Das OutNow.CH-Bestatter-Recap: "Letzte Worte"

Die SRF-Krimiserie um einen Totengräber mit Ermittlungshintergrund geht in die vierte Runde. Wir sind auch dieses Jahr wieder dabei! Heute: Was ist mit Mike Müllers Love-Interest Anna-Maria passiert?

Jetzt ist schon wieder etwas passiert! © Media Relations SRF

WARNUNG: DIESER TEXT ENTHÄLT SPOILER!

Und wieder ist also ein Jährchen vergangen, die Erinnerung ist schon am Verblassen. Da die Handlung unmittelbar nach dem Finale der dritten Staffel ansetzt, ist es vielleicht sinnvoll, kurz zurückzublenden: Da ging's um Diamantenschmuggel in künstlichen Hüftgelenken, organisiert vom kriminellen Mastermind Louis Lauener, verkörpert vom wunderbaren, leider inzwischen verstorbenen Mathias Gnädinger. Mit Unterstützung von Luc Conrad konnten die wackeren Polizisten dem Schurken in einem Friedhof-Showdown das Handwerk legen.

Ja, und dann gab's noch diesen Cliffhanger: Nachdem Anna-Maria Giovanoli sich von ihrer sterbenden Mutter verabschiedet hat - die ihr dabei verraten hat, dass ihr Vater noch am Leben sei -, wird sie von ihrem seltsamen Bruder Mario in ein Kellerverlies eingesperrt. Die Staffel endete mit dem Zoom auf ihr erschrecktes Gesicht.

Damit wären wir also in der Gegenwart der vierten Staffel. Das Begräbnis von Anna-Marias Mutter im fiktiven Aargauer Kaff Morgenthal ist gerade im Gange, als Polizeisirenen erklingen: Drei Pfadfinder haben eine junge Frau in einer Wildschweinfalle vorgefunden - ermordet und mutmasslich vergewaltigt. Die Bewohner von Morgenthal, die sich in einer Nachbarschaftshilfe zusammengetan haben ("voll eidgenössisch, Mann!"), haben den Täter bald eruiert: einen wortkargen Einsiedler, den alle nur den "Schwarzkittel" nennen.

Klar, dass dieser erste Verdächtige nicht wirklich der Schuldige ist. Irgendetwas scheint mit dem Typ aber im Busch - Verzeihung: im Wald - zu sein. Nicht nur, dass er zu Anna-Maria (aka "Ängeli") ein liebevolles Verhältnis zu pflegen scheint, nein, der Typ hat sogar ein eigenes kleines Musikthema: Immer wenn er in der Nähe ist, kreischen die Streicher beunruhigend.

© Media Relations SRF

Der Mörder hingegen ist, wie es scheint, Anna-Marias Bruder Mario, der schon als Jugendlicher in einer Erziehungsanstalt war. Doch offenbar wird er von jemandem, nennen wir ihn (oder sie) mal "Person X", dazu angestiftet, seine Schwester kaltzumachen. Hmmmm, wer dieser grosse Unbekannte wohl sein könnte? Mal ganz scharf überlegen und dabei den zweiten Abschnitt dieses Textes nochmals lesen. Möglicherweise erhärtet sich dann eine Vermutung. Möglicherweise auch nicht. Vielleicht ist ja auch alles ganz anders, als man denkt.

Auf jeden Fall haben wir es hier also mit einer Dexter-Situation zu tun: einem Serienmörder, dessen Schwester als Polizistin arbeitet. Nur dass der Serienmörder hier ein bisschen ungeschickter ans Werk geht. Wobei man ihm eine logistisch einwandfreie Leistung attestieren muss: Im Trubel rund um die Beerdigungsvorbereitungen seiner Mutter noch schnell einen Mord begehen und dabei den Verdacht auf einen anderen abwälzen, ist schon ganz respektabel. Oder ob er's am Ende gar nicht war?

Ungeschickt erweist sich auch der besorgte Luc Conrad, wenn's um den Umgang mit dem Kompass geht. Tja, das hat man davon, wenn man sich zu sehr aufs Handy-GPS verlässt! Eine der raren Pointen in einem eher düsteren Serienauftakt. Eine weitere Pointe kann Fabio für sich verbuchen, der bei Conrads treuer Seele Erika, die vor der Pensionierung steht, eine Midlife-Crisis diagnostiziert: "Heutzutage kommt eben alles etwas später!". Ansonsten kommt Conrads liebenswert-verschrobener Assistent in dieser Folge leider etwas zu kurz. Schade, haben wir ihn doch mittlerweile ein wenig ins Herz geschlossen - wie auch Luc Conrad, der Erika und ihn am Schluss mit einem Küssli ehrt.

Apropos Küssli und gerne haben: Wirklich rührend ist die Szene, in der die erschöpfte Anna-Maria von Luc nach Hause begleitet wird, nachdem sie sich aus eigener Kraft aus der Gefangenschaft hat befreien können. Schön gemacht!

© Media Relations SRF

Alles andere als zum Ins-Herz-Schliessen sind hingegen die selbstgerechten Dorfbewohner, allesamt verbohrte und anscheinend nicht übermässig helle Kotzbrocken. Ein wenig gar grob gezeichnet wird hier das Bild der primitiven Dorftölpel, die in der lokalen Kneipe namens "Frohsinn" beim Biertrinken Selbstjustiz-Fantasien vor sich herwälzen. Das ist schade, denn die ganz eigene Dynamik des Dorflebens, wo jeder jeden kennt, ist ein interessantes Thema und ein neuer Aspekt in der Serie.

Ein weiterer neuer Aspekt der Serie besteht darin, dass die Folge keine in sich abgeschlossene Rahmenstory enthält. Während in den vormaligen Staffeln zumindest in den ersten Folgen jeweils am Ende der Folge ein Mörder gefasst werden konnte, ist diese Staffel anscheinend von Anfang an als Fortsetzungsstory angelegt. Dieser Fortsetzungsstory würde ein Crescendo sicher guttun. Denn diese erste Folge war insgesamt doch eher ein wenig fad.

Fazit

Hmja. Jetzt hab ich das Fazit ja schon im vorangehenden Satz vorweggenommen. Das Problem an dieser Auftaktfolge war nicht nur, dass mit Carlos Leal und Mathias Gnädiger der Serie zwei prägende Gesichter abhandengekommen sind. Es besteht auch darin, dass am Ende der Folge schon beinahe alle Rätsel gelöst sind und kaum mehr Fragen offenbleiben, dank denen man ungeduldig auf nächste Woche entgegenfiebert. Da würde der Geschichte ein explosiver Twist in einer kommenden Folge guttun, der alles in einem neuen Licht dastehen lässt. Lassen wir uns überraschen.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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