parallele wie auch Gegensatz zur grausamen Realität zur Zeit nach dem spanischen Bürgerkrieg ist, ist abstossend und faszinierend zugleich. Und ist der Faun nun wirklich real oder geschieht alles nur in Ofelias Kopf? Man weiss es nicht - und das ist gut so.

Magischster Märchenmoment

Nach dem Faun ist der Film benannt - im Gedächtnis bleibt aber der Pale Man, der Augen hat, wo sie nicht sein sollten. Lauf, Ofelia, lauf!

1. The Princess Bride

An den Kinokassen ging der Film unter, weil man nicht wusste, wie der Film zu vermarkten war. Ist es nun ein Märchen, ein Abenteuerfilm, eine Parodie, oder alles zusammen? Über die Jahre hat sich die Filmversion von William Goldmans nicht minder genialen Romanvorlage aber zu einem wahren Kultfilm gemausert, dessen wunderbaren Zeilen oft und gerne zitiert werden - wie es heisst, soll Regisseur Rob Reiner sogar schon von berüchtigten Mafiosi abgepasst worden sein, die ihm dann den berühmten Spruch vorgetragen haben: "My name is Inigo Montoya. You killed my father. Prepare to die." Unvergessliche Darsteller, eine wunderschöne Liebesgeschichte, grossartige Kampfszenen, eine liebenswert-witzige Rahmenhandlung, und ja, sogar die schlecht gemachten RVAGs (Ratten von aussergewöhnlicher Grösse) machen den Film zum unvergesslichen Filmerlebnis.

Magischster Märchenmoment

Der Film hat einfach alles: Fechtkämpfe. Schlägereien. Folter. Rache. Riesen. Verfolgungsjagden. Fluchten. Wahre Liebe. Wunder. Hier der Trailer.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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OutNow.CH
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Kommentare Total: 6

pps

@woc: Ja, die Unendliche Geschichte ist Fantasy. Und auch nicht gut. ;-)

woc

Und äh... Die unendliche Geschichte? Klar Fantasy, oder?

pps

Die Übergänge sind natürlich fliessend. Märchen sind grundsätzlich anonyme epische Kurzformen mit stereotypisierten Figuren, die in zeitlich und örtlich unbestimmtem Setting stattfinden und bei denen - zumindest beim Zaubermärchen - die wunderbaren Figuren/Objekte auf derselben Ebene zu finden sind wie die "realistischen" Aspekte (das Wunderbare ist also selbstverständlich in der Märchenwelt).

Willow wäre meiner Meinung nach kein Märchen, weil die da gezeigte Welt doch ziemlich deutlich ausgestaltet ist, mit Landkarten, politischen Konflikten und so. (Man könnte Fantasy auch als ausgweitete Form des Märchens anschauen.) In Pan's Labyrinth sind die erzählten Geschichten natürlich Märchen, den Film als Ganzes könnte man aber auch zu Schauer/Horror oder zur Phantastik zählen (die klassisch die Unbestimmbarkeit zwischen real und fantastisch enthält). Wie gesagt, alles subjektiv, aber für so eine Liste muss man sich ja irgendwann mal entscheiden. (So ist z. B. Spirited Away auch weggefallen, weil ich fand, dass der Weltenwechsel doch eher zu Fantasy als zu Märchen gehört.)

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