"Black Mass": Das Interview mit Regisseur Scott Cooper

Nachdem er Jeff Bridges zu seinem Oscar verholfen hatte und Christian Bale zu einer starken Performance anspornte, verhalf er nun Johnny Depp zu einem Comeback. Wir trafen Cooper zum Interview.

Scott Cooper am ZFF © 2015 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Mit seinen ersten beiden Filmen Crazy Heart und Out of the Furnace hat Scott Cooper viel Kritikerlob einheimsen können. In seinem neusten Film, dem auf wahren Begebenheiten basierenden Black Mass, inszenierte er Johnny Depp als knallharten Gangster James "Whitey" Bulger. Wir trafen Cooper anlässlich des Zurich Film Festivals zum Interview und sprachen mit ihm über das Casting von Johnny Depp, die nötige Rücksichtnahme auf Beteiligte bei einem solchen Stoff, Terminkalender und über ein mögliches Sterben von Superheldenfilmen.

OutNow.CH: Wie war es, eine solch brutale und wahre Geschichte über Leute zu erzählen, von denen die meisten heute noch leben?
Scott Cooper: Es ist eine riesige Verantwortung. Es gibt bei dieser Geschichte nicht nur Täter, sondern auch Opfer und deren Familien. Ich dachte während der ganzen Drehzeit an sie, weshalb ich die Geschehnisse nicht glorifizieren oder ro­man­ti­sie­ren wollte. Dies ist nicht fair ihnen gegenüber.

© 2015 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Hast du versucht mit dem echten James "Whitey" Bulger Kontakt aufzunehmen?
Ja, das habe ich versucht, habe ihm einen Brief ins Gefängnis geschrieben. Doch er hatte kein Interesse, sich mit mir oder mit Johnny Depp zu treffen. Ich sprach aber mit seinem Anwalt, mit Leuten, mit denen er gearbeitet hat, den Autoren des Buches "Black Mass", den FBI-Agenten, die Bulger verhafteten, sowie mit Staatsanwalt Fred Wyshak, der Bulgers Winter Hill Gang hinter Gitter brachte. Er wird im Film von Corey Stoll gespielt.

Wieso hast du dich für Johnny Depp für die Rolle des Whitey Bulger entschieden?
Ich mag es, Schauspieler zu sehen, wie man sie noch nie gesehen hat. Ich schrieb Crazy Heart für Jeff Bridges, da ich eine andere Seite von ihm sehen wollte. Bei Out of the Furnace wollte ich von Christian Bale Verletzlichkeit sehen, was ich zuvor selten bei ihm gesehen hatte. Johnny ist ein sehr netter Mensch. Was man bei Black Mass auf der Leinwand sieht, ist unglaublich weit entfernt vom echten Johnny. Wir haben Johnny oft gesehen, wie er sich verkleidet hat. Aber mich interessierte hier vor allem die psychische Transformation, was ihm wunderbar gelungen ist.

© 2015 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Johnny Depp ist ja nicht der einzige grosse Namen im Cast, weiter sind da noch Benedict Cumberbatch, Dakota Johnson, Corey Stoll, Joel Edgerton und Kevin Bacon. Wie war es, mit all ihren Terminkalendern jonglieren zu müssen?
(lacht) Es war gewiss nicht einfach, weil alle momentan so gefragt sind. Was ich jedoch gelernt habe, ist, dass ein solcher Film mit einem solchen Aufwand heute kaum noch gedreht wird. Die Schauspieler sehnten sich also nach einem solchen Stoff, und so war es ihnen dann egal, wie gross oder klein ihre Rolle war. Sie wollten dabei sein.

Steven Spielberg hat kürzlich gesagt, dass es den momentan angesagten Superheldenfilmen ähnlich wie den Western ergehen wird und sie verschwinden werden. Hoffst du auch darauf, damit so wieder mehr Filme wie Black Mass gedreht werden können?
Nein, das hoffe ich nicht wirklich. Die Leute haben einfach einen zu grossen Spass bei diesen Filmen, weshalb die Studios dann auch viel Geld machen. So können die Studios dann sagen: "Ok, wir haben jetzt viel Geld verdient, lassen wir Scott Cooper ein wenig damit in seinem kleinen Sandkasten spielen." (lacht) Auch wenn ich selbst kein grosser Fan von Superheldenfilmen bin, finde ich sie wichtig, da die Leute damit aus ihrem Alltag ausbrechen können. Ein Grossteil der Leute da draussen hat es nicht einfach, und so ist es doch schön, wenn man für zwei Stunden in eine andere Welt eintauchen kann.

© 2015 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Wäre denn Scott Cooper daran interessiert, mal selbst in dem grossen Sandkasten zu spielen?
Wenn es ein Film mit grossen Emotionen wäre oder eine sehr menschliche Geschichte, dann ja. Nur des Geldes wegen würde ich das nicht machen. Es müsste schon was sein, das ich erzählen möchte. Ich würde sonst keine Energie in ein solches Projekt stecken.

Hast du denn kürzlich einen solchen Blockbuster gesehen, wie du ihn beschrieben hast?
Nein, nicht wirklich. Aber ein Film, der mich schwer beeindruckt hat, war George Millers Mad Max: Fury Road. Der war extrem gut gemacht, voller Dynamik. Ich hoffe, dass ich mit 70 noch so fit bin. (lacht).

Black Mass läuft ab heute in den Schweizer Kinos.

© 2015 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Boston in den Siebzigerjahren: James "Whitey" Bulger (Johnny Depp) ist der Pate der irischen Mafia. Was niemand weiss: Bulger arbeitet heimlich mit dem FBI zusammen, um die italienische Mafia loszuwerden. Und so wird Bulger zum mächtigsten und gefürchtetsten Mann in der Unterwelt von Boston.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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