Das OutNow.CH-Bestatter-Recap: "Familienbande"

Finaaale, ooh-ooh, Finaaale, ooh-ooh-ooh-oooh. Im Staffel-Showdown ging's richtig ab. Ein Fischhändler wurde aufgeschlitzt und Bestatter Luc Conrad fand auf einem Boot beinahe seine letzte Ruhe.

Powernapping...? © Media Relations SRF

WARNUNG: DIESER TEXT ENTHÄLT SPOILER!

Willkommen im Aargau, dem sichersten Kanton der Schweiz! Heute auf dem Menuplan: ein für die SRF-Primetime doch recht brutaler Mord an einem Fischhändler, ein Vergewaltigungs-Flashback und ein Finale, bei dem sich der Bösewicht am Ende selbst erschiesst, nachdem sein Plan, den Helden in einem lecken Ruderboot zu ersäufen, nicht aufgegangen ist.

Wieso hat er sich auch für eine so aufwändige Tötungsmethode entscheiden müssen! Wir wissen doch seit James Bond, dass das nie aufgeht. Einfach bäng bäng mit der Pistole wäre da effizienter gewesen.

Auf jeden Fall war heute ganz schön etwas los. Habe ich letzte Woche noch darüber gefrotzelt, dass zwischendurch das Krimi-Feeling etwas abhandengekommen ist, war die heutige Abschlussfolge der vierten Staffel wieder Krimi durch und durch - und ordentlich spannend.

Wie sich am Ende der vergangenen Episode abgezeichnet hat, setzt Mario diesmal seinen Plan um, den Vergewaltiger seiner Mutter blutig zu rächen. Warum ist er eigentlich nicht schon früher auf die Idee gekommen? Soo schwer kann's ja nicht gewesen sein, den Übeltäter zu identifizieren, zumal er sich ja schon die Fischgräte auf den Arm tätowiert hat. Aber nun ja. Dafür entlädt sich sein Hass in einem extra blutigen Mord, ob dem vielleicht sogar Gerichtsmediziner Semmelweis das Gesicht verzieht.

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Doch das ist nur der Anfang. Als Nächstes setzt er seine Verehrerin Dora ausser Gefecht und überwältigt seine Schwester Anna-Maria, die ihn in seiner Garage aufgespürt hat. Wie sich eine Polizistin von einem Amateur derart übertölpeln lässt, ist schon etwas erstaunlich - insbesondere auch am Ende, als sie sich so mir nichts, dir nichts von Mario die Waffe abnehmen lässt. Lernt man das nicht in der Polizeischule?!

Aber ok, die Erkenntnis, nun doch einen psychopathischen Serienmörder als Bruder zu haben, wiegt wohl doch etwas schwer, so dass dadurch ihre Reaktionsfähigkeit etwas geschwächt worden ist. Und ihr Bruder ist ja auch ein ganz schön fieser Bursche.

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Dessen Motiv für die Morde ist ein klassischer Mutterkomplex im Psycho-Stil. So fühlte er sich offensichtlich dazu genötigt, alle Frauen, die sich ihm mit amourösen Absichten genähert haben, gewaltsam zum Schweigen zu bringen. Anstatt wie bei Hitchcock in der Dusche, war's hier halt in der Morgenthaler Wildschweinfalle.

Zwar ist Mario nicht wie Norman Bates schizophren veranlagt, dafür leugnet er den Tod seiner Mutter und spricht beharrlich auf die Combox ihres Handys. Das war also die mysteriöse Person am Ende der Telefonleitung! Ein hübscher kleiner Twist, der da gelüftet wird, als Luc Conrad im alten Kram von Frau Giovanoli das Handy mit den über 60 neuen Nachrichten entdeckt.

Dieser kommt erstaunlich schnell auf die richtige Lösung, während Dörig noch mit seinem SWAT-Team rumhampelt. Ja, ein solches gibt es auch im sichersten Kanton der Schweiz! Dem Bestatter hilft dann allerdings kein SWAT-Team der Welt, als er bewusstlos auf dem sinkenden Boot vor sich hintreibt. Dafür ist der unerschrockene Fabio zur Stelle, der "vom Bestatter zum Beschatter" aufgestiegen ist und nicht zögert, seinem Chef schwimmend das Leben zu retten - in bunter Unterwäsche, die so gar nicht zu seinem sonstigen Gothic-Outfit passt.

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Am Ende kommt dann jedenfalls alles gut. Luc Conrad überlebt und kann so auch beim Abschiedsfestli für Erika teilnehmen, die mit Willi auf Weltreise geht. Auf einen Cliffhanger am Ende wie nach den Staffeln 2 und 3 wird diesmal verzichtet. Es sei denn, man möchte einen Heugümper-essenden-Dörig als solchen bezeichnen. Vielleicht kommt in Staffel 5 ja raus, dass es ein mutierter Killerheugümper war, der sich nun durch Dörigs Magen frisst und... Verzeihung. Da ist angeregt durch die blutigen Ereignisse der heutigen Folge ein wenig die Fantasie mit mir durchgegangen.

Fazit

Ein spannendes Finale, ohne Zweifel, die Stunde ist schnell vergangen. Viel mehr gibt's diesmal gar nicht zu sagen.

Man lasse mich stattdessen noch ein Fazit zur gesamten Staffel ziehen: Abgesehen von einigen Durchhängern war's recht packend. Ein wenig schade ist, dass die sorgfältig eingeführten Charaktere aus Morgenthal gegen Ende etwas verblassen. Dafür wurden wir Zuschauer bezüglich Marios Schuld oder Unschuld fein an der Nase herumgeführt. Wir freuen uns auch ohne Cliffhanger auf die fünfte Staffel. Bis dann!

© Media Relations SRF

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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