"Fack Ju Göhte 2": Das Interview mit Elyas M'Barek

Er ist momentan der grösste Movie-Star Deutschlands. Elyas M'Barek verdreht Frauen den Kopf und die Männer mögen ihn als Kumpel. Für "Fack Ju Göhte 2" trafen wir das Schlitzohr in Berlin.

OutNow.CH: Wenn man so eine Fortsetzung dreht, ist das dann wie Sitzenbleiben und nochmals in dieselbe Klasse müssen?
Elyas M'Barek: Zu dürfen! Es war wunderschön, mit all den Kollegen aus dem ersten Teil wieder vor der Kamera zu stehen und mit denen rumzuhängen und rumzureisen. Was im Film mit der Klassenfahrt stattfand, fand auch so für uns statt.

Thailand ist ungewöhnlich für eine Klassenfahrt. Hatte da "der Lehrer" etwas mitzureden?
Es ist eher ein Entwicklungshilfe-Programm. Klassenfahrten führen ja normalerweise eher nach Föhr oder in den Schwarzwald. Aber das war die Idee des Regisseurs Bora Dagtekin. Zur Debatte standen auch mal Kuba oder sogar Miami.

Warst du auch von der Magen-Darm-Grippe betroffen?
Ja, ich war der dreizehnte. Ich musste mich aber nur übergeben - war aber trotzdem 24 Stunden ans Bett gefesselt. Uns wurden Infusionen gegeben und man wurde etwa drei Stunden quasi durchgespült. Aber es war schon recht übel. Die Hälfte vom Team wurde dahingerafft.

Teil 1 war ganz nah am Problemkiez. Jetzt fuhr man ganz weit weg - bis nach Thailand. Ist das vielleicht auch ein bisschen Verrat am Film und Zufall, dass er im selben Land spielt wie Türkisch für Anfänger?
Selbst Katja Riemann hatte diese Befürchtung. Sie hat aber erleichtert festgestellt, dass dies gar nicht der Fall sei. Die Annäherung zwischen Zeki und seinen Schülern findet im zweiten Teil nun auch wieder statt. Sie starten einfach woanders. Zeki ist total genervt von den Schülern und dem Lehrerdasein. Er hat sich das anders vorgestellt. Insofern braucht er diese neue Herausforderung. Die Charaktere werden aber auch besser beleuchtet. Wir werden im zweiten Teil Chantal besser verstehen. Es geht auch darum, warum Chantal so ist, wie sie ist. Der Film ist auch ein Stück emotionaler als der erste Teil.

Wir hören, Lisi Schnabelstedt fährt gar nicht mit nach Thailand im Film?
Nein. Mein Gegenspieler diesmal wird von Volker Bruch verkörpert. Er spielt einen Lehrer von einer Elite-Schule. Der kommt mit seiner Streber-Klasse da an, und ich habe all die Asozialen. Lisi betreut Zeki per Skype, weil er die Bande nicht zähmen kann. Sie kommt wegen Terrorverdacht nicht mit. Die Kinder haben ihr eine Fake-Handgranate ins Gepäck geschmuggelt.

Fack Ju Göhte war der vierterfolgreichste deutsche Film seit 1968 an den deutschen Kinokassen. Hast du da eine Erklärung dafür?
Wenn ich das wüsste... Das kann man nicht erklären. Ich kann mir den Film selber angucken und finde das lustig. Bora hat da eine Art Zeitnerv getroffen. Jeder kann mit dem Schulthema etwas anfangen. Die Paukerfilme waren früher auch sehr erfolgreich. Bora schafft es, ein sehr überspitztes Bild von der Wirklichkeit zu zeichnen, die auf den Schulhöfen so stattfindet.

Ihr habt euch damals wohl jedes Wochenende die Besucherzahlen angeschaut. Wird das beim zweiten Teil auch etwas angstbehaftet sein?
Da gibt es bestimmt Leute, die jetzt schon sehr nervös sind. Das überlasse ich aber denen aus dem Verleih. Und das ist auch deren Job. Ich muss mich als Schauspieler ein bisschen frei machen von sowas. Ich hoff, dass der Film Erfolg hat, dass sich die Arbeit gelohnt hat, und dass die Leute Spass haben. Aber meine Arbeit ist getan.

Wie gross ist der Druck nach dem Erfolg des ersten Teils?
Der ist sehr gross. Es gibt reges Interesse, und die Leute erwarten eine hoffentlich gute Fortsetzung. Bora hat lange überlegt, wie die Geschichte weitererzählt werden kann, ohne dass es ein Abklatsch vom ersten Teil wird. Und alle haben richtig Gas gegeben.

Da wurde auch bei der Action eine Schippe draufgelegt.
Er ist aufwändiger. Der erste Teil spielte hauptsächlich in dieser Schule. Im zweiten Teil haben wir auf Booten, Schiffen, unter Wasser, in der Luft, mit Elefanten, mit Affen gedreht. Es gab nichts, was wir nicht gemacht haben.

Chantal möchte ja YouTube-Star werden im zweiten Teil. Wäre das was für dich?
Nein, gar nicht. Ist mir viel zu anstrengend. Da musst du jeden Tag so ein Video hochladen. Wir hatten ja auch YouTuber dabei und die hab ich gefragt, wie sie das so machen. Die produzieren vor - z.B. wenn sie mal wo sind, wo's kein Internet gibt. Und wenn sie mal in den Urlaub fahren, dann filmen die alles. Der Druck ist Wahnsinn. Meine Facebook-Page ist ja ansatzweise vergleichbar. Wenn ich allerdings eine Woche keinen Bock habe, was zu posten, dann mache ich es halt nicht. Und dann beschwert sich auch keiner.

Ist Zeki denn auch so etwas wie eine Vaterfigur für Chantal?
Absolut. Zeki schafft es zum Schluss schon, Verantwortung zu übernehmen. Er wird für Chantal eine wichtige Bezugsperson. Was man gar nicht glauben mag.

Wo immer du hingehst, gibt es Kreischalarm. Hat Dich das verändert?
Ich werde halt ständig um Fotos gebeten. Kreischen tut keiner, wenn ich aus dem Haus komme. Aber das hat mich nicht verändert.

Überwiegen die Vor- oder die Nachteile vom Populärsein?
Die Vorteile. Noch. Frag mich in zwei Jahren nochmals. Man hat den Promi-Bonus, den ich mittlerweile auch erleben darf. In Restaurants bekomme ich immer einen Platz. In Deutschland zumindest. Ich war letztens in Barcelona, da war das anders. Das fand ich auch witzig.

Wie ist es, wenn du dich selber im Kino siehst: Erträgst du das? Es gibt Schauspieler, die mögen das nicht.
Da glaube ich nicht. Da kokettieren die. Jeder will doch gerne sehen, was er geleistet hat. Für mich reicht es meist, den Film einmal an der Premiere gesehen zu haben. Was hat der Cutter, der Regisseur daraus gemacht? Ich schaue meine Filme nicht exzessiv. Objektiv kann man es sowieso nicht betrachten, weil man zu tief in der Materie steckt.

Du kommst zu Premiere nach Zürich. Freust du dich darauf?
Unbedingt. Ich bin ein grosser Schweiz-Fan.

Ist da die Hysterie auch schon so gross?
Ich glaube schon. Wir mussten aus Sicherheitsgründen sogar das Kino wechseln.

Hast du den fertigen Film schon gesehen?
Ja, gestern Nacht. (In der Nacht vom 30. August. Anm. d. Red.)

Zufrieden?
Ich bin zufrieden.

Und die, welche mit im Saal sassen, alle auch?
Davon gehe ich aus.

Warum wurde der Film vor diesem Interview der Presse noch nicht gezeigt?
Weil er noch nicht fertig ist. Ich durfte ihn in so einer Nacht-und-Nebel-Aktion sehen, damit ich überhaupt weiss, wovon in spreche. Ich habe auch nicht die endgültige Fassung gesehen. Die Mischung stimmte noch nicht ganz. Es war noch nicht gegradet. Bora hat einfach den Anspruch, den Film erst zu zeigen, wenn er wirklich fertig ist.

Müssen wir uns wirklich keine Sorgen machen?
Nein. Die Schnittfassung steht schon länger. Die vier Monate vom Dreh-Ende bis zum Starttermin waren einfach sehr knapp bemessen. Keine Sorge. Alle fragen, warum wir den Film nicht zeigen wollen. Doch, glaub schon! Nächste Woche erst!

Wird es einen dritten Teil geben?
Nein, aber einen vierten!

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