Das OutNow.CH-Bestatter-Recap: "Zwei Leben"

Da gefriert einem ja das Blut - im wortwörtlichen Sinn. In der neuen Folge geht's um neuartige Bestattungsmethoden. Tote gab's natürlich ebenfalls wieder, und in Morgenthal brodelt's nach wie vor.

Det obe am Bärgli © Media Relations SRF

WARNUNG: DIESER TEXT ENTHÄLT SPOILER!

Sind sie nun tot oder sind sie es nicht? Irgendwie war das ja ein wenig verwirrend mit diesen beiden Leichen in der mit Stickstoff gekühlten Tiefkühltruhe. Aber der Reihe nach.

Im Episoden-Plot geht's um die Kryonik. Oder kurz laientauglich zusammengefasst: um das Einfrieren von Körpern, um diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder zum Leben zu erwecken. Also so wie Han Solo - nicht ganz freiwillig - in The Empire Strikes Back. Oder Austin Powers im Kampf gegen den bösen Dr. Evil.

Das Thema hat die Fantasie der Drehbuchautoren jedenfalls seit jeher beflügelt. Nun also auch diejenige der Bestatter-Macher. Und das nicht mal so übel. Der Claim "Some like it hot - some not" ist schon mal recht originell für eine Firma, die sich auf eben dieses Business-Modell spezialisiert hat. Eine teure Agentur hätte das nicht besser hingekriegt. Ebenso amüsant ist die Szene, in der anhand eines Koteletts eine energieeffiziente Form des Bestattens demonstriert wird.

Aber kehren wir zurück zur Eingangsfrage: Wie ging das nun nochmals mit beiden Eingefrorenen? Ja, sie sind definitiv tot. Da war dieser Huber, Geschäftspartner der besagten Firma, der seine krebskranke Geliebte einfrieren wollte bis zu dem Zeitpunkt, in dem es für ihr Leiden ein Gegenmittel gibt. Deren Ehemann fand das jedoch nicht so toll und hat seine Gattin daher von ihren "Leiden" erlöst. Und gleichzeitig noch den Stickstoff-Tank geleert, woran dann sein Nebenbuhler sowie eine völlig unschuldige Maus daran gestorben sind.

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Gelöst wird dieser Fall übrigens weder von der Polizei noch von Luc Conrad, sondern von dessen frisch pensionierter Assistentin Erika. Die läuft in dieser Folge zu Hochform auf - und dies nicht nur auf ihrem neuen Laufband. Möglicherweise spielen auch Frühlingsgefühle eine Rolle in ihren unverhofften kombinatorischen Höheflügen.

Denn wir haben ja bereits in der letzten Folge vermutet, dass da etwas zwischen ihr und dem Waldmensch Willi laufen könnte. Nun ja, es scheint fast, als würde sich diese Vermutung bestätigen. Nachdem der wütende Dorf-Mob, angeführt von Geiser, seine Hütte niedergebrannt hat, verabschiedet er sich mit einem lakonischen "häschmer ä Sigi?" vom Unheilsdorf, in dem er 44 Jahre lang gelebt hat.

Dort herrscht alles andere als Eintracht. Wie bereits in einer vergangenen Folge angedeutet worden ist, ist der feine Förster offenbar scharf auf Leila, die Wirtin des Frohsinns. Und er macht sich nicht mal die Mühe, das vor seiner Frau zu vertuschen. Da stellt sich schon die Frage, wie so ein Oberarschloch - offenbar mag ihn ja wirklich niemand - in der Lage sein kann, die Dorfgemeinschaft hinter seinem Rücken zu vereinen. Ok, er hat sich zum Präsidenten der Nachbarschaftshilfe hochintrigiert, aber mal ehrlich: Wer würde einem solchen Kotzbrocken auch nur ein Wort glauben? Aber in Morgenthal läuft halt alles ein klein bisschen anders.

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Währenddessen passiert auch in der "Big City", also in Aarau, einiges. So wird der Hauptverdächtige für den ungelösten Mordfall, Cornelius Marker, von Dörig gehörig ins Kreuzverhör genommen. Dieser hat zwar wie's aussieht eine Vorliebe für SM (Kommentar Dörig: "Hoppla"!) und ist mutmasslicher Besitzer der Tatwaffe, eines Gürtels. Trotzdem bestreitet er standhaft, derjenige zu sein, der Mario so übel zugerichtet hat - ganz zu schweigen vom Mord an Susanne Gruber. Auf sein Alibi in der Tatnacht angesprochen, behauptet er, einen einflussreichen Grossrat getroffen zu haben, wobei die verworrene Geschichte nun also auch noch eine politische Komponente bekommt.

Wie auch immer, am Ende bringt sich der Verdächtige in seiner Zelle selbst um und der Fall ist gelöst. Ende gut, alles gut? Nein, natürlich nicht. Nicht nur Luc Conrad, sondern auch wir Zuschauer ahnen, dass die Sache zum Himmel stinkt.

Apropos Gestank: Am Fischstand begegnet Anna-Maria per Zufall ihrem mutmasslichen Vater. Erinnern wir uns daran, sie ist ja das Kind einer Vergewaltigung, und dieser freundliche ältere Herr soll nun also der Übeltäter sein. Das bringt die arme Kommissarin ganz schön aus dem Gleichgewicht, weshalb sie beginnt, dem Fischhändler nachzustellen. Es droht sich da eine eher unheilvolle Entwicklung anzubahnen. Vielleicht sollte sie doch mal Luc Conrads Tipp beherzigen: Es sei nicht gut, alles in sich hineinzufressen, meint dieser gegenüber dem grübelnden Fabio, bevor er herzhaft in sein Spanischbrötli beisst. Na dann: Än Guete!

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Fazit

Das war mal wieder ganz schön dicht. Der zwar interessante, aber etwas schwerfällig-intellektuelle Kryonik-Plot verträgt sich nicht optimal mit der Rahmenhandlung, die vom dialoglastigen Verhör dominiert wird. Für ein entspanntes Dienstagabend-Abschalt-Watching war das vielleicht etwas zu viel des Guten. Doch dank dem Auftauchen von Anna-Marias Vater und dem überraschenden Selbstmord des Hauptverdächtigen bleibt die Spannung auch für die verbleibenden zwei Folgen aufrecht.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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