Posthumous: Das Interview mit Jack Huston

Ein Künstler, der versehentlich für tot erklärt wurde, feiert plötzlich grosse Erfolge. Eine Figur, die Jack Huston unbedingt spielen musste. Wir trafen den Schauspieler zum Interview.

Jack Huston gehört einer ganz berühmten Familie an: Sein Grossvater John drehte Klassiker wie The Treasure of the Sierra Madre und The Maltese Falcon. Seine Tante ist die gefeierte Anjelica Huston und sein Onkel Danny Huston war in Filmen wie X-Men Origins: Wolverine und Robin Hood zu sehen. Jack Huston ist seit ein paar Jahren dabei, aus diesen riesigen Schatten hervorzutreten. So spielte er unter anderem in Boardwalk Empire die Rolle des Richard Harrow und war im Kino in American Hustle und The Longest Ride zu sehen. Ab dem 21. Januar 2016 sehen wir ihn in der Tragikomödie Posthumous, wo er einen erfolglosen Künstler spielt, der versehentlich für Tod erklärt wird und dessen Kunst nun reissenden Absatz findet. Wir trafen Jack Huston zum Interview und sprachen mit ihm über die verbitterte Kunstwelt, Boardwalk Empire und die Neuauflage von Ben-Hur, wo er die Hauptrolle spielen wird.

Was hat dich an Posthumous fasziniert?
Kunst war schon immer ein Teil meines Lebens. Ich und meine Geschwister gingen zur Kunstschule, meine Mutter ist eine Künstlerin. Ich hatte sogar einmal eine Ausstellung. Die meisten Filme, in denen es um Kunst geht, drehen sich um berühmte Künstler, sind meistens Biopics. Aber selten hat man einen Film über die Kunstwelt gesehen. Vor allem nicht in dieser zynischen Art und Weise, was vielleicht die ehrlichste ist, um diese Welt zu porträtieren. Meiner Meinung nach ist es eine einsame, zynische und verbitterte Welt. Ich meine, wie bewertest du Kunst? Es ist so subjektiv. Eine Person kann was sagen, das einem die ganze Karriere kaputtmachen kann. Die Kunstwelt ist in dieser Hinsicht noch viel grausamer als die Filmwelt. Denn Künstler offenbaren oft ihre Seele in ihren Werken. Es ist nicht "Wie findest du die Kunst?", sondern "Wie findest du MICH?". Wenn jemand deine Kunst nicht mag, mag er dich nicht. Man fühlt sich furchtbar. Liams Kunst gefällt zu Beginn des Filmes niemandem. Er ist so verbittert. Und durch "seinen Tod" kann er nun all die Sachen über die Kunstwelt sagen, die ihn zuvor die Karriere hätten kosten können. Er ist befreit. Ich fand dies sehr witzig.

© Impuls Pictures AG

Heute kann ja jeder seine Meinung auf Twitter kundtun. Wie geht man damit als Künstler um?
Du kannst zwar schon sagen, dass du einen Dreck auf diese Leute gibst. Das musst du fast so machen. Aber dummerweise wirst du genauso verbittert. Irgendwann interessiert es dich gar nicht mehr, was alle sagen. Das ist schade, denn unser Zusammenleben basiert auf Kontakt. Wir brauchen einfach nur ein bisschen Support.

Hast du die Skulpturen und die Gemälde, die wir im Film sehen, selbst geschaffen?
Die Skulpturen wurden vorgängig vorbereitet. Ich habe am Set dann die verschiedenen Teile zusammengebaut und gab ihnen einen Feinschliff. Bei den Bildern habe ich mit Künstlern zusammengearbeitet und auf dem Set dann weitergemalt. Die Malereien an den Skulpturen haben meine Ideen drin. Da ich einen Künstlerhintergrund habe, mochte ich diese Sachen sehr.

© Impuls Pictures AG

Du hast bei Boardwalk Empire schon mit Martin Scorsese zusammengearbeitet und bei American Hustle mit David O. Russell. Wie war es mit Lulu Wang zusammenzuarbeiten, die mit Posthumous ihr Spielfilmdebüt gibt?
Sie war wunderbar. Sie hat den Film geschrieben und wusste, was sie wollte. Das hilft enorm. Es gibt nichts Schlimmeres als einen "First-Timer", der keinen Plan hat, was er/sie tut. Vor allem bei unserem Terminplan, wir drehten den Film innert fünf Wochen. Lulu gehört für mich zu den selbstbewusstesten Regisseuren, mit denen ich je zusammengearbeitet habe.

Einer deiner nächsten Filme ist die Neuauflage von Ben-Hur.
Ich bin sehr aufgeregt. Der Film hat ein grossartiges Skript, welches viel näher am Buch ist als der William-Wyler-Klassiker. John Ridley, der den Oscar für 12 Years a Slave gewonnen hat, schrieb am Drehbuch mit. Wir alle wollen einen grossartigen Film machen, der sich von der 1959-Version unterscheidet. Wir wollen den Vergleich nicht. Wir möchten nicht einen solch tollen Film verbessern. Deshalb gingen wir bei unserem Film einen etwas anderen Weg.

© Studio / Produzent

Ben-Hur wird dein erster grosses Blockbuster. Wie wäre es später mal mit einer Superheldenrolle?
Ich würde es lieben einmal James Bond zu spielen. Ich arbeitete mit Bond-Produzentin Barbara Broccoli zu Beginn meiner Karriere mal zusammen. Das wäre mein Traum. Ich würde die Figur gerne so richtig grob machen. Wege einschlagen, die zuvor noch niemand gegangen ist.

Die folgende Frage enthält einen Spoiler zu Boardwalk Empire.

© Studio / Produzent

Man kennt dich vor allem dank der Figur des Richard Harrow in Boardwalk Empire. Als du mitbekamst, dass deine Figur sterben wird, wie hast du dich gefühlt?
Es war seltsam: Auf der einen Seite war ich froh, da ich fühlte, dass es für die Figur Zeit war zu sterben. Auf der anderen Seite war es schade, diese Serien-Familie zu verlassen. Aber du hast so einen guten Kontakt mit diesen Familienmitgliedern aufgebaut, dass du weisst, du wirst eines Tages wieder mit ihnen zusammenarbeiten. Boardwalk Empire war ein tolles Kapitel in meinem Leben.

Posthumous läuft ab dem 21. Januar 2016 in den Kinos

© Impuls Pictures AG

Als der mässig erfolgreiche Künstler Liam Price versehentlich für Tod erklärt wird, verkaufen sich seine Werke plötzlich rasend schnell. Anstatt den Irrtum aufzuklären, entscheidet Liam weiter "tot" zu bleiben und gibt sich als seinen Bruder aus. Doch als er sich verliebt, droht er aufzufliegen.

Chris Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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