Das OutNow.CH-Bestatter-Recap: "Gefährliches Gelände"

In der zweiten Folge der vierten Staffel kommen ganz viele komplizierte Verstrickungen zum Vorschein. Ob da Luc Conrad den Überblick zu behalten vermag? Wir haben mitgeschaut.

Tot oder nicht tot, das ist hier die Frage. © Media Relations SRF

WARNUNG: DIESER TEXT ENTHÄLT SPOILER!

Huiuiui. Bei dieser Folge musste man gut aufpassen. Sie ist vollgestopft mit Infos über persönliche Verstrickungen zwischen Nebencharakteren - also den Dorfbewohnern von Morgenthal, die ich in der ersten Folge nur als eine einförmige Masse von leicht einfältigen Hinterwäldlern wahrgenommen hatte.

Versuchen wir das mal ein wenig aufzudröseln. Die ermordete Susanne Gruber hatte eine Schwester, die Lädelibesitzerin, die bis jetzt als Einzige noch recht unverdächtig geblieben ist. Was sie wiederum verdächtig macht. Mit ihrem Ehemann Patrick (dem Blonden mit dem Schnauz) wollte Susanne Kinder, doch er ist unfruchtbar. Also hat sie sich heimlich im Wald mit diesem Ruedi Weber getroffen, dem gutaussehenden Dunkelhaarigen, der seines Zeichens Präsident der Nachbarschaftshilfe ist.

Sein Konkurrent um diesen offenbar furchtbar prestigeträchtigen Posten ist der verkniffene Förster Geiser, der immer so verdächtig in der Gegend rumschleicht und anscheinend einige Feinde hat. So zum Beispiel Stipe Ivanovic und seine Frau Leila, das Wirtepaar des lokalen Spuntens, das dessen Besitzer Geiser Geld schuldet.

© Media Relations SRF

Kommen alle noch mit? Gut. Also, unsere allseits bekannte Kommissarin Anna-Maria Giovanoli hatte mit 16 Jahren einen Klassenlager-Flirt mit eben diesem Stipe. Ein Jahr darauf hat sie mit Karin, Geisers heutiger Frau, von zu Hause ausreissen wollen, doch diese hat sie bei ihrer Mutter verpfiffen. Karin ist heute ein ziemliche Zicke, die sich nicht scheut, ihren Sohn auf Diebestour in fremde Häuser zu schicken. Ausserdem scheint sie Alkoholikerin zu sein, wie das Weinglas in der Hand und der fallengelassene Flaschenöffner wohl suggerieren wollen.

Nicht vergessen wollen wir an dieser Stelle Anna-Marias Bruder Mario, der - so erfahren wir - ein homosexuelles Verhältnis hat mit dem Leiter seiner früheren Jugendanstalt, der ihm auch heimlich Unterschlupf gewährt.

© Media Relations SRF

Puuuh. Ganz schön viel Information, nicht wahr? Eben. Dass da nicht alles ganz schlüssig ist, erstaunt also nicht: Warum wird gleich der Bestatter gerufen, wenn der Zusammengeschlagene noch gar nicht tot ist? Warum reagieren die Dörfler nicht argwöhnisch, als Luc Conrad mitten in der Nacht im Leichenwagen bei ihnen rumsteht? Warum beruft sich der Aarburg-Typ nicht einfach aufs Arztgeheimnis, als er von Dörig befragt wird? Und warum kommt dieser nochmals zurück, um ihn ein zweites Mal zu befragen? Einfach ein guter Riecher? Hallo? Dörig? Ausgerechnet? Der Bulle, der an der Beerdigung Flyers für ein DNA-Screening verteilt, als handle es sich dabei um eine Schulfete?

Ich höre gleich auf, versprochen! Nur eines noch: Ist der Job als Präsident der Nachbarschaftshilfe dermassen begehrt, dass man dafür auch vor Erpressung nicht zurückschreckt? So ein Vereinspräsidium ist sonst doch zumeist ein undankbarer Job, wo alle froh sind, wenn sich jemand freiwillig zur Verfügung stellt.

Auf jeden Fall wird genau dieser Ehrgeiz Geiser zum Verhängnis. Denn sein Kontrahent hat ihn und Stipe heimlich dabei gefilmt, wie er den Einsiedler im Wald zusammengeschlagen hat. Dieser schickt das Video dann auch der Polizei, die die beiden Übeltäter schliesslich während der laufenden Nachbarschaftshilfe-Versammlung hoppsnimmt. Eins zu null Weber!

Motiviert wurde er dazu übrigens durch einen Intriganten WC-Talk von Luc Conrad, der sich auch in dieser Folge um alles Mögliche ausser ums Bestatten kümmert und damit Fabio und Erika zur Weissglut treibt. Letztere erhält zur Pensionierung feierlich eine Pulsuhr geschenkt, über die sie sich nicht so sehr freuen mag. Anna-Maria wiederum wird in ihrem Heimatdorf zur persona non grata, wobei die Dorfbewohner nicht mal vor einem Mordversuch zurückschrecken; einem Mordversuch mit gelösten Bremsen, der dann mit Luc Conrad allerdings den Falschen trifft. Zum Glück ohne Erfolg. Wie sollte die Polizei denn den Fall ohne ihn lösen?

Fazit

Mir schwirrt der Kopf. Logik scheint nicht die ausgesprochene Stärke dieser Folge. Oder vielleicht habe ich beim Bemühen, alle obigen Verstrickungen mitzukriegen, einfach nicht genug auf andere Dinge achtgegeben. Das möchte ich an dieser Stelle mal offenlassen. Und trotzdem hat mir die Folge gefallen - gerade eben deshalb, weil sie mich ein wenig gefordert hat. Es passiert immer was, ist abwechslungsreich, der Soundtrack ist auch diesmal wieder gelungen, und das Ende wartet mit einem hübschen Cliffhanger auf. Wer braucht da schon Logik?

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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