Das OutNow.CH-Bestatter-Recap: "Falsche Freunde"

Neben den Intrigen in Morgenthal müssen die Ermittler heute den Todesfall einer jungen Kletterin untersuchen. Zudem enthüllt Anna-Maria im THC-Rausch ein schlimmes Geheimnis aus ihrer Kindheit.

Atemlos durch die Nacht © Media Relations SRF

WARNUNG: DIESER TEXT ENTHÄLT SPOILER!

Nun also doch noch: Nachdem sich die ersten beiden Episoden der vierten Staffel ganz auf die mörderischen Intrigen in Anna-Marias Heimatkaff Morgenthal konzentriert haben, erhalten wir Zuschauer in dieser dritten Folge - wie von früher gewohnt - wieder einen in sich geschlossenen Nebenplot, der parallel zur fortgesetzten Geschichte erzählt wird. Diesmal geht es um zwei ambitionierte Kletter-Mädchen, von denen eines (Kosename: "Flädermüsli") tödlich verunfallt, als es von einer hohen Brücke herunterfällt. Die Brückensszenen sind übrigens in exzellenten Bildern eingefangen, die in traurigem Gegensatz zum Unfall stehen.

Oder ist es am Ende gar kein Unfall? Natürlich nicht. Wir sind ja hier in einer Krimiserie. Mörderin ist das Mami des anderen Mädchens, eine mindestens ebenso verbissene Sportlerin wie ihre Tochter. Das Motiv der Frau ist allerdings etwas dürftig. Die Tat geschieht sozusagen im Affekt, weil sich das Opfer über sie und ihre Tochter lustig gemacht hat. Entweder schlummert in der Bewegungsfanatikerin eine ganz schön schwarze Seele, oder das ist alles ein klein wenig übertrieben.

Der Ausflug in die Sportwelt ist sonst ganz unterhaltsam, auch weil sich die frisch pensionierte Erika mit ihrer neuen Pulsuhr nun als Walkerin versucht. Irgendwer sollte ihr dabei vielleicht sagen, dass es ratsam ist, nicht in den Alltagskleidern trainieren zu gehen. Auf Fabio ist hier kein Verlass, er erfreut sich lieber an den via GPS direkt auf seinen PC übertragenen Trainingsdaten Erikas. Daneben beschäftigt er sich mit Prüfungsvorbereitungen, mit Bio-Urnen aus Maisstärke (hääh?!?) und mit der Frage, ob Funktionskleidung überhaupt in ein Krematorium passt. Gar nicht so uninteressant! Leider bleibt uns das Bestatter-Duo die Antwort schuldig.

Nochmals zurück zu Erika: Sie wird sich vielleicht schon bald häufiger im Wald aufhalten. Und dies nicht (nur) wegen des Walkings. Denn die erste Begegnung mit dem Wald-Einsiedler legt die Vermutung nahe, dass da in Zukunft etwas laufen könnte zwischen ihr und dem schweigsamen Typ. Der ist in dieser Folge gar nicht mehr soo schweigsam und entlastet mit seiner Aussage den Haupt-Mordverdächtigen Weber.

© Media Relations SRF

Wobei wir beim Morgenthal-Plot wären. Natürlich wird auch dieser weitergeführt. Hier ist alles etwas übersichtlicher als noch vor einer Woche. Wir erfahren drei wichtige neue Dinge. Erstens: Weder Mario noch Weber ist der Mörder von Susanne Gruber. Zweitens: Anna-Marias "erstes Mal" war mit dem mittlerweile verhafteten Stipe. Und drittens: Anna-Maria (oder Mario?) ist das Kind aus einer Vergewaltigung.

Diese Bombe lässt sie gegenüber Dörig lustig kichernd beim gemeinsamen Joint platzen. THC scheint also nicht nur zu bewirken, dass man träge wird, alles lustig findet und plötzlich riesigen Kohldampf kriegt, sondern es scheint auch ein Wahrheitsserum zu sein. Vielleicht sollte man mal alle Bewohner von Morgenthal zwingen, einen Joint zu rauchen. Möglicherweise hätte der arme Dörig dann endlich etwas mehr den Durchblick. Dann ist Morgenthal für ihn schon bald keine Morgenqual mehr. Und auch kein Sorgenthal (haha, Wortwitz im Dörig-Stil - kann ich!).

Denn wer weiss, vielleicht verliebt er sich ja schon bald? Richtig herzig ist nämlich die Szene, in der die Schwester der Ermordeten mit einem verschmitzten Lachen und einem selbstgemachten Muffin gnädig stimmt. Fast ebenso herzig ist seine Verlegenheit, als ihm Anna-Maria das Kompliment macht, er leiste hervorragende Arbeit. Dies trotz immer noch eher stümperhaften Verhörversuchen.

Ok, ich verstehe nicht wirklich viel von Polizeiarbeit, vermute aber, dass es nicht das ultimative Erfolgsrezept ist, einen schwerverletzten Halb-Bewusstlosen mit Suggestivfragen zu bombardieren. Etwas erfolgreicher ist Dörigs Verhörtaktik immerhin beim immer verdächtiger werdenden Aarburg-Arzt Cornelius, der ja gleichzeitig Marios heimlicher Lover ist. Was läuft da genau mit dem Typ? Auf die Antwort müssen wir noch warten.

© Media Relations SRF

Mario seinerseits ist - wir erinnern uns - am Ende der letzten Folge schwerverletzt vor Anna-Marias Haustür aufgetaucht und nun in Polizeigewahrsam genommen worden. Die erste Begegnung der beiden Geschwister endet in einem veritablen Ausraster Anna-Marias, der dann in der besagten Joint-Raucherei endet. To be continued!

Jetzt habe ich soo viel geschrieben und noch fast kein Wort über die Hauptfigur verloren. Aber das ist kein Zufall. Luc Conrad steht hier eher im Hintergrund, er ist sozusagen der ruhende Pol der Handlung. Ausser wenn gerade der gehörnte Ehemann und dessen Nebenbuhler aneinandergeraten. Dann hilft der Totengräber für alle Fälle auch gerne mal mit einem beherzten Griff an den Hosenbund, die Streithähne zu trennen. Ansonsten scheint's Luc ein bisschen langweilig zu sein, jetzt, wo er sich wieder auf seinen Bestatter-Alltag konzentrieren muss. Aber allzu lange dürfte das ja bestimmt nicht dauern.

© Media Relations SRF

Fazit

Back to the roots. Nachdem sich in der letzten Folge die Ereignisse überstürzt haben, geht's hier wieder etwas gemächlicher zu und her. Die Folge glänzt durch eine schöne Inszenierung und einige unterhaltsame Einzelszenen. Der Sportlerinnen-Plot ist nicht weltbewegend, dafür bleibt die Spannung in der Morgenthal-Geschichte aufrecht. Wir dürfen weiterhin rätseln, wer Susanne Grubers Mörder(in?) ist und freuen uns auf weitere spektakuläre Enthüllungen.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. facebook
  5. Twitter
  6. Instagram
  7. Letterboxd
Teilen
Auf Facebook teilen  Auf Twitter teilen 
Datum
Quelle
OutNow.CH
Themen
Mehr
Die offizielle Website
"Der Bestatter" auf OutNow.CH

Kommentare Total: 1

snakefilm

Ich möchte dem Verfasser (ebe) ein Kränzchen winden, keiner blickt so gut durch wie er im Geschichtengeflecht vom BESTATTER. Macht echt Spass und lesen wir mit Vergnügen! Kritik ist ja erlaubt! Markus Fischer (Produzent von der Serie "Der Bestatter")

Kommentar schreiben